Währung

Devisenmarkt: Der Punkt, an dem es kippt

Markt verwirft US-Bedrohung des HKD-Pegs

Die Mehrheit der Analysten und letztlich auch der Markt, waren sich gestern einig, dass der HKD-Peg trotz der angeblichen Erwägungen der US-Regierung, den Zugang Hongkongs zu USD einzuschränken, nicht in Gefahr sei. Entsprechend hatte die Nachricht keine weitreichenderen Auswirkungen auf die Märkte. Tatsächlich herrschte sogar gestern und auch heute früh noch Risk-On. Einerseits wurde sogleich berichtet, dass der Vorschlag ohnehin nicht auf die Zustimmung der gesamten US-Regierung stieß, und eine Umsetzung daher unwahrscheinlich erschien, und zum anderen wurde darauf verwiesen, dass die Hong Kong Monetary Authority über reichlich Devisenreserven verfügen würde, um die Wechselkursbindung zu verteidigen. Letzteres wäre aber wohl kaum relevant, wenn Banken in Hongkong nicht mehr in der Lage wären, US-Dollar abzuwickeln. So sei laut den Berichten eine der zur Diskussion stehenden Strafmaßnahmen der USA, Banken in Hongkong vom SWIFT-Zahlungssystem auszuschließen.

Dass diese „Nuklearoption” auf den Tisch gebracht wird, verwundert nicht. Schließlich hat sie sich nicht zuletzt im Konflikt mit dem Iran bewährt. Den USA ist es gelungen, die Wirtschaft effektiv zu isolieren und dass trotz der Versuche der anderen am Atomabkommen beteiligten Länder, den Handel mit dem Iran aufrechtzuerhalten. Was Wirtschaftssanktionen anbelangt, ist dies die ultimative Waffe der USA – all das, dank eines USD-zentrischen globalen Währungssystems.

Das Interessanteste daran ist: All den Protesten und der Kritik gegenüber dieser US-Praktik zum Trotz hat der Dollar-Status bislang keinen Schaden genommen. Der Vorsprung des US-Dollars gegenüber dem Euro im internationalen Zahlungsverkehr hat seit der Aufkündigung des Atomabkommens seitens der USA sogar eher weiter zugenommen. Aber eines scheint mir sicher: Es gibt einen Punkt, an dem das System kippt. Mit der Sanktionierung des Iran wurde dieser offensichtlich nicht erreicht. Doch ich kann mir vorstellen, dass wenn China betroffen wäre, die Sache anders aussehen würde, allein aufgrund der schieren Größe der Volkswirtschaft. Momentan mag lediglich die Rede davon sein, die Banken in Hongkong und nicht in Mainland-China auszuschließen. Aber die Motivation hinter einem solchen Schritt wäre natürlich, die Hongkong-Strategie Pekings zu untergraben. Insbesondere chinesische Unternehmen oder Unternehmen, die mit China Handel betreiben, müssten fürchten, dass die USA – sofern Chinas Regierung im Hongkong-Konflikt mit den USA nicht nachgibt – noch weitergehen und womöglich Mainland-China vom SWIFT-System ausschließen könnte. Ich habe schon vor einiger Zeit darüber sinniert, dass der US-China-Konflikt langfristig zu einer Teilung der Weltwirtschaft führen könnte. Dieses Szenario würde in dem oben beschriebenen Fall zweifellos wahrscheinlicher werden.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
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Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Die Umweltpolitik der EZB

Die EZB will mit ihren geldpolitischen Instrumenten nun auch Umweltpolitik betreiben, ließ EZB-Chefin Christine Lagarde gestern in einem Interview wissen. Für lange Zeit dürfte das die EUR-Wechselkurse nicht belasten. Langfristig ist es aber kein positives Signal für den Euro, wenn Europas Geldpolitik mehr und mehr Geldpolitk-fremde Ziele verfolgt. So wichtig sie auch sein mögen.

EZB-Chefin Christine Lagarde sorgt sich um die Umwelt und will was gegen den Klimawandel tun. Ich auch. Ich fahre Elektro-Auto (ein echtes, nicht diesen Hybrid-Quatsch), mein Strom ist öko, und in den Urlaub geht’s fast nie mit dem Flugzeug. Aber diese Haltung beeinflusst nicht meine Arbeit. Sollte es bei Frau Lagarde auch nicht. Ich habe von meinem Arbeitgeber kein Mandat dafür, in meiner TagesInfo Ihnen meine privaten umweltpolitischen Meinungen unterzujubeln. Und Frau Lagarde hat kein Mandat für Umweltpolitik.

