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Corona-Virus Update 8. April 2021

Die vom RKI veröffentlichten 7-Tage-Inzidenzwerte und die darauf beruhenden R-Wertberechnungen geben aktuell ein völlig falsches Bild von der Entwicklung des Infektionsgeschehens in Deutschland und machen einmal mehr deutlich, wie unsinnig es ist, den Grad der Corona-Beschränkungen allein von diesen Größen abhängig zu machen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Infektionsgeschehen

  • Der aussagekräftigste Indikator zur Beurteilung des Infektionsgeschehens in Deutschland ist derzeit die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen, die weiter rasant steigt (Grafik 1). Gestern mussten 4.439 Corona-Patienten intensiv-medizinisch behandelt werden, 750 mehr als vor einer Woche. Steigt die Zahl in diesem Tempo weiter an, dann wird schon in zwei Wochen der Hochstand von Anfang Januar erreicht werden.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Sowohl die 7-Tage-Inzidenz – die gestern auf 105,7 je 100.000 Einwohner fiel – als auch die anhand dieser Daten berechneten R-Werte – der 4-Tage R-Wert lag gestern bei 0,61, der 7-Tage R-Wert bei 0,76 – zeichnen ein völlig falsches Bild von der Entwicklung des Infektionsgeschehens.
  • In der vergangenen Woche steckten sich laut RKI 127.158 Menschen mit dem Coronavirus an (Grafik 2). Das ist ein Rückgang um 6,8%. Doch dieser Rückgang ist allein das Ergebnis des niedrigeren Testsumfangs, der um 18,6% sank. Gleichzeitig erhöht sich der Anteil der positiven Tests von 9,33% auf 11,06%. Rein rechnerisch wäre die Zahl der Neuinfektionen bei einem unveränderten Testumfang aufgrund der höheren Positivrate um 18,6% gestiegen. Auch wenn dieser Wert die tatsächliche Entwicklung überzeichnet – die höhere Positivrate ist auch teilweise darauf zurückzuführen, dass in der Osterwoche vor allem Personen mit Symptomen getestet wurden – macht die Rechnung deutlich, dass sich die Infektionswelle in Deutschland weiter aufbaut.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Nicht nur in Deutschland, auch in den meisten anderen EU-Ländern dürfte der Rückgang der gemeldeten Neuinfektionen am aktuellen Rand darauf zurückzuführen sein, dass über die Osterfeiertage weniger getestet worden ist (Grafik 3).
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In den USA wird das Infektionsgeschehen aktuell von regionalen Ausbrüchen geprägt. Landesweit liegt der 7-Tage-Durchschnitt bei den Neuinfektionen seit Ende März bei rund 19 je 100.000 Einwohner (Grafik 4). Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC ist jetzt die Virus-Variante B.1.1.7 – die sogenannte britische Mutante – dominant. Diese ist, jüngsten Schätzungen zufolge, bis zu 67% ansteckender als die älteren Varianten. Die Verbreitung von B.1.1.7 könnte zu den wieder ansteigenden Infektionszahlen in mehreren US-Regionen beigtragen haben. Das CDC hat die Fähigkeiten zur Nachverfolgung von Virus-Mutationen deutlich verbessert, was durch Mittel von 1,75 Mrd Dollar zur Gensequenzierung, die im letzten Corona-Paket bewilligt wurden, ermöglicht wurde.
  • Schlechte Nachrichten kommen derzeit aus Indien, wo sich die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb eines Monats verdoppelt hat.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Impfungen

  • Das Bundesland Bayern hat gestern einen Vorvertrag für den Bezug von rund 2,5 Mio Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V abgeschlossen. Der russische Impfstoff hat noch keine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA erhalten, soll aber auch von einem Werk in Illertissen (Bayern) produziert werden. Der Freistaat will damit die Impf-Zusatzkapazitäten in Bayern erhöhen. Die 2,5 Mio Dosen sollen im Juli geliefert werden, vorausgesetzt Sputnik wird in Europa zugelassen.
  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland hält an ihrer Einschätzung fest, den AstraZeneca-Impfstoff nur noch bei Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Das stellte der Vorsitzende der Stiko, Professor Mertens, gestern nochmals klar, nachdem die EMA weiterhin AstraZeneca empfiehlt. Auch Italien will den Impfstoff bevorzugt an Menschen über 60 Jahren verabreichen. Die eingeschränkte Verwendung des Impfstoffs dürfte den Impfprozess in der EU weiter verzögern (Grafik 5).

Wirtschaft

  • Gestern sprach sich Kanzlerin Merkel für ein deutliches Herunterfahren des öffentlichen Lebens aus und unterstützt damit die Idee des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet eines “Brücken-Lockdowns”. Auch Bayerns Ministerpräsident Söder forderte in diesen Tagen ein strikteres Vorgehen gegen die Pandemie. Gemeint ist von allen drei Unions-Politikern ein kurzer, einheitlicher und harter Lockdown. Ein Vorziehen des Corona-Gipfels auf diese Woche wird es nicht geben; dieser wird wie geplant kommenden Montag stattfinden.
  • Trotz der rollenden dritten Welle in Deutschland gibt es gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Laut Schätzungen des Münchner Ifo-Instituts ist die Zahl der Kurzarbeiter im März um 200.000 auf 2,7 Mio Menschen (8% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) zurückgegangen. Der Rückgang fand in nahezu allen Wirtschaftszweigen statt, insbesondere in der Industrie. Diese leidet nicht wie im Frühjahr 2020 unter Lieferkettenproblemen und profitiert von der Erholung der Weltwirtschaft, insbesondere in den USA und China.

Start in die Dividendensaison

Auch in diesem Jahr ist im Frühjahr die Zeit für Hauptversammlungen und so können sich viele Aktionäre über Ausschüttungen freuen. Lesen Sie hier, was Anleger von der kommenden Dividendensaison erwarten können.