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Corona-Virus Update 9. April 2020

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zeigen Wirkung. Auch in den USA hat sich die Kurve der Neuinfizierten abgeflacht. Für die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten erwarten wir 6 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Die EU-Finanzminister setzen heute ihre Debatte über Milliardenhilfen fort. Ein Exit-Plan der EU fordert einen koordinierten Ausstieg der Mitgliedsländer dahingehend, dass die Maßnahmen in zielgerichtete Beschränkungen übergehen sollten, um das wirtschaftliche und soziale Leben wieder zu öffnen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zeigen Wirkung. Auch in den USA, dem derzeitigen Epidemie-Herd hat sich die Kurve der Neuinfizierten deutlich abgeflacht (Grafik 1). Dies bedeutet, dass die gemeldeten neuen Fälle von Tag zu Tag nur noch wenig zunehmen. Mit rund 30.000 ist die Zahl allerdings weiter sehr hoch, zumal sie sich regional auf wenige Regionen konzentrieren.
  • In Europa werden immer weniger neue Infektionen gemeldet. Inzwischen zeigt der 7-Tage-Durchschnitt in allen vier großen Ländern nach unten (Grafik 2). Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Tagen fortsetzen, denn die Wirkung der Kontaktbeschränkungen wird erst jetzt in den Zahlen sichtbar.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutschland – Sieben Empfehlungen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt neben den bestehenden Abstands- und Hygieneempfehlungen sieben Punkte, damit die Regeln gelockert werden können:

  1. Tragen von Mund-Nasen-Schutz
  2. Freiwillige Nutuzung von Apps, die Daten über mögliche Infektionswege zur Verfügung stellen
  3. Ausbau der Testkapazitäten
  4. Repräsentative Tests der Bevölkerung
  5. Erforschen der Risikofaktoren wie Alter, Vorerkrankungen etc.
  6. Anpassen der Klinikstrukturen: Patienten mit anderen Krankheiten dürften nicht aus der Versorgung fallen
  7. Die Regierung und Behörden müssen regelmäßig und transparent kommunizieren, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken.

EU – Debatte um Milliardepaket geht heute weiter

Die EU-Finanzminister konnten sich gestern nicht auf ein Milliardenpaket einigen. Nach einer 16-stündigen Sitzung vertagte der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Mario Centeno, die Beratungen auf den heutigen Donnerstag. Zur Debatte steht ein bis zu 540 Milliarden Euro schweres Kreditpaket für EU-Staaten und für Unternehmen, die durch die Coronakrise in finanzielle Bedrängnis geraten sind. Laut EU-Diplomaten waren sich 26 der 27 Finanzminister einig, nur die Niederlande haben sich gesperrt. Knackpunkt war, dass die bei ESM-Krediten üblichen Bedingungen in der Coronakrise spürbar gelockert werden sollten. Das hieße, dass Empfängerstaaten kein Reformprogramm umsetzen müssten. Sie sollten lediglich dazu verpflichtet werden, die EU-Fiskalvorschriften mittelfristig wieder einzuhalten. Dies wollten die Niederlande nicht mittragen.

EU-Kommission schmiedet Exit-Plan

Die EU-Kommission hat einen Fahrplan für den Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen entworfen und fordert eine koordinierte Vorgehensweise der Mitgliedstaaten. Laut der Tageszeitung die Welt sollte der „Europäische Fahrplan für einen Ausstieg aus der Covid-19-Pandemie“ – so der Titel des Entwurfs – unsprünglich gestern von der EU-Kommission beschlossen werden. Auf Drängen mehrerer Mitgliedstaaten soll er allerdings erst nach Ostern der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Experten der Kommission empfehlen den nationalen Regierungen, anhand zweier Kriterien zu entscheiden, ob die Maßnahmen gelockert werden: Erstens muss sich die Ausbreitung des Virus erheblich und über einen längeren Zeitraum abgeschwächt haben. Zweitens müssen die nationalen Gesundheitssysteme ausreichend Kapazitäten haben.

