Währung

Devisenmärkte: Das Gespenst der Deflation

US-Inflationserwartungen und Geldpolitik
Richard Clarida, Vize-Chair der Fed und Doyen des Teils der ökonomischen Zunft, die sich mit Geldpolitik befasst, hat gestern Deflation nicht ausdrücklich erwähnt, aber das Thema stand sehr offensichtlich im Raum, als er über den wirtschafts- und geldpolitischen Ausblick referierte.

Clarida ist natürlich bewusst, dass tatsächliche Inflation nur dort passieren kann, wo die Inflationserwartungen hinreichend hoch sind. Wenn kein Unternehmen erwartet, dass seine Konkurrenten die Preise erhöhen, wird es auch selbst an Preiserhöhungen nichteinmal denken. Wer, wenn nicht Clarida weiß das? Und er weiß auch, dass die beste Messung von Inflationserwartungen nicht irgendwelche Umfragen sind. Wohlmöglich unter Konsumenten, die zum größten Teil nicht einmal wissen dürften, wo die Inflationsrate derzeit steht. Die beste Messung liefern marktbasierte Erwartungen. Dort wetten Marktteilnehmer ihr Geld darauf, wie hoch dereinst die Inflation sein wird. Da ist die Motivation ungleich höher, vernünftige Erwartungen zu formulieren, als wenn man Häkchen auf lästigen Umfragebögen macht.

Und bezüglich der marktbasierten Inflationserwartungen sieht’s in den USA nicht toll aus. Ja, die Panik, die die langfristigen Inflationserwartungen im März auf extreme Tiefs drückte, ist vorbei. Aber die Erwartungen sind immernoch extrem anfällig. Ein paar neue Corona-Fälle in China, die natürlich vom dortigen Regime erneut mit drakonischen Lockdown-Maßnahmen beantwortet werden, lassen die Erwartungen wieder rutschen.

Dabei schauen wir auf die langfristigen Erwartungen. Der Markt drückt damit nicht irgendeine Sicht über der Verlauf der derzeitigen Rezession aus. Er sagt damit, dass er glaubt, die jetzigen Ereignisse würden dauerhaft die Inflation drücken. Ohne, dass die Fed das verhindern könnte. Nun mag der eine oder andere unserer Leser eine moderat positive Inflation als Ziel der Geldpolitik ablehnen, ja sogar milde Deflation befürworten. Normativ kann man dazu stehen, wie man will. Das ist mir als Marktanalyst herzlich schnuppe. Ich bin nur ziemlich sicher, dass Clarida nicht will, dass der Fed derartig die Zügel zur Steuerung der Inflation entgleiten. Daher würde mich nicht wundern, wenn er sehr genau darüber nachdenken würde, die Geldpolitik noch weiter zu lockern. Vielleicht wird er kein Instrument finden, mit dem das aus seiner sicht gelingt. Vielleicht glaubt Clarida längst, die Geldpolitik sei am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Dann würde er uns das natürlich niemals sagen. Verbreitet sich erst dieser Eindruck, fallen die Inflationserwartungen noch weiter. Daher wären selbst für diesen Fall symbolische Schritte aus Claridas Sicht sicherlich zumindest besser als das Hissen der weißen Fahne.

Zugegeben, in Europa sieht’s nicht viel anders aus bezüglich der langfristigen Inflationserwartungen. In der EZB wird man ähnlich ticken. Doch sollten sich die Teilnehmer am Devisenmarkt bitte klarmachen, dass es diesbezüglich ganz bestimmt keinen Vorteil des Dollars vor anderen Währungen gibt. Die Fed war in den letzten 50 Jahren stets ausgesprochen aggressiv, wenn’s darum ging, ihr Inflationsziel zu erreichen – mit entsprechned heftigen Auswirkungen auf die USD-Wechselkurse. Das dürfte sich auch unter der jetzigen Führungsriege nicht geändert haben.

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Wie funktional ist Großbritanniens Politik?
Wer immer noch auf einen ökonomischen Segen für’s Vereinigte Königreich hofft, wenn es ersteinmal am Jahresende endgültig die angeblichen “Fesseln” abgeworfen hat, die die EU ihm auflegt, der sollte folgende Meldung beachten: Großbritannien beginnt Anfang übernächster Woche mit Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit Australien und Neuseeland. Wie bitte? Jetzt erst? Vier Jahre nach dem Brexit-Referendum und ein halbes Jahr bevor Großbritannien die Brücken zum engsten Handelspartner, der EU, abbricht? Kann sich eigentlich noch irgendjemand an die großartigen Versprechungen der Brexiteers versprechen: Handelsabkommen mit so vielen Ländern in der Welt? Und dabei hat man sich noch nicht einmal um welche bemüht? Selbst in den einfachsten Fällen wie den Commonwealth-Mitgliedern? Warum – um Himels Willen – hat man nicht wenigstens minimale Anstrengungen unternommen, diese Versprechen einzuhalten? Es waren seitdem schließlich durchgehend konservativen Regierungen, die sich alle stets den Versprechungen der Brexiteers verpflichtet fühlten. Angeblich. Die Zweifel an der Funktionalität des politischen Systems in Großbritannien (inkl. der Ministerial-Bürokratien), die in den schlimmsten Tagen des Gerangels um einen Brexit-Deal aufkamen, sollten wir am Devisenmarkt nicht vergessen. Und uns darauf einstellen, dass die Verhandlungen mit Brüssel entsprechend ineffizient bleiben werden. Mit entsprechenden langfristigen Risiken für’s Pfund.

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