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Corona-Virus Update 9. Juli 2020 – Fokus USA

In den USA sind die hochfrequenten Wirtschaftsdaten wegen der steigenden Infektionszahlen und der deshalb mancherorts wieder verschärften Maßnahmen gegen die Pandemie von großem Interesse. Ausgerechnet jetzt verzerrt aber der Unabhängigkeits-Feiertag die Indikatoren und erschwert die Interpretation. Die EU-Kommission genehmigt deutschen Rettungsschirm. In China deuten die Inflationszahlen auf eine anhaltende Nachfrageschwäche.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA: Feiertag erschwert Interpretation

Wir haben für die USA mehrere Indikatoren ausgesucht, die quasi in Echtzeit einen Eindruck davon geben, wo die US-Wirtschaft steht.

  1. Stahlproduktion (letzter Wert 27. Juni)

Nach dem scharfen Einbruch der Stahlproduktion Ende März um ein Drittel sind erste Erholungsanzeichen sichtbar, allerdings von sehr niedrigem Niveau aus. Wegen des Feiertags am Freitag liegt der Wert für die letzte Woche noch nicht vor.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Frachtverkehr (letzter Wert 4. Juli)

Die chemische Industrie ist für uns von Interesse, weil sie mit vielen anderen Branchen über Lieferbeziehungen verbunden ist. Beim Transport von Chemikalien per Bahn zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Letzte Woche haben die Aktivitäten zwar abgenommen, aber dies könnte mit dem Feiertag zusammenhängen. In den letzten Jahren hat der Frachtverkehr rund um den Unabhängigkeitstag jedenfalls noch deutlicher abgenommen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Hypothekenanträge (letzter Wert 3. Juli)

Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch im März/April haben die Anträge auf Hypothekenkredite für den Kauf einer Wohnimmobilie kräftig angezogen. Für den starken Anstieg dürften die rückläufigen Hypothekenzinsen verantwortlich sein. Der leichte Rückgang in den letzten drei Wochen entspricht dem saisonal üblichen Muster. Wichtig ist: Es gehen weiterhin sogar mehr Anträge ein als in den letzten Jahren in der entsprechenden Kalenderwoche üblich.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Reisende an Flughäfen (letzter Wert 7. Juli)

Der Gesamtdurchsatz von Reisenden an den Kontrollpunkten der Transportation Security Administration (TSA) lag in den letzten sieben Tagen bei durchschnittlich rund 670 Tausend pro Tag, ein Anstieg gegenüber den 580 Tsd in dem vorherigen 7-Tageszeitraum. Dem stehen Messwerte von 2-2,5 Millionen an einem typischen Tag im Jahr 2019 gegenüber. Der Flugreiseverkehr nimmt damit langsam wieder zu und liegt jetzt bei knapp 28% des Normalwerts.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Kundenzahl im Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen (letzter Wert 5. Juli)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) und die Freizeiteinrichtungen haben sich gemessen an der von Google ermittelten Kundenzahl spürbar erholt. Verzeichneten die Geschäfte im April zeitweise 40% – 50% weniger Kunden als in normalen Zeiten, so wurde inzwischen zwei Drittel des Einbruchs wettgemacht. Ende Juni kam der Aufwärtstrend allerdings zum Stillstand, weil die Infektionszahlen wieder steigen und die Behörden deshalb die Lockerungen von Maßnahmen gegen die Pandemie teilweise wieder zurückgenommen haben (Grafik 5). In der letzten Woche zeigten die Zahlen zwischenzeitlich nach oben, um dann wieder zu sinken. Die Schwankungen gehen vermutlich auf den Unabhängigkeitstag zurück.

In den USA haben bei vielen konsumorientierten Dienstleistungen die Aktivitäten wieder zugenommen, während die Industrie noch etwas hinterherhinkt. Seite Ende Juni hat die Mobilität allerdings nicht mehr zugenommen. Die Daten der letzten Woche sind wegen des Feiertags am Freitag allerdings schwer zu interpretieren. Inwieweit die Wirtschaft an Schwung verloren hat, weil in einigen Bundesstaaten vor allem im Süden und Westen die Infektionszahlen wieder steigen und die Behörden dort manche Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie wieder zurückgenommen haben, lässt sich anhand dieser Daten noch nicht klar beurteilen.

Weltweite Neuinfektionen

  • In den USA spitzt sich die Lage weiter zu. Auch gestern wurden mehr als 59.000 Neuinfektionen gemeldet. Der 7-Tage-Durchschnitt kletterte auf knapp 53.000. Dies entspricht 16,1 neue Fälle je 100.000 Einwohner.
  • Auch in Brasilien nimmt das Infektionsgeschehen wieder zu. Die Infektionsrate stieg auf 18,2.
  • In der EU ist das Virus weitgehend unter Kontrolle. In Deutschland wurden in den letzten 7 Tagen im Durchschnitt nur noch 365 Neuinfektionen gemeldet. Damit ist die Zahl fast wieder das Niveau vor dem Infektionsausbruch in einer Fleischfabrik in Gütersloh gesunken. Auch in Italien werden nur noch wenige neue Infektionen gemeldet. In allen großen EU-Ländern liegt die Infektionsrate weiter unter 1.

Deutschland – EU-Kommission stimmt deutschem Rettungsschirm zu

Die Wettbewerbshüter aus Brüssel genehmigten gestern den deutschen Rettungsschirm für Unternehmen. Dieser Wirtschaftsstabilisierungsfonds ist mit 600 Mrd Euro ausgestattet. Bundeswirtschaftsminister Altmaier verkündete gestern außerdem weitere Zuschüsse für Selbstständige und mittelständische Unternehmen in Höhe von bis zu 150 Tsd Euro. Die Zuschüsse sind für Unternehmen bestimmt, die durch die Corona-Krise nachweislich Umsatzeinbußen erfahren haben. Diese Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden.

China – Anhaltende Nachfrageschwäche

  • Die Verbraucherpreis-Inflation fiel den vierten Monat in Folge und lag im Juni bei 2,5%. Gleichzeitig legte die Produzentenpreis-Inflation leicht auf -3,0% zu. Insgesamt deutet das Inflationsprofil auf eine anhaltende Nachfrageschwäche.
  • Die Pkw-Verkäufe fielen im Juni laut dem Chinesischen Automobilverband (CPCA) im Jahresvergleich um 6,2%. Dies dürfte aber nicht das Ende des allgemeinen Erholungstrends markieren.