Den Sündenfall der Vermischung geldpolitischer mit anderen Zielen hat die EZB schon zu oft in der Vergangenheit begangen: als sie Griechenland rettete, als sie die Gefahr eines Auseinanderfallens des Euroraumes bekämpfte, als sie Verantwortung im Bereich der Bankenaufsicht an sich riss. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich persönlich halte all das für immens wichtig und sehe jede Rechtfertigung dafür, dass Politik diese Ziele verfolgt. Ich bin keiner dieser Euro- oder Europa-Hasser. Genausowenig, wie ich Klima-Leugner bin. Aber es ist nicht richtig, dass die EZB diesen Job übernimmt. Das müssen Regierungen tun, die das Geld dafür über Steuern oder Neuverschuldung aufbringen müssen.

Mit Geld kann man viele sinnvolle und ehrenhafte Sachen machen. Nur ist die Idee, dafür Geld zu drucken, zum Scheitern verurteilt. Das, genau das, ist der Grund, warum Zentralbanken unabhängig und aus dem demokratischen Prozess ausgenommen sind. Nur müssen sie dann auch davon absehen, anderes zu tun als die Inflation zu steuern. Sonst wird die Unabhängigkeit ad absurdum geführt.

Warum geht das Ihren FX-Analysten was an? Weil eine Zentralbank, die alle möglichen politischen Ziele verfolgt, nicht eine starke Währung emittieren kann. Unser Prognosehorizont reicht derzeit nur bis Ende 2022. Bis dahin prognostizieren wir eine EUR-Aufwertung, weil andere Themen dominieren dürften. Schließlich bin ich so ziemlich der Einzige, der sich derzeit über Lagarde aufregt. Langfristig ist diese Haltung der EZB aber kein gutes Signal für den Euro. Wenn irgendwann andernorts Zentralbanken wieder höhere Leitzinsen oder eine Reduktion ihrer Wertpapier-Portfolios erwägen, wird die EZB eine der letzten sein, die mit einstimmen. Dann, erst dann, engen die sonstigen Verpflichtungen sie ein – zum Nachteil der EUR-Wechselkurse.

Derzeit wollen alle Zentralbanken expansiver werden, können es aber nicht. Da spielt solch eine selbstgewählte Abhängigkeit, die die EZB sich schafft, keine Rolle. Wer annimmt, dass diese Zeiten nie enden, kann verneinen, dass die Euro-Wechselkurse dadurch langfristig Schaden nehmen. Ich würde darauf nicht wetten wollen. Und übrigens: Unsere Prognose für Ende 2022 (EUR-USD um 1,18) impliziert immer noch eine deutliche EUR-Unterbewertung. Auch deshalb, weil die EZB diese fachfremden Verpflichtungen eingegangen ist und zunehmend eingeht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
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CU2XL0LongEUR/CHFFaktor: 5
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CU2XL5LongEUR/GBPFaktor: 5
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CU2XMDLongEUR/JPYFaktor: 5
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CNY: Tippfehler?

Eigentlich sollte das nationale Statistikamt Chinas heute Morgen die Inflationsdaten für Juni 2020 veröffentlichen, meldete aber versehentlich die Zahlen vom Juni des Vorjahres. Die chinesischen Techniker benötigten über 15 Minuten, um das Problem zu beheben. Dann wurde deutlich, dass die Inflation schwach bleibt, wobei sowohl die Verbraucherpreisinflation als auch die Produzentenpreisinflation weiter nachgaben. Der Markt war also zwar von der schnellen Konjunkturerholung in China überrascht, die Inflationsdaten zeigen aber nun eine größere Vorsicht. Im Augenblick wird die Stimmung aber noch immer durch die allgemeine Begeisterung über Chinas Wirtschaftslage unterstützt, wodurch USD-CNY heute Morgen unter den Stand von 7 nachgab. Ich möchte jedoch noch einmal betonen, dass die Abwärtsrisiken bei der Nachfrage laut dem „korrigierten“ Inflationsbericht fortbestehen.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
CJ6TABCallEUR/CNHHebel: 7,7
CJ4VFYPutEUR/CNHHebel: 7,9
CJ6WTFCallUSD/CNHHebel: 7,7
CJ1E4GPutUSD/CNHHebel: 7,9
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