Rohstoffe

Taubenhafte Fed lässt Edelmetalle kräftig steigen

Energie: Die Ölpreise stiegen gestern nach der Veröffentlichung der US-Lagerdaten auf 4-Monatshochs. WTI überwand im Zuge dessen erstmals seit November wieder die Marke von 60 USD. In der Nacht setzte sich der Anstieg dank eines nach der Fed-Sitzung deutlich schwächeren US-Dollar fort. Brent kostet am Morgen 68,5 USD je Barrel, WTI handelt nach dem Kontraktwechsel bei gut 60 USD. Die US-Rohöllagerbestände gingen in der letzten Woche laut US-Energieministerium unerwartet deutlich um 9,6 Mio. Barrel zurück. Damit wurde der vom API am Vortag gemeldete Lagerabbau deutlich übertroffen. Gleichzeitig war es der stärkste Lagerabbau innerhalb einer Woche seit Juli 2018. Grund für den starken Lagerabbau waren eine höhere Rohölverarbeitung und deutlich gestiegene Rohölexporte. Normalerweise steigen die Lagerbestände zu diesem Zeitpunkt des Jahres, was den kräftigen Lagerabbau umso bemerkenswerter macht. Die US-Rohölvorräte liegen inzwischen leicht unter dem 5-Jahresdurchschnitt. Der bis vor kurzem noch beträchtliche Lagerüberhang wurde damit vollständig abgebaut. Der US-Ölmarkt ist also nicht mehr überversorgt, was WTI zugute kommen dürfte und für eine weitere Einengung der Preisdifferenz spricht. Einen kräftigen Lagerabbau gab es letzte Woche auch bei den Ölprodukten. Die Benzinvorräte gingen um 4,6 Mio. Barrel, die Destillatebestände um 4,1 Mio. Barrel zurück. Der Lagerabbau entspricht damit weitgehend dem des Vorjahres und dem Saisonmuster. Die US-Benzinvorräte liegen leicht über dem 5-Jahresdurchschnitt, die US-Destillatebestände bereits darunter. Auch hier lässt sich somit kein Überangebot mehr feststellen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ3H9A Long WTI Oil Future Faktor: 8
CJ3H9H Long Brent Oil Future Faktor: 8
CJ3D4S Short WTI Oil Future Faktor: -8
CJ3D5A Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Die britische Premierministerin Theresa May hat gestern bei der EU nur eine relativ kurze Verlängerung der Brexit-Frist um drei Monate bis Ende Juni beantragt. Die EU-Kommission plädiert dagegen für eine längere Frist. EU-Ratspräsident Tusk zeigte sich aber auch offen für eine kurze Verschiebung, machte allerdings zur Auflage, dass May die Verzögerung begründet und das Austrittsabkommen vom britischen Parlament angenommen wird. Der EU-Gipfel, der heute beginnt, wird daher spannend. Während Gold nicht von der anhaltenden Brexit-Unsicherheit profitierte, reagierte es auf die Fed-Sitzung – und das sogar ziemlich stark. Es legte um fast 20 USD zu und handelt heute Morgen bei rund 1.320 USD je Feinunze auf einem 3-Wochenhoch. Die FOMC-Mitglieder erwarten in diesem Jahr keine weiteren Zinserhöhungen mehr und die Normalisierung der Bilanz (Abbau der Bilanzsumme) soll im September enden. Die Fed klang damit etwas taubenhafter als erwartet. Der US-Dollar wertete daraufhin spürbar ab und die US-Anleiherenditen gaben stark nach, was Gold Auftrieb gab. Gold hat zugleich die anderen Edelmetalle mit nach oben gezogen, wobei diese sogar etwas stärker zulegten als Gold. Silber notiert mit 15,6 USD wie Gold auf einem 3-Wochenhoch, Palladium verzeichnet mit 1.615 USD eine neue Rekordmarke, und Platin steigt auf über 870 USD. Bloomberg berichtet den nächsten großen Zufluss in die Platin-ETFs. Allein in dieser Woche summieren sich die Zuflüsse mittlerweile auf 113 Tsd. Unzen, seit Jahresbeginn sind es jetzt fast 500 Tsd. Unzen. Offenbar fließt das überschüssige Material am Platinmarkt derzeit in die ETFs.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ7RLP Long Gold-Future Faktor: 4
CJ7RLG Short Gold-Future Faktor: -4
CU0E6Y Long Palladium-Future Faktor: 5
CJ7RMH Short Palladium-Future Faktor: -5

Industriemetalle: Der globale Kupfermarkt war im letzten Jahr stark unterversorgt. Wie die International Copper Study Group (ICSG) gestern Abend berichtete, belief sich das Angebotsdefizit auf 387 Tsd. Tonnen. Dies war das höchste Defizit seit vier Jahren. Es war zudem mehr als viermal so hoch wie von der ICSG noch im Oktober unterstellt. Der Grund für das hohe Defizit ist auf der Angebotsseite zu finden. Die ICSG revidierte das Angebotswachstum deutlich nach unten, da es 2018 ungewöhnlich viele Ausfälle von Kupferschmelzen gab (unfreiwillig und wegen geplanter Wartungs- bzw. Modernisierungsarbeiten). Große Auswirkungen hatte dabei die „Tuticorin“-Schmelze in Indien, die im April stillgelegt werden musste. Daneben war das Angebot an Kupferschrott rückläufig. Der von der ICSG für dieses Jahr erwartete Abbau des Angebotsdefizits – es soll fast vollständig verschwinden – ist unseres Erachtens nach den gestrigen Zahlen fraglich. Die ICSG wird ihre Einschätzung auf ihrer Frühjahrstagung Anfang Mai wohl eher revidieren müssen. Ein höheres Angebotsdefizit spricht aus unserer Sicht für nachhaltig hohe bzw. kurzfristig weiter steigende Kupferpreise. Während das Angebot am Kupfermarkt begrenzt ist, läuft die Aluminiumproduktion weiter auf Hochtouren. Daten des International Aluminium Institute zufolge wurden im Februar weltweit 4,92 Mio. bzw. 175,7 Tsd. Tonnen pro Tag produziert. Dies war etwas mehr als im Vorjahr und als im Vormonat. Wir erachten den jüngsten Preisanstieg von Aluminium für übertrieben.

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