Währung

Das Damokles-Schwert über dem britischen Pfund

Weitere Wechselkurs-Kommentare der EZB

Man hat hoffen können (und ich hab’s in meiner Naivität getan), dass EZB-Präsidentin Christine Lagardes Kommentare vom vergangenen Donnerstag die öffentliche Diskussion der EUR-Wechselkurse durch EZB-Ratsmitglieder, die EZB-Chefvolkswirt Philip Lane vor Wochenfrist begonnen hatte, beenden würde. Lagarde hat eine Formulierung verwendet, die noch im Rahmen des G7-Konsens (“commitment to market determined exchange rates”) liegt und damit – so hoffte ich – Lanes vorherige Äußerungen dahingehend korrigiert.

Alles wäre schön und gut. Doch weder Lane noch Lagarde selbst werden seitdem müde, weiter über den EUR-Wechselkurs zu reden. Als gäb’s kein anderes Thema. Klar, jetzt bewegen sich die Äußerungen innerhalb des Rahmens, den Lagarde am Donnerstag abgesteckt hatte: sie diskutieren den Einfluss, den der Wechselkurs auf das Inflationsziel hat. Aber halt auf eine Art, die eindeutig auf Wirkung am Devisenmarkt abzielt.

“The scale of the upward revision in core inflation has been significantly muted by the appreciation of the euro exchange rate.” So Lane am Freitag. Und Lagarde wird am Sonntag mit der Aussage zitiert “The recent appreciation of the euro has partly offset the positive impact that the European Central Bank’s stimulus had in boosting inflation.” Vizepräsident Luis de Guindos fällt in den Chor mit ein.

Pro forma alles brav innerhalb des G7-Konsens. Nur, wenn die EZB-Ratsmitglieder über nichts anderes mehr reden, ist klar, was sie dem Devisenmarkt sagen wollen: Sie drohen mit weiteren expansiven Maßnahmen, wenn der Euro nicht abwertet oder zumindest, falls er weiter aufwertet. Die EUR-Wechselkurse, die dabei Herauskommen, sind wahrlich nicht mehr “market determined”, sondern von der EZB fabriziert. Und das ist nicht im Geiste des G7-Konsens.

Man mag glauben, dass die Tauben-Fraktion im EZB-Rat sowieso weitere expansive Maßnahmen will und das Wechselkurs-Getöse nur ein Stellvertreterkrieg ist. Diese Ansicht bringt Sie und mich – die wir an den EUR-Wechselkursen interessiert sind – nicht weiter. Wenn sich die Tauben-Fraktion nicht zu schade ist, in diesem Streit auch das Porzelan mit Namen “G7-Konsens” zu zerdeppern, wird’s für viele Marktteilnehmer schwierig, auf fundamentale EUR-positive Argumente zu setzen. Ich fühle mich bestätigt in der Ansicht, dass Episoden schneller Aufwertung (wie im Juni/Juli) nicht mehr zu erwarten sind – unabhängig von allen fundamentalen Argumenten.

Heute Morgen ist der Devisenmarkt nicht sonderlich beeindruckt. EUR-USD eröffnete die Handelswoche in Asien ungefähr auf den Niveaus der Freitags-Schlusskurse. Vielleicht bin ja auch nur ich entsetzt, und die Marktteilnehmer sind in der Mehrzahl weniger naiv. Vielleicht ist der Devisenmarkt aber auch schon weiter und ist zu der Ansicht gelangt, dass die EZB lange reden kann, aber keine signifikant starken Instrumente zur EUR-Schwächung mehr im Köcher hat. Nur müsste der Markt schon sehr, sehr konfident sein, um dennoch erneut die 1,20-Marke in EUR-USD anzutesten.

Und die Langfrist-Folgen? Wenn nicht die großen drei Zentralbanken (Fed, EZB, BoJ) ausnahmslos die “Guten” in Fragen der Wechselkurs-Kommunikation sind, befürchte ich, dass auch von kleineren Zentralbanken immer weniger Disziplin zu erwarten ist. Und dass die US-Regierung sich bemüßigt fühlen wird, wieder einen schwächeren Dollar einzufordern. Der G7-Konsens beginnt zu erodieren. Die Tauben im EZB-Rat sollten sich überlegen, ob ein paar Milliarden mehr QE-Volumen, die sie vielleicht im Dezember herausschlagen können, diesen Preis wert sind.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SB2EM8CallEUR/USDHebel: 7,2
SB2ESGPutEUR/USDHebel: 7,2
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Das Damokles-Schwert über dem britischen Pfund

Mein Chef sagt, wir sollen kein Briten-Bashing betreiben. Will ich ja gar nicht, aber die britische Regierung macht’s mir wahrlich nicht leicht. Vielleicht klappt’s, wenn ich mich heute auf emotionslose Fakten konzentriere:

