Währung

Der Sinkflug des Dollars

EU-Kompromiss: eine Nachlese

Nach einer Woche Urlaub in Deutschlands Wildnis (d.h. ohne Netzempfang und ohne Zeitungen) sehe ich die EU-Einigung und die EUR-Stärke mit etwas Abstand. Erlauben Sie mir daher eine Nachlese.

Anders als von uns erwartet, kam es für europäische Maßstäbe sehr früh zu einer Einigung. Daher konnte der Euro früher davon profitieren und schneller in Richtung unseres 2020-Zieles von 1,18 voranschreiten.

Klar, wie jeder Kompromiss ist auch diese Einigung nicht perfekt.

  • Die selbsternannten “sparsamen Vier” haben sich eher als “raffgierige Vier” erwiesen, die (neben Deutschland – warum das eigentlich?!) weiterhin Sonderkonditionen erhalten.
  • Die Rechtsstaatlichkeit – einst Fundament europäischer Einigung – blieb auf der Strecke. Jedem überzeugten Europäer muss das die Tränen in die Augen treiben.
  • Die Umsetzung wird hinreichend Konfliktpotenzial bieten. Dazu ist ausgiebig in den Gazetten berichtet worden.

Europa ist weiterhin nicht ideal. Und ob mehr fiskalische Koordination überhaupt sinnvoll ist, bezweifeln viele, insbesondere die Volkswirte unseres Hauses. Dennoch, Europa hat sich geeinigt, ohne dass der Druck des Marktes das erzwungen hat, und hat sich damit als fähig zu politischer Gestaltung erwiesen. Das macht es weniger krisenanfällig und macht damit seine Währung attraktiver. Daher mag devisenmäßig mehr drin stecken als nur eine schnellere Annäherung an unser 1,18-Ziel. An sich sprechen die Ereignisse für eine moderate Anhebung des Zieles, ohne dass ich irgendein Ergebnis unserer August-Prognoserunde vorwegnehmen will.

Und kurzfristig mag man eh fragen, ob nach der EUR-Rallye der vergangenen Woche nicht irgendwann Gewinnmitnahmen fällig werden. Doch warne ich, darauf zu setzen. Die EUR-USD-Entwicklung der letzten Woche ist ganz und gar nicht das, was Ökonomen als Normalfall eines Wechselkursverlaufs ansehen: ein Random Walk. Abseits relativ kurzfristiger Aufs und Abs gab’s eine klare Tendenz nach oben. Solche Phasen deuten darauf hin, dass der Devisenmarkt ein neues Gleichgewicht für das Währungspaar sucht. Dabei kann er überschießen, sodass anschließend eine Korrektur fällig ist (die wir Analysten bildlich als “Gewinnmitnahme” beschreiben, was natürlich nur eine Metapher sein kann und nicht wörtlich zu nehmen ist). Freilich ist die typischerweise begrenzt. Auf der anderen Seite kann niemand ausschließen, dass es noch deutlich weiter nach oben geht, bevor der Markt ein neues Gleichgewicht (und eine neue Seitwärts-Phase) erreicht. Wer also vor allem damit beschäftigt ist, Wechselkursrisiken zu managen (statt spekulativ am Devisenmarkt aktiv zu sein), sollte sich klar darüber sein, dass das Risiko auf der Oberseite von EUR-USD größer ist. Zumal allgemeine US-Dollar-Schwäche hinzukommt.

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Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Corona, der amerikanische Exzeptionalismus und der Dollar

Als ich in Urlaub fuhr, war die letzte Meidung, die ich las, eine neue Rekord-Zahl an Corona-Infektionen in den USA. Und genau so lautete die erste Meldung auf meinem Mobiltelefon, als ich eine Woche später wieder Netzempfang hatte. Let’s face reality: Die USA sind unfähig, der Epidemie Herr zu werden. Die direkten Auswirkungen auf US-Konsumenten und -Produzenten sind hinreichend diskutiert. Vielleicht akzeptiert die US-Gesellschaft die Toten und Kranken eher als die europäische. Noch ist ein Schaden für den Dollar also nicht ausgemacht.

