Währung

Devisenmärkte: Der G7-Konsens ist gefährdeter denn je

Wie viel Yen-Stärke ist erlaubt?

Vor einigen Wochen gab es Presseberichte, nach denen Japans Premierminister Yoshihide Suga das MOF (das japanische Finanzministerium) angewiesen hätte, USD-JPY-Wechselkurse unter der Marke von 100 zu verhindern. Und dann gibt’s noch den Kabinettsbericht, der darlegt, dass unter der USD-JPY-Marke von 103 (also jetzt) die Exportwirtschaft Einbußen hinnehmen müsse. All diese Aussagen halte ich inhaltlich für zweifelhaft. Denn was bei ausschließlichem Blick auf USD-JPY als Yen-Stärke erscheinen mag, ist in Wahrheit vor allem USD-Schwäche, die Japans Exporteure nur moderat belastet. Ja, die USA sind der zweitgrößte Handelspartner Nippons (nach China). Dennoch, der Handel mit den Vereinigten Staaten macht lediglich 15% des japanischen Außenhandels aus. Handelsgewichtet hat der Yen nach der Corona-bedingten Aufwertung von März 2020 deutlich verloren und handelt ungefähr auf den Niveaus von Oktober 2019. Dass damals USD-JPY im Bereich 108/109 rangierte, zeigt nur, wie (unsinnig!) stark der Greenback damals gehandelt wurde.

Aber wir kennen das Spielchen ja auch von der EZB (im vergangenen September): Wenn der Dollar schwächelt, dann sind sich viele nicht zu schade, das als Ausrede zu missbrauchen, um ihre eigene Währung schwach zu reden. Und die Schwächung der eigenen Währung scheint ein ziemlich verlockender Ausblick zu sein in dieser Situation, in der Geldpolitik weltweit längst ihre Munition verschossen hat und bestenfalls noch Platzpatronen in ihren Läufen hat. Schlimmstenfalls Rohrkrepierer, die heftige unschöne Nebenwirkungen erzeugen, die intendierte Wirkung aber vollends verfehlen. Die Währungshüter der Bank von Japan (BoJ) haben das längst erkannt. Ein wohltuender Erkenntnisvorsprung vor so vielen anderen Zentralbankern anderswo! Gut, sie haben auch 25 Jahre mehr Zeit gehabt als alle anderen, um die Wirkung ultra-expansiver Geldpolitik zu studieren…

Wie auch immer: Die Regierung wird nicht erwarten können, dass von der BoJ irgendein nennenswerter Anschub kommt, um die mittelfristige Erholung vom Corona-Einbruch zu unterstützen. Was liegt da näher, als seine eigenen Truppen damit zu beauftragen, also das MOF, welches für Interventionen am Devisenmarkt zuständig ist?

Noch ist der Markt entspannt. Weil üblicherweise (wenn’s nicht gerade um Tsunamis oder explodierende Atomkraftwerke geht) im Vorfeld von Interventionen klare Signale an den Markt gesendet werden (die älteren Leser werden sich erinnern): Da gibt’s erstmal ein offizielles Treffen zwischen MOF und BoJ usw. All das fehlt bislang. Und deshalb fühlt sich der Markt mit USD-JPY-Kursen unter 103 auch pudelwohl. Es fragt sich halt nur, ob er auch den Mut hätte, sich in die Nähe der Marke von 100 zu begeben, oder ob die Devisenhändler dann doch fürchten, die Regierung allzusehr zu reizen. Wenn das so ist, dürfte das USD-JPY-Abwärtsmomentum bald nachlassen. Und dann wären auch wieder Rücksetzer drin, wenn all die Trendfolger sich von Long-JPY-Positionen verabschieden.

