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Corona-Virus Update 6. August 2020 – Fokus USA

In den USA sind gemäß der monatlichen Schätzung von ADP, einem Dienstleister für Lohnabrechnungen, im Juli kaum noch neue Stellen entstanden. Dies würde bedeuten, dass sich die Erholung deutlich verlangsamt hat. Die offiziellen Zahlen werden morgen veröffentlicht. In Deutschland wurden gestern mehr als 1.000 Neuinfektionen gemeldet, so viele wie zuletzt im Mai. In China sind die Pkw-Verkäufe im Juli um 6% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA: Verbraucher halten sich zurück

Wir haben für die USA mehrere Indikatoren ausgesucht, die quasi in Echtzeit einen Eindruck davon geben, wo die US-Wirtschaft steht.

  1. Stahlproduktion (letzter Wert 1. August)

Nach dem scharfen Einbruch der Stahlproduktion Ende März um ein Drittel ist in den letzten Wochen eine stetige Aufwärtsentwicklung sichtbar. Diese erfolgt allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus und sehr langsam. In der letzten Woche war der Anstieg zudem noch geringer als in den Vorwochen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Frachtverkehr (letzter Wert 1. August)

Die chemische Industrie ist für uns von Interesse, weil sie mit vielen anderen Branchen über Lieferbeziehungen verbunden ist. Beim Transport von Chemikalien per Bahn beobachten wir seit einigen Wochen eine Erholung. Die Zahl der Wagenladungen hat inzwischen 95% des in den letzten Jahren üblichen Niveaus erreicht.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Hypothekenanträge (letzter Wert 31. Juli)

Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch im März/April haben die Anträge auf Hypothekenkredite für den Kauf einer Wohnimmobilie im Mai/Juni kräftig angezogen. Für den starken Anstieg dürften die rückläufigen Hypothekenzinsen verantwortlich sein. Seitdem nehmen die Anträge leicht ab, wie jahreszeitlich üblich. Es gehen aber weiterhin sogar Anträge ein als in den letzten Jahren in der entsprechenden Kalenderwoche.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Reisende an Flughäfen (letzter Wert 3. August)

Der Gesamtdurchsatz von Reisenden an den Kontrollpunkten der Transportation Security Administration (TSA) lag in den letzten sieben Tagen bei durchschnittlich knapp 663 Tausend pro Tag und damit nahezu unverändert im Vergleich zum vorherigen 7-Tageszeitraum. Dem stehen Messwerte von 2-2,5 Millionen an einem typischen Tag im Jahr 2019 gegenüber. Der Flugreiseverkehr liegt gegenwärtig bei gut einem Viertel des Normalwerts.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Kundenzahl im Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen (letzter Wert 31. Juli)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) und die Freizeiteinrichtungen haben sich gemessen an der von Google ermittelten Kundenzahl spürbar erholt. Verzeichneten die Geschäfte im April zeitweise 40% – 50% weniger Kunden als in normalen Zeiten, so wurde bis Mitte Juni zwei Drittel des Einbruchs wettgemacht. Dann kam der Aufwärtstrend allerdings zum Stillstand, weil die Infektionszahlen wieder stiegen und die Behörden deshalb die Lockerungen von Maßnahmen gegen die Pandemie teilweise wieder zurückgenommen haben.

Nach dem Einbruch im April hat die US-Wirtschaft im Mai und im Juni wieder deutlich zugelegt. In den letzten Wochen hat die Mobilität allerdings nicht mehr zugenommen. Hier wirkt sich wohl aus, dass in einigen Bundesstaaten vor allem im Süden und Westen die Infektionszahlen wieder gestiegen sind. Entsprechend haben die Behörden dort manche Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie wieder zurückgenommen, zudem dürften sich auch viele Verbraucher inzwischen wieder von sich aus mit Aktivitäten zurückhalten.

Inwieweit sich dies im Ausgabeverhalten niederschlägt, muss allerdings abgewartet werden. So sind etwa im Juli 11% mehr Neuwagen gekauft worden als im Vormonat. Der Anstieg war damit sogar stärker als im Juni. Mehr Klarheit über den Kurs der Wirtschaft könnte am Freitag der Arbeitsmarktbericht für Juli bringen.

