Währung

Das Brexit-Theater geht weiter

GBP – Das Brexit-Theater geht weiter

Der britische Premierminister Boris Johnson musste tun, was er so gerne vermieden hätte: die EU um Verlängerung der Brexit-Frist bitten. Er hat’s überlebt. Und trotz der weiteren Briefchen, die für Aufregung sorgten: Eigentlich ging es überraschend reibungslos. Das an sich ist eine GBP-positive Nachricht. Denn damit ist das Worst-Case-Szenario (vorerst) vom Tisch: dass Johnson einen prozeduralen Trick finden könnte, die Vorgabe des Benn Act (der dem Premier die Verlängerung vorschrieb) zu umgehen oder dass er offen gegen den Benn Act verstößt. Das wäre in einem No-Deal-Brexit am 31. Oktober geendet. Dieses Risiko ist beseitigt. Klar, Johnson versucht heute nochmal, seinen Deal durch’s Parlament zu bekommen. Mit unsicherem Ausgang. Aber wenn er scheitert, gibt’s halt ‘ne Verlängerung. Und keinen No-Deal.

Sind damit alle No-Deal-Risiken fort? Scheinbar nicht. Immerhin hat Brexit-Minister Michael Gove gestern die “Operation Yellowhammer” ausgelöst, die Notfallmaßnahmen, die die britische Regierung für den No-Deal-Fall in der Schublade hatte. Gove argumentierte, das Risiko, die EU könne die Verlängerung ablehnen, würde diesen Schritt rechtfertigen. Und in der Tat, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat auf dem EU-Gipfel letzte Woche sehr deutlich eine weitere Verschiebung des Brexit-Termins ausgeschlossen. Nur liegt solch eine Entscheidung weit jenseits der Kompetenz des Kommissionspräsidenten. Seine Meinung dazu ist so relevant wie Ihre oder meine. Er trägt sie nur mit mehr Chuzpe vor als wir. Die Entscheidung liegt beim Rat (d.h. bei den Staats- und Regierungschefs). Und während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron öffentlich angedeutet hat, der Rat wolle keine weitere Verlängerung, berichtet die Presse, auf der nicht-öffentlichen Ratssitzung letzte Woche habe sich Macron offen für eine Verlängerung gezeigt. Und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel habe Verlängerung als “unausweichlich” bezeichnet.

Gove, Juncker, das öffentliche Statement Macrons: all das scheint mir Teil eines billigen Bluffs zu sein, der dazu dienen soll, das Unterhaus zu einer Entscheidung zu drängen. Doch dürften die Parlamentarier auch heute (wie schon am Samstag) kaum darauf hereinfallen. Natürlich ist jedermann auf dem Kontinent des Brexit-Theaters müde und wünscht sich lieber heute als morgen, dass die Briten endlich austreten. Dennoch können Europas Staats- und Regierungschefs das Vereinigte Königreich nicht rausschmeißen. Sie wären dann diejenigen, die für Brexit-Chaos, möglicherweise für eine Rezession in Großbritannien, für Grenzkontrollen auf der irischen Insel und potenziell für ein Wiederaufflackern des Bürgerkrieges In Nordirland verantwortlich wären. Und schließlich wollen sie auch nicht den negativen Einfluss eines chaotischen Brexits auf ihre eigenen Volkswirtschaften – von denen viele am Rande einer Rezession stehen. Nein, die Drohung, die Verlängerung zu versagen, ist nicht glaubhaft.

Was heißt das für die GBP-Wechselkurse? Mich hat gewundert, dass das Pfund zur Eröffnung in Asien nicht mehr nachgegeben hat. Schließlich basierte die GBP-Stärke der letzten 1½ Wochen vor allem auf der Hoffnung, eine Lösung im Brexit-Theater sei nah. Das erscheint nach diesem Wochenende eher als unwahrscheinlich. Doch ist halt das unmittelbare No-Deal-Risiko erstmal vom Tisch. Es gibt keinen Grund, dass EUR-GBP aus der 0,85-0,93-Region ausbricht, in der der Kurs seit einigen Quartalen verharrt.