An dieser Stelle mag der eine oder andere Leser einwenden, dass das doch gar nicht opportun wäre. Schließlich haben sich die G7-Zentralbanken und -Finanzminister hoch und heilig versprochen, eine Manipulation der Wechselkurse zu unterlassen. Ja, das war 2013. Mittlerweile haben wir aber eine Pandemie. Und wir hatten in den letzen vier Jahren einen US-Präsidenten, der den größten Teil seiner Amtszeit unverschämt versuchte, den Dollar schwach zu reden. Er war erfolglos, aber hier zählt ja wohl die Absicht, nicht das Ergebnis. Und schließlich: Mittlerweile haben wir einen EZB-Chefvolkswirt, der unverschämt verkündet, der EUR-USD-Wechselkurs sei “endogen” für die EZB-Geldpolitik. Was nichts anderes ist als ein Euphemismus dafür, dass die EZB ihre Geldpolitik lockern würde, wenn ihr der EUR-USD-Wechselkurs nicht passt, dass sie also sehr wohl EUR-USD manipulieren will. Ich weiß, ich weiß: All das wurde wieder korrigiert. US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Tagen der USD-Stärke diese auch mal gelobt; EZB-Chefvolkswirt Philip Lanes Aussagen wurden von seiner Chefin in G7-konforme Sprechweise umformuliert. Dennoch, in einer Phase, in der einerseits Geldpolitik weltweit (und nicht nur in Japan und im Euroraum) ihr Pulver verschossen hat, und in der andererseits die wirtschaftliche Erholung vom Corona-Einbruch als unvollständig und/oder quälend langsam empfunden werden könnte, ist der G7-Konsens gefährdeter, als er es lange war.

Ich habe vor einiger Zeit geschrieben, dass eigentlich die Tatsache, dass Leitzinsen sich nicht mehr bewegen, zu niedriger Volatilität der Wechselkurse führen sollte. Würde der G7-Konsens bröckeln, dann würde die Angst vor staatlicher Manipulation der Wechselkurse die Unsicherheit über Leitzinsen als Volatilitäts-Quelle ersetzen. Dann wär’s nichts mit Niedrig-Vola. Wer Wechselkursrisiken zu managen hat, dürfte gut daran tun, dieses Risiko nicht zu unterschätzen.

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Senats-Stichwahlen in Georgia noch ohne klares Ergebnis

Die Senats-Stichwahlen in Georgia haben noch kein klares Ergebnis geliefert. Während ich diese Zeilen schreibe, liegen in beiden Bezirken die republikanischen Kandidaten vorne. Aber der Devisenmarkt hat aus der Präsidentschaftswahl im November gelernt. Vorläufige Auszählungs-Ergebnisse sagen noch nicht viel aus. Wenn wir Pech haben, müssen wir wieder Tage, wenn nicht Wochen, auf ein Ergebnis warten. Bis dahin wird kaum ein Devisenmarktteilnehmer, der sich im November die Finger damit verbrannt hat, auf erste Ergebnisse zu setzen, den Appetit aufbringen, auf die eine oder andere Seite zu setzen. Und so ist von der USD-Seite so lange kein Impuls zu erwarten, bis das Ergebnis hinreichend klar ist. Aber klar, diese abwartende Haltung ist ein fragiler Zustand. Sobald erste Marktteilnehmer auf die eine (republikanisch USD-positive oder demokratisch USD-negative) Seite setzen, dürften andere auf den Zug aufspringen. Daher ist die momentane Ruhe am Devisenmarkt möglicherweise eine Ruhe vor dem Sturm.

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CNY: Neue antizyklische Politik

Die chinesischen Regulierer haben gestern neue Maßnahmen verabschiedet, um den Aufwertungsdruck vom Renminbi (CNY) zu nehmen. Gemäß der neuen Regelung dürfen inländische chinesische Unternehmen ihren verbundenen Offshore-Unternehmen mehr Geld leihen. Konkret wird die Quote von 30% auf 50% des Eigenkapitals erhöht. Laut der chinesischen Zentralbank (PBoC) soll die neue Maßnahme die „Globalisierung der chinesischen Unternehmen“ unterstützen und wird die Nutzung von Offshore-Renminbi erhöhen. Angesichts der momentan starken Dynamik der chinesischen Währung scheint es, als ob die neue Regelung auch Kapitalabflüsse fördert. Das würde helfen, Aufwertungsdruck von der chinesischen Währung zu nehmen.

Chinas privater Caixin-Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor sank im Dezember auf 56,3 Zähler (Vormonat: 57,8). Da sich sowohl der Caixin-PMI für das verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor überraschend abschwächten, fiel der Gesamt-PMI auf 55,8 (zuvor: 57,5). Allgemein signalisieren die amtlichen und die privaten PMIs eine nachlassende Wachstumsdynamik in China.

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Jahresausblick: 20 Trends für 2021

Nach dem ereignisreichen Jahr 2020 blicken Investoren gespannt auf 2021. Wird der Impfstoff gegen das Corona-Virus den gewünschten Erfolg bringen und sich die Rally an den internationalen Börsen fortsetzen? Starten Sie gut informiert ins neue Börsenjahr und erfahren Sie, welche 20 Trends die Märkte weltweit bewegen werden. Jetzt lesen!