Ein Indiz für eine Verlangsamung des Aufschwungs bot dabei die gestern veröffentlichte Indikation von ADP, einem Dienstleister für Lohnabrechnungen, für den Beschäftigungsanstieg im Juli. ADP schätzt nur ein Stellenplus von 167 Tsd im privaten Sektor, nachdem im Juni dort noch 4,8 Mio Stellen entstanden waren. Allerdings lagen die ADP-Schätzungen in den letzten beiden Monaten um mehr als 2 Mio bzw. 5 Mio zu tief.

Weltweite Neuinfektionen

  • Das Coronavirus hat die Welt weiter fest im Griff. In den USA ist die Infektionsrate – die durchschnittlichen Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen je 100.000 Einwohner – seit zwei Wochen leicht rückläufig, wenn auch weiter auf einem hohen Level mit durchschnittlich circa 60.000 Neuinfektionen pro Tag. In Brasilien steigen die Neuinfektionen aktuell ebenfalls nicht weiter. Im Vereinigten Königreich wurden zuletzt wieder steigende Fallzahlen vermeldet, während die Neuinfektionen in Russland weiter kontinuierlich fallen.
  • Spanien kriegt das Virus weiter nicht unter Kontrolle. In den letzten 7 Tagen wurden hier im Durchschnitt über 3.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Die Infektionsrate – die durchschnittlichen Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen je 100.000 Einwohner – liegt mittlerweile bei fast 7, während sie noch vor drei Wochen bei 1,5 lag.
  • Auch Frankreich und Deutschland melden weiterhin steigende Neuinfektionen. In Frankreich liegt die Infektionsrate nun fast bei 2, in Deutschland liegt sie aktuell wieder bei circa 0,9. In Italien verharren die Fallzahlen dagegen auf einem konstant niedrigen Niveau. Dabei ist zu beachten, dass die gemeldeten Neuinfektionen das Infektionsgeschehen der letzten zwei Wochen darstellen und deswegen immer eine gewisse Verzögerung beinhalten.

Deutschland – Startups beantragen Hilfen von 1,7 Mrd Euro

Startups mit Corona bedingten Finanzierungsproblemen können laut Bundesregierung ab sofort Hilfen bekommen. Dafür steht ein Hilfspaket in Höhe von 2 Mrd Euro zur Verfügung, das in zwei Säulen aufgeteilt ist: Größere Startups soll vermittels Wagniskapitalgeber geholfen werden. Die entsprechenden Fonds erhalten für diesen Zweck zusätzliche öffentliche Mittel. Kleinere Startups – bis 75 Mio Umsatz -, die keinen Zugang zu Wagniskapitalfonds haben, können über Förderinstitute der Bundesländer bis zu 800.000 Euro pro Unternehmen erhalten. Laut Wirtschaftsministerium liegen aus beiden Säulen Anträge in Höhe von 1,7 Mrd Euro vor. Davon entfallen 1,1 Mrd Euro auf die größeren Neugründungen und rund 630 Mrd Euro auf kleinere Startups.

China – Mehr Aufmerksamkeit für das Risikomanagement

  • Nach Zahlen des Aubomobilverbands CPCA dürften die Pkw-Verkäufe in China im Juli um 6% gestiegen sein, nachdem diese im Juni noch um 6% gefallen waren.
  • Die ersten staatliche Corona-Hilfsprogramme werden beendet. Aufsichtsbehörden haben ausländischen Banken in Shanghai mitgeteilt, dass sie die Kreditzahlungen der KMU nicht verlängern müssen. Das Programm zur Kreditverlängerung ist Teil des Entlastungspakets, das von chinesischen Politikern wegen des Virusausbruchs geschnürt wurde. Da das Virus jedoch weitgehend eingedämmt wurde und die wirtschaftlichen Aktivitäten allmählich wieder zurückkehren, haben die Behörden ihr Augenmerk auf das Risikomanagement gerichtet. Die Befreiung ausländischer Banken von der Krediterleichterung für KMU spiegelt den politischen Wandel wider.