Währung

Devisenmarkt: Die großen Fässer

USD-Schwäche

Am Anfang der Woche hatte ich noch gewarnt vor zu viel Hoffnung auf eine Korrektur in EUR-USD. Dass ich soo richtig lag, hätte ich mir aber nicht träumen lassen (von daher: unverdientes Glück). Heute Morgen kratzt EUR-USD schon wieder an der nächsten “big figure” (der 1,19); ein kleines Päuschen gab’s nur am Dienstag. Aber noch nichteinmal einen Rücksetzer. EUR-USD ist wieder da, wo es im Mai 2018 stand. Sie haben in unseren Publikationen und in unseren Prognosen von H2/2018 und von 2019 gemerkt, dass ich (und die meisten meiner Kolleginnen) die Talfahrt von EUR-USD nicht nachvollziehen konnte. Daher habe ich einen Bias dazu, die jetzige Marktreaktion als “richtig” zu interpretieren, zumal neue Argumente hinzugekommen sind:

  • die (aus Marktsicht dauerhafte) ultra-expansive Geldpolitik der Fed und in Folge Rekord-Tiefstände der US-Renditen;
  • die Tatsache, dass die USA mit dieser Krise (im Gegensatz zu 2008) schlechter umgehen als Europa;
  • gestern dann noch der Vorstoß des US-Präsidenten, die Wahl zu verschieben, der schlimmste Befürchtungen über die Zukunft der US-Demokratie zu bestätigen scheint.

Die Marke von 1,20 ist daher in Schlagdistanz. Danach werden alle von den Höchstständen von Anfang 2018 (um 1,25) reden. Auch und insbesondere diejenigen, die vor kurzem noch “Parität” riefen. Mir scheint, dass gerade mehr Blasen platzen, als ich es mir habe träumen lassen. Mittlerweile redet alle Welt sogar (seit langem erstmals) wieder von den großen Lebenslügen des Dollars: vom permanenten Leistungsbilanzefizit, vom Niveau der Staatsverschuldung (oder, beides zusammenfassend: vom “Zwillings-Defizit”), vom wackeligen Status des Dollars als Welt-Leitwährung, der ihm auch am Devisenmarkt ein exorbitantes Privileg ermöglicht. Was in den letzten Jahren stets Themen waren, die ich mal am Ende von Präsentationen angerissen habe, wenn noch Zeit war, bei denen aber (das hab ich schon mitbekommen!) kaum jemand wirklich mehr zugehört hat, wird plötzlich zum heißen “floor talk”.

So große Fässer muss man für recht aggressive EUR-USD-Prognosen freilich gar nicht aufmachen. Dass seit 2014 der Dollar sehr teuer bewertet war, lag initial vor allem daran, dass der Fed mehr “Normalisierung” zugetraut wurde (die sie später ja auch für einige Zeit lieferte). Dass das wiederkehrt, glaubt niemand. Bevor ich nun aber in die Versuchung komme, entsprechend 1,40 (das EUR-USD-Niveau von Anfang 2014) als nächstes EUR-USD-Ziel auszurufen, verweise ich lieber auf die Gefahr: Es kann nach solch heftiger Bewegung immer wieder Rücksetzer geben. Nur werden Sie verstehen, dass ich die Marktreaktion der letzten Wochen ganz und gar nicht als “falsch” bezeichnen werde. Gute fundamentale Argumente gäb’s noch für viel, viel mehr USD-Schwäche.

Q2-BIP-Zahlen

Deutschland, USA, aber auch z.B. Mexiko: Die gestern vermeldeten BIP-Zahlen für das zweite Quartal fielen schlecht aus, aber lagen allesamt im Rahmen der Erwartungen. Selbst wo sie unter dem Median der Analysten-Schärtzungen lagen, war das kein großer Beinbruch für die jeweilige Währung. Dass bei diesem einmaligen Einbruch der Wirtschaftsaktivität die Analysten nicht so genau wie in normalen Zeiten prognostizieren können, sondern eher Größenordnungen angeben, dürfte jedem FX-Händler klar gewesen sein. Und die Größenordnungen passten.

Und überhaupt: Im Gegensatz zu normalen Rezessionen war der Einbruch in Q2 einem externen Effekt geschuldet, ja geradezu das Ziel der Gesundheitspolitik von März/April. Anders als sonst in Rezessionen sagt die Größe des BIP-Rückgangs nichts über irgendwelche unterliegenden Probleme des Wirtschaftsprozesses aus, die sonst Rezessionen erzeugen. Sie ist in diesem Sinn nicht informativ für effiziente Märkte. In Q3 freilich könnten sich erste ökonomische Unterschiede zeigen, die dann auch relevanter werden für die mittel- bis langfristige Sicht. Welche Ökonomie kommt schneller wieder in halbwegs normales Fahrwasser? Wo sind die Sekundäreffekte am größten, wo leidet Nachfrage also nicht nur unter Angst vor dem Gang in die Läden, sondern auch unter sinkenden Einkommen, Arbeitslosigkeit etc.? Und schließlich: Gibt es hier und da schon Zeichen, dass auch das Potenzialwachstum sich ändert, aufgrund dauerhafter Effekte auf Konsumverhalten, Produktionsweisen usw.? Schließen Sie also nicht aus der gestrigen Erfahrung, dass in drei Monaten die nächsten BIP-Veröffentlichungen (oder vorher schnellere Indikatoren) ähnlich unspektakulär für den Devisenmarkt ablaufen werden…

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CNY träge trotz besseren PMIs

Die USD-CNY-Kurse machen zuletzt einen eher trägen Eindruck. USD-CNY verharrt ohne größere Bewegungen bei 7. Sobald USD-CNY unter 7 nachgibt, scheint es eine starke Unterstützung zu geben. Ein solches Verhalten könnte einerseits die Bedenken des Marktes widerspiegeln, insbesondere mit Blick auf die Spannungen zwischen den USA und China. Andererseits könnten sie auf ein Taktieren der Behörden hindeuten, die in der Regel eine stabile Währung vorziehen. Die Dynamik des Renminbis ist dadurch aktuell auf jeden Fall etwas langweilig.

Und das, obwohl der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe positiv überraschen konnte. Nach einem Stand von 50,9 im Juni stieg er im Juli auf 51,1. Es war ein leichter Rückgang erwartet worden. Doch obwohl zuletzt in einigen Provinzen das Virus erneut ausgebrochen ist, steuert die Wirtschaft weiterhin auf eine vollständige Erholung zu. Der Arbeitsmarkt bleibt jedoch schwach; der PMI-Subindex der Beschäftigung blieb sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor unter dem Stand von 50.

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