Währung

Der USD und die Teuerung

USD: Wenig überraschend hat US-Präsident Donald Trump seine Meinung mal wieder geändert. Auslöser ist ein „wunderbarer Brief“ seines chinesischen Amtskollege Xi Jinpin-g. Auch wenn es vielleicht nicht wie am vergangenen Wochenende eine vollständige Kehrtwende geben wird, gibt es wieder Hoffnungen, dass die Handelsgespräche zwischen den USA und China auch nach diesem Wochenende fortgesetzt werden oder sogar bald zu einem Abschluss kommen, obwohl seit wenigen Stunden die neuen US-Zölle in Kraft sind. Der jüngste Brief ist bereits das vierte Schreiben von Präsident Xi in diesem Jahr. Viel wichtiger: Alle in den letzten drei Verhandlungsrunden in Washington vom chinesischen Vizepremier Liu He überreichte Schreiben, bezeichnete Präsident Trump als “wunderbar” und “toll”. Ist dieser Brief anders? Wahrscheinlich nicht. Dennoch war der Brief (und die Reaktion Trumps) für den Markt eine große Erleichterung, allein schon deshalb, weil der Optimismus in den letzten Wochen übertrieben hoch und die jüngste Enttäuschung damit gewaltig war.

Wenn der Erhalt von Briefen beim normalerweise twitternde Herrn Trump eine solche Wirkung hat, erinnert das ein wenig an die „Ping-Pong-Diplomatie“ aus den 1970er Jahren (damals waren Tischtennisspieler der Eisbrecher), die als wichtiger Wendepunkt in den Beziehungen zwischen den USA und China angesehen wurde. Man sollte aber nicht vergessen, dass das Wichtigste in den diplomatischen Beziehungen der gegenseitige Nutzen ist. Daher ist kaum zu erwarten, dass China und die USA alle Fragen im Rahmen von Handelsgesprächen klären würden, aber auch ein vollständiger Abbruch ist unwahrscheinlich.

Am Devisenmarkt erlebten CNY wie CNH gestern eine äußerst rasante Sitzung. USD-CNH erreichte 6,8625 (von 6,80 kommend) während der Londoner Handelszeiten aufgrund der eskalierenden Handelsspannungen, kehrte aber nach Bekanntwerden des “wunderbaren Briefes” auf bis zu 6,81 zurück. All diese Höhen und Tiefen zeigen meiner Meinung nach, wie emotional der Markt ist. Vor allem wurden die CNY- und CNH-Longpositionen, aufgebaut während des übertriebenen Optimismus der letzten Wochen, kräftig abgebaut. Nicht zuletzt deshalb fixte die PBoC USD-CNY heute Morgen unter dem psychologischen Niveau von 6,80. Dieser überraschend niedrige Wert (d.h. stärkerer CNY) enthält eine klare Botschaft der Notenbank: Wir wollen den Markt stabilisieren. Denn neben den (kaum mehr zu prognostizierenden) Handelsgesprächen leidet der CNY zuletzt auch unter den sich abschwächenden Wirtschaftsdaten. Ein Ende des CNY-Verkaufsdrucks sehe ich der-zeit nicht.

Es braucht nicht viel, um einem mehr und mehr als „teuer“ empfundenen Dollar einen Schlag zu versetzen. Eigentlich waren gestern die US-Produzentenpreise kein großer Aufreger gewesen. Sie vielen zwar einen Schnaps niedriger aus, als von den Analysten erwartet worden war, doch sind sie notorisch volatil. Wichtiger sind eigentlich die (heute zur Veröffentlichung anstehenden) Konsumentenpreise. Deren Verlauf ist weniger verrauscht, und sie weisen eine deutlich höhere Korrelation mit dem für die Fed entscheidenden Inflationsindikator auf. Doch untergruben diese Daten die Dollar-Attraktivität offensichtlich so sehr, dass es später zu einem deutlichen Sprung des Wechselkurses kam. So sehr vertrauen die USD-Bullen offensichtlich nicht darauf, dass die heutigen Daten USD-positiv ausfallen. Niedrige Inflation würde die Durchhalteparolen von Fed-Chair Jay Powell gehörig wanken lassen. Drei Monate niedriger Inflation mit „transitorischen“ Sondereffekten weg-erklären zu wollen ist schon ziemlich verwegen. Kommt ein vierter Monat hinzu, wird Powells Ausrede vollends unglaubwürdig. Das hieße aber auch: Egal, ob die Fed schnell oder langsam einsichtig wird, irgendwann wird sie ihre Sichtweise umkehren müssen und die Geldpolitik von „neutral“ auf „lockern“ umstellen. Die Angst vor diesem Szenario erschüttert diejenigen Marktteilnehmer, die bislang erwartet hatten, die USA könnten in einer Nullzins-Welt der einzige Hort positiver Zinsen bleiben, womit das Carry-Argument zugunsten des Dollars (auch wenn es furchtbar altmodisch ist) dann doch die Chance für ein Revival haben könnte. Enttäuschen die heutigen Inflationszahlen den Markt erneut, ist nicht nur das gegenwärtige EUR-USD-Niveau gerechtfertigt. Dann ist auch noch mehr drin.

Übrigens ist auch nur folgerichtig, dass bei gestörter Inflationsdynamik der US-chinesische Handelskrieg nicht mehr als USD-positiv empfunden wird. Der inflationäre Effekt in den USA entfaltet sich damit nicht, der Terms-of-Trade-Effekt bleibt aus – und damit auch der Wechselkurseffekt, den die Lehrbücher prognostizieren.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

NOK: Wenn es einen einsamen Hort restriktiver Zinspolitik gibt, dann ist das nicht die Fed, sondern die Norges Bank. Die hat – während im Rest der Welt Zentralbanken ihre Zinserhöhungspläne abblasen (wie die EZB) oder auf Zinssenkung schalten (wie voraussichtlich die Fed, siehe oben) – für Juni eine Zinserhöhung angekündigt. Auf den ersten Blick scheint von fundamentaler Seite nichts dagegen zu sprechen. Die unterliegende Inflationsrate beträgt 2,7%, Tendenz deutlich steigend. Allerdings ist die Vorstellung, gerade in Norwegen könne die Inflation sich vom weltweiten Trend entkoppeln, doch etwas seltsam. Zumal auch die Ölpreisentwicklung in den letzten Jahren zunehmend globalen Inflationserwartungen folgte, die Ausrede einer norwegischen Sonderrolle also weniger zieht. So ganz scheint dem Markt auch nicht wohl zu sein, auf Entkopplung der Inflationsentwicklung Norwegens zu setzen. Die Krone konnte jedenfalls nicht nachhaltig zulegen, gab im Tagesverlauf sogar weiter ab.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CE9MCR Long EUR/NOK Faktor: 5
CE9MCS Short EUR/NOK Faktor: -5

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