  • Das Defizit der britischen Leistungsbilanz ist das zweithöchste der Welt. Im Verhältnis zum jeweiligen BIP war es 2019 das dritthöchste aller entwickelten Volkswirtschaften, wobei Nr. 1 und 2 (Irland und Zypern) aufgrund ihres Status als Steueroasen Ausnahmefälle sind.
  • Sowohl das Netto-Auslandsvermögen (Forderungen der Briten gegenüber dem Rest der Welt minus Verbindlichkeiten) als auch das Primär-Budget-Saldo (Einnahmen der Briten aus diesen Forderungen minus Ausgaben aus diesen Verbindlichkeiten) sind seit 2012 negativ. Aus Auslandsvermögen kann das britische Handelsbilanzdefizit derzeit (vor allem: bei derzeitigen GBP-Wechselkursen) nicht finanziert werden. Sondern nur aus neuen Verbindlichkeiten.
  • Zwar nahm das Defizit der Leistungsbilanz nach der scharfen GBP-Abwertung 2016 (in Folge des Brexit-Referendums) ab, 2018/19 hat es aber wieder deutlich zugelegt (abgesehen von Corona-bedingten Entwicklungen in diesem Jahr).

Da aber niemand den Briten Waren und Dienstleistungen schenkt, bedarf es des Willens des Rests der Welt, dieses Defizit zu finanzieren. Reißt dieser Wille ab (und dabei rede ich noch nicht einmal davon, dass Kapital von der Insel abgezogen wird), kommt die britische Leistungsbilanz zwangsweise ins Gleichgewicht. Wie viel Pfund-Abwertung wäre dafür nötig? 2016 war in dieser Hinsicht ein aufschlussreiches Experiment. Die GBP-Abwertung um ca. 25% halbierte das Leistungsbilanzdefizit – grob gesprochen. Genauso grob kann man folgern, dass eine doppelt so hohe GBP-Abwertung nötig wäre, um die Leistungsbilanz ins Gleichgewicht zu bringen. Horrorrechnungen? Klar, dazu muss es nicht kommen. Vielleicht sind die ausländischen Investoren ja von den alten Argumenten der Brexiteers restlos überzeugt und schicken noch mehr Kapital auf die Insel. Fragt sich nur, ob jemand mit GBP-Exposure darauf wetten mag. Zumal die alten Argumente der Brexiteers ziemlich ramponiert sind.

Heute wird’s erstmal im Unterhaus interessant. Der Versuch der britischen Regierung, die Regelungen des Austrittsvertrages zu brechen (und nebenbei britisches Verfassungsrecht, wenn ich’s recht verstehe) löste selbst unter gemäßigten Tories einen Aufschrei auf. Heute könnte sich zeigen, ob das in einer ausgemachten Revolte mündet und die Chance der Regierung, die Gesetzgebung durchzubringen, dahinschmilzt. Erinnert Sie das auch irgendwie an alte Theresa-May-Zeiten, als die Tories im Unterhaus ihr die Mehrheit verweigerten? Ich hör an dieser Stelle lieber auf. Ich will ja kein Briten-Bashing betreiben…

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
CJ4VF6CallEUR/GBPHebel: 7,4
CJ1XHHPutEUR/GBPHebel: 7,4
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

CNY: Politische Koordinierung

Es könnte interessant sein, einen Blick auf die politische Dynamik in China während der Erholung nach der Covid-Krise zu werfen. Am vergangenen Freitag sorgten die Geldmengenaggregate bei diesem Thema möglicherweise für etwas Aufklärung. Das Finanzierungsvolumen lag im August deutlich über den Erwartungen, was hauptsächlich auf die Anleihenemissionen zurückzuführen war. Der starke Anstieg der Anleihenverkäufe ist darauf zurückzuführen, dass die Regierung eine proaktive fiskalpolitische Unterstützung der Wirtschaft zusichert. Unterdessen lag die Kreditvergabe, die sich stärker auf die Realwirtschaft und insbesondere den Unternehmenssektor bezieht, weitgehend im Rahmen der Erwartungen. Das M2-Wachstum, also das Wachstum der Einlagen im Bankwesen, schwächte sich aber im August ab. Die traditionelle Banktätigkeit, also Kredite und Einlagen, deutet an, dass die geldpolitische Ausrichtung neutral wird. Trotzdem spielt die Fiskalpolitik aber weiterhin eine unterstützende Rolle, die sie wahrscheinlich von der Geldpolitik zur Aufrechterhaltung der Konjunkturerholung übernimmt. Alles in allem verfolgt China eine langsame und langfristige Expansionspolitik, was sinnvoll ist, weil die Erholung holprig und anfällig ausfallen dürfte.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
CJ6JNLCallEUR/CNHHebel: 8,3
CJ4691PutEUR/CNHHebel: 7,2
CU91APCallUSD/CNHHebel: 8,0
CJ1E4GPutUSD/CNHHebel: 6,9
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.