Währung

Devisenmärkte: Die Brexit-Deadline naht

Der Biden-Dollar

Vor vier Jahren legte der US-Dollar nach dem Wahlsieg von Donald Trump eine beachtliche Rallye hin. So fiel EUR-USD von 1,1024 am Vorabend der Wahl auf 1,0340 Anfang Januar 2017. Ich erinnere mich noch gut, dass die neu gekürten Trump-Fans unter unseren Kunden mich damals einen Feigling schimpften, weil ich nicht Kurse von 0,80 prognostizierte. Wer nicht wenigstens Kurse deutlich unter Parität voraussagte, galt wahlweise als Sozialist oder als Teil des Deep-State-Establishments. Angesichts dieser Erfahrung darf es eigentlich nicht verwundern, dass jetzt, wo sich eine Wahlniederlage des Amtsinhabers abzeichnet, der Dollar nachgibt. Das Problem daran ist nur: Damals erwies sich die USD-Rallye als nicht nachhaltig. Im Lauf des Jahres 2017 – als die Realität der trumpschen Politik sichtbar wurde – gab der Dollar auf breiter Front nach, EUR-USD stieg bis Anfang 2018 auf über 1,25.

Lernt der Markt nicht? Klar, die ökonomischen Argumente, die bei einem Biden-Wahlsieg für USD-Schwäche sprechen, kenne ich sehr wohl:

  • mehr Regulierung, die die Gewinnmargen der Unternehmen reduziert;
  • insbesondere eine stärkere Wettbewerbspolitik, die die Monopol-Renditen der Schwergewichte in den Aktienindizes ankratzt;
  • eine verbal ähnlich aggressive, in der Sache aber vielleicht konsequentere Handelspolitik gegenüber China;
  • etc.

All diese Argumente werden umso gewichtiger, je mehr sich auch ein Machtwechsel im Senat abzeichnet, je mehr also die Chance besteht, dass die Demokraten ihr politisches Programm mindestens in den nächsten zwei Jahren umsetzen können.

Ich frage mich halt nur, wieweit der Devisenmarkt diese Argumente kühl abwiegt und wie weit sich die Devisenhändler von politischen Vorurteilen treiben lassen – so wie 2016. Schließlich gibt’s auch positive Aspekte eines klaren Biden-Wahlsieges:

  • Je klarer er ausfällt, desto unwahrscheinlicher wird, dass ein zähes Ringen um den Wahlausgang folgt, welches die institutionelle Stabilität der USA beschädigen könnte.
  • Eine klare Mehrheit in beiden Häusern (egal für welche Partei) bedeutet, dass die Fiskalpolitik expansiver wird. Nun bin ich kritisch bezüglich der mittel- bis langfristigen Folgen einer expansiven US-Fiskalpolitik für den Dollar. Ich fokusiere mich auf die USD-schädlichen Folgen eines ausufernden “Zwillings-Defizits” (von Staatshaushalt und Leistungsbilanz). In der Logik des Devisenmarktes dominierte in den letzten Monaten aber stets der positive zyklische Aspekt expansiver Fiskalpolitiken. In dieser Logik müssten klare Mehrheiten im Kongress eigentlich USD-positiv sein.

Noch ist ja auch nicht allzuviel passiert. EUR-USD knapp über 1,18, DXY um 93 – das sind Niveaus, die auch aus 1000 anderen Gründen vernünftig erscheinen. Ich will nur warnen: Sollte der Dollar heftig unter einem Wahlsieg Bidens leiden, röche das m.E. nach politischem Vorurteil – mit der Chance auf mittelfristige Korrektur.

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Die Brexit-Deadline naht

Donnerstag ist’s so weit. Dann endet die vom britischen Premierminister gesetzte Frist, bis zu der die Verhandlungen mit der EU mindestens erhebliche Fortschritte zeigen müssen. Sonst gibt’s – so Boris Johnsons Drohung – einen No-Deal-Brexit am 31.12. Bislang reagiert die EU ziemlich cool darauf. Indem sie Johnson in den zwei strittigsten Fragen (Fischerei und “level playing field”) auflaufen lässt. Weil sie weiß, dass trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Johnsons und seiner Minister sein Ultimatum nur ein Bluff war, der auf der Lebenslüge der Brexiteers beruht: dass Brüssel alles unternehmen wird, um ein Handelsabkommen mit den Briten zu bekommen. Tatsächlich saßen und sitzen aber die Briten am kürzeren Hebel (dort scheitert’s selbst an funktionierenden Systemen für die Zollabfertigung in Dover). Das spielt die EU momentan aus. Daher verhallen die flehendlichen Bitt-Anrufe Johnsons beim französischen Präsidenten und bei der deutschen Kanzlerin ungehört.

Freilich kann’s nicht im Interesse Europas sein, tatsächlich einen No-Deal herbeizuführen. Es dürfte Brüssel und den europäischen Regierungen lediglich darum gehen, der britischen Regierung eine Teil-Demütigung beizubringen. Dass es dabei hauptsächlich um Heringe und Makrelen geht, macht das Ganze nur noch pikanter. Am Ende – so die allgemeine Sicht des Devisenmarktes – wird man sich einigen, weiterzuverhandeln. Der Devisenmarkt sieht daher keinen Anlass, das nahende Ultimatum ernst zu nehmen.

Eigentlich zu Recht, wie ich meine. Allerdings – und jetzt kommt der Dialektiker in mir durch – frage ich mich, wie viel Sie, verehrte Leser, auf meine Meinung geben sollten. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Devisenmarkt und ich falsch liegen, ist vielleicht gering. Aber ist sie so gering, dass das Residual-Risiko ignoriert werden kann? Selbst EUR-GBP-Risk-Reversals handeln wieder deutlich niedriger als noch im September. Dass das Ultimatum so ganz und gar kein Risiko ist, mag ich nun auch nicht glauben. Ein wenig mehr Respekt vor dem Brexit-Risiko hielte ich für angemessen. Schließlich haben wir’s mit politischen Prozessen zu tun. Da gibt’s nach meiner Erfahrung stets ein Rest-Risiko.

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Die PBoC schreitet ein

Die chinesische Zentralbank (PBoC) stoppte die endlos anmutende CNY-Rally, indem sie am Wochenende ankündigte, die Reserveauflagen für USD-Käufe am Derivatemarkt aufzuheben. Diese neue Regelung tritt ab heute in Kraft. Zuvor betrug der Satz 20%, was für Unternehmen, die eine einjährige USD-CNY-Long-Position abschlossen, zusätzliche Kosten von rund 300 Pips bedeutet hatte. Die chinesische Zentralbank hebt diese Reserveauflage bereits zum zweiten Mal auf. Zuletzt war dies im Jahr 2017 der Fall, als der CNY einen starken Aufwertungstrend verzeichnet hatte. Im August 2018 führte die Zentralbank die Auflage aber wieder ein, da der Renminbi erneut unter Abwertungsdruck stand. Es handelt sich also wieder einmal um einen antizyklischen Schritt der chinesischen Behörden. Dies vermittelt den Eindruck, dass die PBoC am Markt ein gewisses Herdenverhalten erkennt und die CNY-Aufwertung zumindest verlangsamen möchte. Die CNY-Aussichten sind daher nun komplexer, wobei die US-Präsidentschaftswahlen für den mittelfristigen CNY-Ausblick ein Schlüsselereignis sein werden.

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