Einen Punkt möchte ich aber hinzufügen: Die Corona-Epidemie könnte zum Sargnagel des amerikanischen Exzeptionalismus werden. Statt “City upon a Hill” sind’s der Mangel an Gesundheits- und Sozialsystemen, für die die USA nun stehen. Damit wird auch die Grundüberzeugung Vieler, das US-Wirtschafts-System sei grundsätzlich anderen (auch dem europäischen) überlegen, angekratzt. Ist das nur im speziellen Fall der Corona-Epidemie so? Oder tritt hier ein grundsätzlicher Nachteil zutage? Schon 1958 skizzierte der Ökonom John Kenneth Galbraith (in seinem Buch The Affluent Society) das Bild privaten Reichtums und öffentlicher Armut, getrieben von einer Werbeindustrie, die unsere Präferenzen in Richtung ihrer Produkte verbiegt. In den USA erfolgreicher als hierzulande. Galbraiths Vision von immer schickeren Autos, mt denen wir über immer verfallenere Straßen in immer verdrecktere Parks fahren, um dort unser immer üppigeres Picknick einzunehmen, erscheint mir eine recht zutreffende Beschreibung des Ist-Zustandes. In Krisenzeiten funktioniert das aber nicht. Die Konsumenten überlegen sich besser, was sie eigentlich wollen und lassen sich von Werbung weniger leicht verführen. Bleibt davon nach Corona was übrig? Sie werden hoffentlich nicht von Ihrem FX-Analysten erwarten, dass er Antworten auf diese große Frage liefert. Ich will nur festhalten, dass Zweifel an diesem Wirtschaftsmodell derzeit plausibler erscheinen mögen als früher.

Für uns ist das relevant, weil langfristiges Potenzialwachstum der entscheidende Faktor für die langfristige Entwicklung der realen Wechselkurse ist (die wiederum wesentlich die Bewegung nominaler Wechselkurse bestimmen). Wenn dieses Modell aber ausläuft, ist’s immer riskanter, darauf zu setzen, dass die USA einen natur- (oder gott-) -gegebenen Wachstumsvorteil haben. Dann muss der Dollar neu bewertet werden.

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Politische Unsicherheitsfaktoren

Durch die neuen Reibereien zwischen China und den USA aufgrund der Schließung von Konsulaten sind die Nerven abermals angespannt. Der Renminbi (CNY) wertete gegenüber dem US-Dollar ab, während gleichzeitig der Dollar-Index letzte Woche nachgab. Das zeigt, dass die chinesische Währung aufgrund politischer Spannungen einen Dämpfer erhalten hat. In der Folge brach der offizielle CNY-Index letzte Woche um beinahe 0,6% ein. Das ist so schlecht wie seit Anfang Juni nicht mehr und ein unmissverständlicher Beleg für die Sorgen und Unsicherheitsfaktoren, die der Währung Chinas derzeit anhaften. Da Trumps Regierungsapparat den Druck auf China verstärkt hat, könnte der künftige Weg für die chinesische Wirtschaft samt ihrer Währung steiniger werden als vielerorts gedacht. Folglich bleibt es vernünftig, den Renminbi vorsichtig einzuschätzen.

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Unterhändler Chinas und der USA im August laut Medienberichten zu offiziellen Gesprächen zusammenkommen. Gemäß den allgemeinen Bedingungen des Deals, der am 15. Januar unterzeichnet wurde und einen Monat später in Kraft trat, sollten alle sechs Monate hochrangige Gespräche stattfinden. Allerdings bleibt unklar, ob das Gespräch im Zuge jüngster politischer Rückschläge wirklich zustande kommt.

Früher konnte der Dollar vom US-chinesischen Handelskonflikt profitieren. Das ist derzeit nicht mehr der Fall. Denn es geht längst nicht mehr nur um Handel. Mit ihrer Politik gegenüber China, aber auch gegenüber europäischen Ländern (Nord Stream 2) könnten die USA es überdehnen. Würde in Folge die Dollar-Dominanz im internationalen Handel und Kapitalverkehr schwinden, wäre die USD-Schwäche, die wir derzeit beobachten, nur ein müder Vorgeschmack.

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