Top Charts

Corona-Virus Update 8. April 2020

Der Hochpunkt der Pandemie scheint erreicht zu sein. Deutsche Autobauer wollen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter ohne Sorgen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Die EU-Länder sind sich noch uneins über ein gemeinsames Hilfspaket, aber es steht viel Geld im Raum. Die EZB will geringere Sicherheiten akzeptieren, um Kredite an Unternehmen zu erleichtern. Die USA arbeiten an einem Plan, die Wirtschaft wieder anzufahren. In China hebt Wuhan heute offiziell seine Reisebeschränkungen auf.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Die Pandemie scheint gemessen an den Neuinfektionen den Hochpunkt erreicht zu haben. Weltweit wurden gestern 68.766 neue Fälle gemeldet. Das ist der niedrigste Wert in den letzten sieben Tagen.
  • Inzwischen scheint auch in den USA der Anstieg der gemeldeten Neuinfektionen zum Stillstand gekommen zu sein (Grafik 1).
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In Europa hat sich die Lage leicht entspannt. In Italien und Spanien sinkt der 7-Tage-Durchschnitt der Neuinfektionen erkennbar (Grafik 2).
  • Auch Deutschland scheint den Hochpunkt überschritten zu haben. Damit steigen die Chancen, dass die Corona-Maßnahmen nach dem Ende der Osterwoche schrittweise gelockert werden.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutsche Autobauer rüsten sich

Die deutschen Autobauer wollen Corona trotzen. Bei Volkswagen, Daimler, Audi und Porsche stehen die Bänder seit Mitte März bis derzeit 19. oder 26. April still. Aber die Autobauer lassen sich zusammen mit den Arbeitnehmern einiges einfallen, damit die Produktion bald wieder loslegen kann. Wichtig sei vor allem, dass die Mitarbeiter bei einer allmählichen Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen ohne Sorgen um die Gesundheit an den Arbeitsplatz zurückkehren könnten. Angedacht sind etwa Mundschutz, Handschuhe und Kunststoffvorhänge. Maßgeblich für die Entscheidung, wann es wieder losgehen kann, sind die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und die Vorgaben der Behörden. Aber auch von den Lieferketten und der Nachfrage wird es abhängen, in welchem Umfang die Fertigung dann starten könne und wie schnell das Hochlaufen bis zur vollen Kapazität dauern wird.

EU noch uneins über gemeinsames Hilfspaket

Die Regierungen der EU-Länder sind sich noch immer uneins über die gemeinsamen Finanzhilfen im Kampf gegen die Corona-Krise. Derzeit stehen die folgenden Pakete im Raum:

  • “Centenos Paket”: Der Eurogruppen-Chef Mario Centeno befürwortet ein dreiteiliges Paket: 1) Der Euro-Rettungsfonds ESM könnte mit bis zu 240 Mrd Euro zinsgünstige Kredite für bis zu zwei Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung eines Landes bereitstellen. 2) Zudem will die Europäische Investitionsbank (EIB) Unternehmen in der Krise mit Krediten von bis zu 200 Mrd Euro unterstützen, wofür von den Mitgliedstaaten 25 Mrd Euro an Garantien notwendig wären. 3) Die EU-Kommission will mit rund 100 Mrd Euro auf europäischer Ebene Kurzarbeiter unterstützen.
  • Corona-Bonds: Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hatte beim EU-Gipfel Mitte März Corona-Bonds vorgeschlagen und damit die Debatte über Euro-Bonds und die Vergemeinschaftung von Schulden wieder angefacht. Deutschland, die Niederlande und andere Länder lehnen solche Euro-Bonds strikt ab. Deshalb schlug Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire als Kompromiss einen Solidaritätsfonds vor, der zwar auch gemeinsame Schulden ermöglichen, aber auf fünf oder zehn Jahre begrenzt sein soll.
  • Marshallplan: EU-Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen spricht von einem “Marshallplan für Europa”. Die Staats- und Regierungschefs hatten sie und EU-Ratspräsident Charles Michel Ende März beauftragt, einen “Erholungsplan” mit “nie dagewesenen Investitionen” auszuarbeiten. Mittel dafür könnte der nächste mehrjährige EU-Haushalt für 2021 bis 2027 bereitstellen, der allerdings noch nicht verabschiedet ist.

