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Corona-Virus Update 7. August 2020 – Fokus Euroraum

In den kleinen Euro-Ländern dürfte der Einbruch der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal weit weniger dramatisch gewesen sein als in den großen Ländern. Außerdem zeigen unsere Echtzeit-Indikatoren, dass sich die Wirtschaftsaktivität spätestens seit Mai spürbar erholt. Zuletzt erneut gestiegene Einkaufsmanagerindizes deuten auf eine fortgesetzte Erholung. Allerdings stellt der neuerliche Anstieg der Infektionszahlen ein Konjunkturrisiko dar. In den USA gab es gestern gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in der letzten Woche deutlich gefallen. Chinas Exporte sind im Juli deutlich gestiegen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Wirtschaft der kleinen Euro-Länder in Q2 scheinbar weniger stark eingebrochen

Die Corona-Krise war für die Länder des Euroraums ein Schlag in die Magengrube. Das Bruttoinlandsprodukt brach in Spanien im zweiten Quartal um 18% gegenüber dem Vorquartal ein (Grafik 1). Frankreich hat es mit einem Minus von 14% kaum weniger hart getroffen. Auch Italien und Belgien verzeichneten – ähnlich dem Durchschnitt des Euroraums – ein Minus von rund 12%. Die aufmunternde Nachricht ist indes: Wenn – mit Ausnahme Deutschlands – die größten Länder des Euroraums einen stärkeren Wirtschaftseinbruch erlitten als der Durchschnitt des Euroraums, müssen viele kleine Länder einen weit weniger dramatischen Rückgang der Wirtschaftsleistung erlebt haben. Diese Zahlen werden in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Euroraum: Einzelhandel kratzt am Vorkrisenniveau

Allerdings überdecken die quartalsweisen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts, dass sich die Wirtschaft in den meisten Ländern bereits seit April bzw. Mai reflexartig erholt hat. Beispielswiese hat laut Google-Auswertungen die Zahl der Kunden in Einzelhandelsgeschäften (ohne Lebensmittel) in Deutschland annähernd das Vor-Corona-Niveau erreicht (Grafik 2). Die Zahl der Kunden liegt noch etwa 4% unter dem Vorkrisenniveau. Mit fortschreitender Erholung nimmt allerdings deren Geschwindigkeit deutlich ab. So kratzen die Kundenzahlen in Deutschland, Frankreich und Italien bereits seit Mitte Juli am Vorkrisenniveau, ohne weiter zu steigen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Einkaufsmanagerindizes deuten auf fortgesetze Erholung der Industrie

Mittlerweile sind die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe der größten Länder des Euroraums deutlich über die 50er Marke geklettert (Grafik 3). Gleiches gilt für die PMIs für den Dienstleistungsbereich. Dies deutet grundsätzlich auf eine fortgesetzte Erholung der beiden Sektoren in diesen Ländern.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Das Risiko der zweiten Welle

Ein Risiko für die Konjunktur in den kommenden Monaten ist allerdings der neuerliche Anstieg der Corona-Infektionen, der insbesondere in Spanien bereits weit fortgeschritten ist. Sollte sich das Virus auch in den anderen Ländern wieder stärker ausbreiten, könnte Spanien – so wie bei den Kundenzahlen im Einzelhandel – den zukünftigen Trend in den anderen Ländern bereits andeuten. Wegen der seit Anfang Juli drastisch steigender Neuinfektionen verhalten sich die Menschen wieder vorsichtiger und beginnen, die Nähe zu anderen Menschen zu meiden. Auch wenn wir bei einer zweiten Infektionswelle keinen vollkommenen Lockdown wie im Frühjahr erwarten, dürften unter den dann folgenden Maßnahmen neben dem Einzelhandel noch einige weitere Branchen spürbar leiden.

Weltweite Neuinfektionen

  • Der Großteil der täglichen Neuinfektionen entfällt weiterhin auf Nord- und Lateinamerika. Glücklicherweise ist in den USA die Infektionsrate – die durchschnittlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen – mittlerweile rückläufig (Grafik 4). Auch in Brasilien scheint die Tendenz leicht nach unten zu weisen.
  • In Indien und Japan scheinen die Neuinfektionen ihren Höhepunkt erreicht zu haben. In Großbritannien haben die Neuinfektionen in den letzten Tagen wieder zugelegt; in der letzten Woche infizierten sich durchschnittlich etwa 800 Menschen pro Tag.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In Spanien steigen die täglichen Neuinfektionen weiter rasant. Die Infektionsrate liegt nun 7 überschritten (Grafik 5).
  • Aber auch in anderen Euroländern wächst die Angst vor einer zweiten Viruswelle. Deutschland meldet seit zwei Tagen wieder mehr als 1.000 Neuansteckungen pro Tag. Auch in Frankreich und den Niederlanden steigen die Fallzahlen seit Mitte Juli kontinuierlich.

USA: Positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt

  • In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der letzten Woche überraschend deutlich von 1,435 Mio auf 1,186 Mio gefallen, den niedrigsten Stand seit Mitte März. Dies ist ein positives Zeichen und deutet auf eine Erholung hin, auch wenn die Zahl noch deutlich höher ausfällt als vor der Pandemie.
  • Die Verhandlungen über ein weiteres Stimuluspaket stecken in der Sackgasse. Ob sie heute wieder aufgenommen werden, ist unklar. Präsident Trump erwägt, mit Hilfe einer Verordnung die Zahlung der erhöhten Arbeitslosenhilfe – die Ende Juli auslief – zu verlängern.
  • Neun der zehn größten Schulbezirke haben sich wegen der Sorgen über eine weitere Verbreitung des Coronavirus entschieden, nach den Sommerferien nicht mit Präsenzunterricht zu beginnen, sondern mit Online-Kursen. Nur In New York wird es eine Mischform geben.

China: Exporte im Aufwind

  • Chinas Handelszahlen für Juli waren uneinheitlich: Die Exporte waren positiv und wuchsen im Jahresvergleich um 7,2% (Konsens: -0,6%, Juni: +0,5%). Die Importe blieben mit -1,4% gegenüber dem Vorjahr (Konsens: +0,9%, Juni: +2,7%) den Erwartungen zurück, was die etwas nachlassende Dynamik der inländischen Erholung widerspiegeln dürfte.
  • Im Juli kletterten Chinas Exporte in die USA um 12,5%, dies ist die höchste Rate seit Oktober 2018. Die Importe Chinas aus den USA stiegen im Juli um 3,6%, nachdem sie im Juni um 11,3% zugelegt hatten.