Währung

Das Brexit-Chaos bleibt das dominierende Thema am Devisenmarkt

GBP: Das Pfund hat im Laufe der Nacht seine Gewinne nach der gestrigen Abstimmung über einen No-Deal Brexit wieder abgegeben. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass die Situation verworren bleibt. Nachdem die gestrigen Geschehnisse nicht nur Beobachter, sondern auch die Abgeordneten des britischen Parlamentes zwischenzeitlich in totaler Verwirrung zurück ließen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch der Markt nicht so richtig weiß, was er aus den neuesten Entwicklungen machen soll.

Was ist passiert? Während der Regierungsantrag vorsah, einen ungeordneten Brexit am 29. März zu verhindern, hatte die konservative Abgeordnete Caroline Spelman eine Ergänzung eingereicht, die einen No-Deal-Brexit generell (und damit nicht nur am 29. März) vom Tisch nehmen sollte. Diese Ergänzung wurde von einer Mitunterstützerin vorgebracht. Spelman selbst hatte wohl auf Druck der Regierung (oder aus Loyalität?) ihren Vorschlag nicht zur Wahl bringen wollen. Er wurde mit einer denkbar knappen Mehrheit von 312 zu 308 Stimmen angenommen. Aufgrund dieser Änderung wies die Regierung ihre Abgeordneten plötzlich per Fraktionszwang an, gegen den nun ergänzten Regierungsantrag zu stimmen, nachdem gestern noch eine „freie Wahl“, ohne Fraktionszwang zugesichert worden war. Ein verzweifelter und letztendlich erfolgloser Akt: Der abgeänderte Antrag wurde angenommen. Die Möglichkeit, einen No-Deals auch weiterhin zu betonen wurde der Regierung damit genommen, womit umso deutlicher wurde, dass May jegliche Kontrolle über ihre Partei und den Brexit-Prozess verloren hat.

Für das Pfund schien erst einmal jedoch relevant, dass sich das Parlament klar gegen einen ungeordneten Brexit ausgesprochen hat. So richtig Fahrt nahm die GBP-Aufwertung jedoch erst auf, nachdem die Regierung ihren Antrag für die heutige Abstimmung vorstellte. Denn dieser ließ den Markt hoffen, dass die Regierung realistisch einschätzt, dass erhebliche Zugeständnisse notwendig sein könnten, um sich mit der EU auf eine Verlängerung zu einigen. Der heutige Abstimmungsentwurf (Abstimmungen ab 18 Uhr MEZ) sieht vor, dass die Regierung die EU um eine einmalige kurze Verlängerung bis zum 30. Juni 2019 bittet, vorausgesetzt, dass das Parlament bis zum 20. März, also Mittwoch kommende Woche, den (von May) ausgehandelten Brexit-Entwurf in einer dritten Abstimmung doch noch absegnet. Wäre das nicht der Fall – was nach den krachenden Niederlagen der Regierung in den zwei bisherigen Abstimmungen möglich erscheint – nimmt das Parlament zur Kenntnis, dass die EU auf ihrem am 21. März beginnenden Gipfel eine klare Begründung für eine Verlängerung verlangen wird, schon allein um die Länge der Verlängerung festzulegen. Es ist auch Teil des Regierungsentwurfes, dass das Vereinigte Königreich an den Wahlen zum EU Parlament teilnehmen muss, falls die Verhandlungsperiode über den 30. Juni 2019 hinaus verlängert wird. Sollte man dazu tatsächlich bereit sein, was abzuwarten bleibt, könnte eine kritische Hürde für eine ausgedehnte Verlängerung aus dem Weg geräumt werden.

Dennoch ist die Korrektur der GBP-Rallye in den vergangenen Stunden meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt. Denn erhebliche Stolpersteine bleiben. So betonen sowohl die britische Regierung als auch die EU, dass es nicht reicht, gegen einen No-Deal zu stimmen (zumal die Abstimmung nicht rechtlich bindend ist). Das Vereinigte Königreich muss einem Brexit-Abkommen zustimmen und sich dafür erst einmal klar werden, was für eine Art von Brexit es mehrheitlich unterstützen kann. Dahingehend sind wir leider immer noch keinen Schritt weiter. Und werden wohl vorerst auch nicht weiter kommen. Denn erstmals sieht es danach aus, dass sich die britische Regierung weiter vollkommen darauf konzentriert, ihren Brexit-Vorschlag doch noch durchs Parlament zu bekommen. Die Hoffnung dürfte sein, dass sich doch noch genügend Brexit-Befürworter aus Angst vor einer langen Verlängerung auf die Seite der Regierung schlagen könnten. Besser den May-Brexit in der Hand, als den perfekten Brexit auf dem Dach, wo er dicht neben einem drohenden Verbleib in der EU hockt. Solange sich die Regierung an ihrem ursprünglichen Brexit-Plan festklammert, bleibt der Weg für Alternativen verwehrt, die eine sinnvolle Nutzung einer Verlängerung erlauben würden (zweites Referendum, Neuwahlen, „echte“ Neuverhandlungen mit einem konkreten Ziel). Somit bleibt vorerst auch unklar, ob die EU überhaupt zu einer Verlängerung bereit sein wird. Einige Stimmen innerhalb der EU sprechen von dem am wenigsten vorhersehbaren Gipfel des gesamten Brexit-Prozesses. Und selbst wenn die EU einer Verlängerung zustimmt, bleibt die Unsicherheit, ob das britische Parlament wiederum den von der EU an eine Verlängerung gehängte Bedingungen zustimmen wird.

Der Markt hält es offensichtlich für möglich, dass es zu der von May angestrebten kurzfristigen Verlängerung kommen kann. Zumindest ist die Forward-Volatilität im Bereich Mai bis Juli erhöht, was jedoch auch signalisiert, dass diese Verlängerung wohl nicht die Folge davon ist, dass Mays Vorschlag angenommen wird, womit jegliche Unsicherheit vom Tisch sein sollte, sondern eher ein Zugeständnis der EU, ohne dass sich eine finale Lösung abzeichnet. Damit bliebe das Risiko eines No-Deal und damit einhergehend die Gefahr einer erhebliches GBP-Abwertung. Wir konzentrieren uns erst einmal auf die anhaltend hohe kurzfristige Volatilität und harren der Entwicklungen in den nächsten 7 Tagen. Denn je nachdem, welche Ergänzungen heute Abend verabschiedet werden, kann morgen alles schon wieder ganz anders aussehen. Ich wünsche allen, die in irgendeiner Art und Weise in den GBP-Wechselkursen involviert sind, starke Nerven!

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