Währung

Devisen: Der US-Dollar rutscht weiter ab

Starker Dienstleistungs-ISM hilft dem US-Dollar nicht

Es gibt zweifelsohne Devisenhändler, die deshalb den Dollar mögen, weil in den USA die Corona-Impfungen schneller laufen als in den meisten Teilen des Rests der Welt (Ausnahme UK), weil deshalb die Post-Lockdown-Erholung in den USA rascher vonstattengeht und weil die Währung eines Landes mit Wachstumsvorsprung ceteris paribus attraktiver ist. Das Problem an dieser Sicht ist nur: Wenn auch später sind auch für den Rest der Welt Impferfolge und Lockdown-Beendigungen absehbar. Und wer – außer solche Händler, die nicht weiter als bis zur Nasenspitze denken – will jetzt den Greenback kaufen, wenn’s klar ist, dass dessen komparativer Vorteil nicht ewig währt?

Aber natürlich, diese Kurzsichtigen gibt’s. Die Marktreaktion vom Freitag, als der Dollar nach den überraschend positiven Zahlen zum ISM-Einkaufsmanager-Index für das US-Dienstleistungsgewerbe nachgab, zeigt aber, dass dieses Lager nicht mehr zunimmt. Deshalb kollabiert die “Story” dieser Kurzsichtigen und deshalb passiert das, was in einem informationseffizienten Markt früher oder später passieren muss: Die Kurzsichtigen kapitulieren.

Die Lehre daraus sollte sein:

  • Solange nicht wahrscheinlich wird, dass die USA mit ihren Impferfolgen fast allein dastehen, sondern nur schneller dran sind, können Resultate dieses Geschwindigkitsvorteils nicht nachhaltig USD-positiv wirken.
  • Und: All die GBP-Bullen, die aus genau denselben Gründen die britische Währung kaufen, bewegen sich auf dünnem Eis.

Freilich heißt das nicht, dass jetzt ausgesprochene USD-Schwäche droht. Kurzsichtige Devisenhändler haben kurze Halbwertzeit und waren deshalb höchstwahrscheinlich nicht allein für die USD-Erholung der letzten Monate verantwortlich. Solange der Markt an dauerhafte US-Re-Inflationierung und eine Rückkehr der Fed zu aktiver Geldpolitik glaubt, gibt’s auch handfestere Gründe für einen recht starken Greenback. Nur allzu stark – das sollte er nicht sein, solange die Re-Inflationierungs-Story nicht bewiesen ist. Und das ist sie nicht. Zumindest unsere US-Ökonomen bleiben skeptisch.

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Die COFER-Statistik ist da

Immer zu Beginn eines Quartals veröffentlicht der IMF seine Statistik zur Währungsaufteilung der Devisenreserven der Zentralbanken (COFER). Und jedesmal gibt’s dann wieder die üblichen Artikel zur Frage, ob der Dollar seinen Status als Weltleitwährung verlieren könnte. Die Diskussion finde ich interessant, den Anlass halte ich aber für falsch. Dazu unten mehr. Erstmal jedoch – weil sich’s so gehört – die Ergebnisse der neuen Statistik (zu Q4/2020):

(1) Die Devisenreserven der Zentralbanken sind in Q4/2020 um 3,7% gestiegen. Der Trend steigender Devisenreserven, der seit einigen Jahren wieder zu beobachten ist, setzt sich also fort – trotz im Großen und Ganzen stagnierendem Welthandel (von den Pandemie-bedingten Aufs und Abs abgesehen). Siehe Abbildung 1.

(2) Der Anteil des Dollars an den Devisenreserven, für die der IMF die Währungsaufteilung berichtet (die “allokierten” Reserven), ist auf 59% gesunken – den tiefsten Stand seit 1995. Das ist – da gebe ich den meisten Kommentatoren Recht – ein Zeichen dafür, dass der Weltleitwährungs-Status des Dollars bröckelt. Allerdings: 59% ist ein hohes Maß verglichen mit den 21% der Nummer Zwei, des Euros. Danach kommt überhaupt nichts Nennwertes mehr (JPY: 6%). Insbesondere ist der Anteil des Renminbi (2%) so verschwindend gering, dass er alles Fantasieren darüber, dass Chinas Währung Weltleitwährungs-Status erhalten könnte, Lügen straft. Siehe Abbildung 2.