Heute könnte eine erneute Ablehnung des Johnson-Deals (oder die Weigerung des Parlamentspräsidenten, den Deal nochmal zur Abstimmung zu stellen) nochmal für GBP-Schwäche sorgen. Aber nur moderat. Für GBP-Absturz gibt’s derzeit keinen Anlass. Und falls das Parlament doch den Deal annimmt? Dann könnte das Pfund deutlicher zulegen. Das 1,30-Niveau in GBP-USD und 0,86 in EUR-GBP wären dann wahrscheinlich schnell passe.

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USD – Die Fed dürfte im Oktober erneut den Leitzins senken

Asche auf mein Haupt. Ich habe – bei allem Respekt für unsere Fed-Watcher – einen Rest Skepsis nie abgelegt, als sie für Oktober und Dezember Fed-Zinssenkungen prognostizierten. Doch jetzt sieht’s danach aus.

Am Freitag ging der November-Fed-Funds-Future mit einem Kurs von 98,38 aus dem Markt, impliziert für November also einen durchschnittlichen effektiven Fed-Funds-Satz von rund 1,6%, also ziemlich genau 25 Basispunkte unter dem derzeitigen effektiven Fed-Funds-Satz. Das heißt nicht unbedingt, dass der Markt eine Oktober-Zinssenkung mit 100% Intensität eingepreist hat. Aufgrund des Chaos am US-Geldmarkt ist der effektive Fed-Funds-Satz derzeit ungewöhnlich volatil. Aus der (nicht unplausiblen) Annahme, der Fed-Funds-Satz würde sich im November tiefer im Fed-Zielkorridor ansiedeln, resultiert eine etwas niedrigere Intensität der Fed-Markterwartung. Dennoch, ein Fed-Schritt am 30. Oktober ist weitgehend eingepreist.

Die Fed-Verantwortlichen, die Ende letzter Woche nochmal zahlreich sprachen (bevor die Blackout-Periode sie zum Stillschweigen verdammt), haben diese Markterwartungen nicht verändert. Das hätten sie mit hinreichend falkenhaften Bemerkungen tun können. Dass sie das nicht getan haben, heißt: Das FOMC ist weitgehend mit den Markterwartungen zufrieden. Da man kaum glauben kann, dass sie den eh fragilen US-Geldmarkt überraschen wollen, folgt daraus: Mit Stand heute wollen sie den Zins auf der nächsten Sitzung senken.

Damit sieht das, was die Fed macht, immer weniger nach Feinadjustierung des Leitzinsniveaus aus, sondern mehr und mehr nach einem ausgewachsenen Zinssenkungs-Zyklus. Man mag argumentieren, es gäbe kaum starke Gründe für eine Zinssenkung. D’accord. Daraus folge ich (im Gegensatz zu den USD-Bullen) aber nicht, dass es mit der Oktober-Zinssenkung getan ist. Ich schließe daraus eher, dass die Fed, wenn es keine deutlichen Gründe gibt, die dagegen sprechen, ihren Leitzins halt senkt. Weiter. Auch im Dezember. Die gegenwärtige USD-Schwäche sehe ich als Beleg, dass sich Marktteilnehmer meiner sicht anschließen.

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CNY – „Wesentliche Fortschritte“?

Derzeit scheinen die Handelsoptimisten am Markt den Ton anzugeben. Denn gegen Ende der Woche rutschte USD-CNY trotz schwacher chinesischer Zahlen unter 7,10. Der chinesische Vizepremier Liu He hatte letzten Freitag von „wesentlichen“ Fortschritten bei zahlreichen Handelsaspekten gesprochen. Das hatte die Hoffnung geschürt, dass während des APEC-Gipfels in Chile zumindest ein Teilabschluss unterzeichnet werden könnte. Offensichtlich halten einige wenige Marktteilnehmer eine grundsätzliche Lösung des Konflikts zwischen China und den USA für möglich. Dennoch wird potenzieller Optimismus in Bezug auf die Handelsgespräche wohl von kurzer Dauer sein und ohne Frage für mehr Volatilität sorgen.

Themawechsel: Die Preise für Neubauten verlangsamten sich in China im September erneut. Hierin spiegelt sich eine allgemeine Verschärfung der Immobilienpolitik wider. Eine Abkühlung des Immobiliensektors ist ohne Frage eine weitere Hiobsbotschaft für die Wachstumsaussichten.

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