EZB akzeptiert geringere Sicherheiten

Die EZB will mit einer am Dienstagabend angekündigten Maßnahme den Banken die Kreditvergabe an Unternehmen erleichtern. Sie kündigte an, es Banken vorübergehend einfacher zu machen, sich von der EZB Geld zu leihen. Die Banken dürfen bei der Zentralbank künftig Sicherheiten hinterlegen, die bislang Tabu waren – auch griechische Staatsanleihen. Diese Maßnahmen sind auf die Dauer der Corona-Krise befristet und an die Dauer des Notfallkaufprogramms PEPP gekoppelt. Sie werden vom EZB-Rat vor Ende 2020 nochmals überprüft.

USA – Kleinere Unternehmen in Existenznöten

  • Die US-Regierung arbeitet an einem Plan zum Wiederanfahren der Wirtschaft. Damit würde man wohl erst in kleineren Städten und in weniger betroffenen Bundesstaaten beginnen. Allerdings setzt dies eine massive Steigerung der Corona-Tests voraus. Zurzeit werden täglich 100 Tsd Tests durchgeführt, bei einer Bevölkerung von 330 Millionen. Sollte dieses Problem gelöst werden können, könnte man binnen vier bis acht Wochen mit dem Hochfahren der Wirtschaft beginnen, so der wirtschaftliche Berater des Präsidenten.
  • Kleinere Unternehmen (solche, mit weniger als 500 Angestellten) geraten durch den Shutdown in Existenznöte. Einer Studie der Fed zufolge könnte nur ein kleiner Teil dieser Unternehmen einen zweimonatigen Umsatzausfall überstehen. Kleine Unternehmen sorgen für fast die Hälfte der Arbeitsplätze in den USA.
  • Um diese Unternehmen zu unterstützen, hat der Kongress kürzlich 349 Mrd Dollar bewilligt. Die Vergabe von Kreditgarantien obliegt der Small Business Administration (SBA). Zwar hat diese binnen weniger Tage 50 Mrd Dollar an solchen Krediten bewilligt. Bei der Bearbeitung kommt es aber zu Verzögerungen, sodass bisher nur ein kleiner Teil dieser Mittel bei den Unternehmen angekommen ist. Die SBA ist mit der Flut der Anträge überfordert, da sie sonst in einem ganzen Jahr allenfalls für 30 Mrd Dollar Kreditgarantien bewilligt.
  • Im Kongress wird mit Hochdruck daran gearbeitet, weitere 250 Mrd Dollar zur Unterstützung kleinerer Unternehmen zu bewilligen. Der Senat könnte bereits morgen darüber abstimmen.
  • Präsident Trump erwägt offenbar, die US-Beiträge zur Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation WHO auszusetzen. Diese habe in der Viruskrise versagt und sei im Übrigen zu pro-chinesisch eingestellt. Die USA sind der größte Beitragszahler für die WHO.

China – Verkehrsaufkommen erreicht neuen Höchststand

  • Der Kohleverbrauch Chinas hat nach den Feiertagen wieder zugenommen, was die Befürchtungen einer “plötzlichen Unterbrechung” der Produktion etwas milderte (Grafik 3).
  • Das Verkehrsaufkommen in den chinesischen Großstädten hat gestern (7. April) einen neuen Höchststand erreicht, was darauf hindeutet, dass sich allmählich wieder ein normales Leben einstellt (Grafik 4). Die Verkehrsbuchungen stiegen um mehr als 50%, während die Hotelbuchungen für das dreitägige Ching Ming-Festival bis zum 6. April um 60% zunahmen.
  • Das Epizentrum Wuhan hebt heute offiziell die Reisebeschränkungen auf. Suifenhe, eine Stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern in der Provinz Heilongjiang, strafft jedoch die Beschränkungen auf, da die Stadt über 30 importierte Covid-19-Fälle aus Russland meldete.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.