(3) Besonders Schlaue verweisen darauf, dass der sinkende Anteil des Dollars auf die Dollarschwäche im Berichtsquartal zurückzuführen sei. Teilweise ist das richtig. Nur sehen wir halt, dass andere Währungen (EUR, JPY, CNY, CHF) auch in lokalen Währungseinheiten deutlich mehr zugelegt haben als der Greenback (Abbildung 3). Die in den Zahlen zutage tretende Erosion des Leitwährungs-Status der US-Währung ist also echt.

Allerdings: Die Reserve-Daten sind m.E. der falsche Anlass zu dieser Diskussion. Warum halten Zentralbanken Devisenreserven?

  • Zum einen sind sie das Resultat von Wechselkursmanipulationen. Wenn eine Zentralbank ihre Währung schwächen will, sammelt sie Devisenreserven an. Und zwar typischerweise solche, die am Devisenmarkt häufig gehandelt werden – also vor allem die Weltleitwährung.
  • Zum anderen dienen Devisenreserven dazu, im Krisenfall Importe sicherzustellen. Auch dazu benötigt eine Volkswirtschaft vor allem Reserven in der Weltleitwährung – weil in ihr internationaler Handel per definitionem zu einem großen Teil abgewickelt wird.

Das heißt: Die Währungsaufteilung von Devisenreserven ist ein Indikator für die Weltleitwährungsfunktion einer Währung, nicht ihre Definition. Allerdings sind sie ein ziemlich nachlaufender Indikator. Zentralbanken passen die Währungsaufteilung ihrer Reserven nur langsam an. Und vor allem: Zur Verwendung im internationalen Zahlungsverkehr liegen von SWIFT weitaus rezentere Daten vor. Die zeigen ebenfalls eine langsame Erosion des Dollar-Leitwährungs-Status. Daher sind die Daten des IMF keine “Neuigkeit”.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Inflationsdynamik in der Türkei verschlechtert sich weiter

Der Verbraucherpreisindex (VPI) und der Produzentenpreisindex (PPI) der Türkei für den März waren ein erneutes Desaster. Dies gilt besonders für den PPI, der sich auf schwindelerregende 31,2% zum Vorjahr beschleunigte. Der Gesamtwert der Verbraucherpreisinflation beschleunigte sich von 15,6% auf 16,2% zum Vorjahr und der Kern-VPI wuchs von 16,2% auf 16,9%. Im laufenden Zyklus stellte sich die Produzentenpreisinflation bisher als ein Frühindikator der Verbraucherpreisinflation heraus, weshalb die PPI-Zahlen wirklich besorgniserregend sind. Überdies schien sich der Lira-Wechselkurs im 1. Quartal 2021 kurz zu stabilisieren, was die Inflation im Vorjahresvergleich möglicherweise begrenzt hätte. Nachdem Präsident Tayyip Erdoğan aber vor Kurzem Änderungen im Vorstand der Zentralbank vorgenommen hatte, rutschte die Lira erneut ab. Der Wechselkurskorb (aus 50% USD und 50% EUR) ist dadurch im Vergleich zum Vorjahr rund 21% schwächer. So stark wird sich die Lira nun also im restlichen Jahr jeden Monat auf die Inflation durchschlagen, solange es keine dramatischen Verbesserungen gibt. Der neue Gouverneur der türkischen Zentralbank, Şahap Kavcıoğlu, kann nicht als eine solche Verbesserung betrachtet werden. Er sagte, dass Zinssenkungen nicht als selbstverständlich angesehen werden sollten. Falls er sich weigert, Erdoğans geldpolitische Vision umzusetzen, würde dies aber keine stärkere Lira bedeuten. Es wäre dann nur eine weitere sehr kurze Amtszeit eines türkischen Gouverneurs zu erwarten. Der Devisenmarkt dürfte gegenwärtig genau davon ausgehen, was auch immer tatsächlich geschehen sollte. Eine Verbesserung der Inflationsdynamik durch externe Faktoren hätte der Markt unter Umständen positiv aufgenommen. Im Moment ist aber genau das Gegenteil der Fall.

Start in die Dividendensaison

Auch in diesem Jahr ist im Frühjahr die Zeit für Hauptversammlungen und so können sich viele Aktionäre über Ausschüttungen freuen. Lesen Sie hier, was Anleger von der kommenden Dividendensaison erwarten können.