Die Mitgliedsländer sollten die bestehenden Maßnahmen zuerst auf lokaler Ebene aufheben. Das erlaube es, die Restriktionen falls nötig lokal schnell wieder einzuführen, heißt es in dem Papier. Zudem sollten die Maßnahmen schrittweise mit einem zeitlichen Abstand von je einem Monat aufgehoben werden.

Grundsätzlich müssten die jetzigen breiten Maßnahmen, die das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben weitgehend gestoppt haben, in zielgerichtete Beschränkungen übergehen. Beispielsweise könnten Geschäfte mit der Einschränkung wieder öffnen, dass die Anzahl der Kunden im Laden begrenzt wird. In Schulen könnten die Klassen verkleinert werden. Bars, Restaurants und Kultureinrichtungen könnten mit begrenzten Öffnungszeiten und Obergrenzen für die Zahl der Besucher allmählich wieder öffnen.

USA – Weitere Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt?

  • Die Regierung hat bereits Kredite an kleinere Unternehmen in Höhe von 100 Mrd Dollar genehmigt; dies ist ein Teil der im kürzlich verabschiedeten Hilfspaket für die Unterstützung derartiger Unternehmen vorgesehenen 350 Mrd Dollar. Der Bedarf ist allerdings so groß, dass der Senat heute eine Aufstockung um 250 Mrd Dollar verabschieden will. Die Mittel werden dem “Paycheck Protection Program” (PPP) zugewiesen. Dies wandelt die Notkredite in Zuschüsse um, wenn die Unternehmen für einen gewissen Zeitraum auf Entlassungen verzichten.
  • Die Umsetzung des PPP stößt aufgrund der Menge der Anträge auf erhebliche administrative Probleme und Verzögerungen. Dies erhöht die Gefahr, dass vielen Unternehmen das Geld ausgeht, bevor sie auf Mittel des PPP zurückgreifen können.
  • Heute werden Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. In der letzte Woche wurden 6,6 Millionen Erstanträge gestellt, eine noch nie dagewesene Zahl. Wir gehen davon aus, dass wohl wieder um die 6 Millionen Erstanträge gestellt werden. Große Staaten wie Texas und Florida haben allgemeine Ausgangsbeschränkungen erst Anfang April verhängt, sodass hier mit einem Sprung der Antragszahlen zu rechnen ist. Zudem gibt es vielfach Bearbeitsungsrückstände, was die heutigen Zahlen ebenfalls nach oben treiben könnte. Insgesamt wären damit wären binnen dreier Wochen 16 Millionen Menschen arbeitslos geworden, die Arbeitslosigkeit hätte sich damit mehr als verdreifacht.
  • Modellrechnungen des Institute for Health Metrics and Evaluation (auf die sich die US-Regierung bei ihren Entscheidungen stützt) zeichnen für den weiteren Verlauf der Krise jetzt ein etwas günstigeres Bild . Auf Basis neuer Daten kommen Forscher zu dem Schluss, dass die Absperrmaßnahmen wirken. Das Modell errechnet jetzt noch etwa 60 Tsd Todesfälle aufgrund des Virus; frühere Schätzungen gingen noch von bis zu 200 Tsd Toten aus. Die Beanspruchung der Ressourcen des Gesundheitswesen (wie Betten auf Intensivstationen) dürfte in wenigen Tagen ihren Gipfel erreichen.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China – Autoverkäufe etwas besser als im Februar

  • Taiwans Handelsdaten für März wurden gestern veröffentlicht: Die Exporte nach China stiegen im Jahresvergleich um 3,2%, während die Ausfuhren in die USA und nach Deutschland um 3,1% bzw. 16,6% zurückgingen. Typischerweise sind Taiwans Exporte ein guter Indikator für Chinas gesamten Außenhandel, dessen Zahlen zwei Wochen später veröffentlicht werden.
  • Daten des chinesischen Automobilverbandes deuten darauf hin, dass die Pkw-Verkäufe im Tagesdurchschnitt um 36% im Jahresvergleich zurückgingen. Das Verkaufsvolumen hat sich seit Februar verbessert.
  • Der Kohleverbrauch war in den letzten Wochen weitgehend stabil (Grafik: Das Verkehrs- und U-Bahnvolumen nimmt weiter zu).