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Corona-Virus Update 6. April 2020

Weltweit ist die Zahl der Neuinfektionen über das Wochenende weiter deutlich gestiegen. Brennpunkt bleiben die USA. In der EU wird fleißig an Hilfspaketen gearbeitet. Ein “Europäischer Fonds” etwa soll 1.500 Mrd Euro mobilisieren. Deutschland stellt ein Konjunkturprogramm von zusätztlichen 50 Mrd Euro in Aussicht. Singapur schließt Schulen und Betriebe bis 4. Mai. Japan wird morgen den Ausnahmezustand ausrufen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Weltweit ist die Zahl der Neuinfektionen über das Wochenende weiter deutlich gestiegen. Brenntpunkt sind die USA, wo die Neuinfektionen weiter in die Höhe schnellen. Es gibt zunehmend aber auch positive Nachrichten.
  • In China und Südkorea ist die Epidemie weiterhin unter Kontrolle.
  • In Italien und Spanien fällt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen. In Deutschland steigt der 7-Tage-Durchschnitt zwar noch leicht. Doch hier ist zu berücksichtigen, dass die Testumfänge zuletzt von 350.000 auf 500.000 erhöht wurden. Und wer mehr testet, findet auch mehr Neuinfizierte.
  • Inzwischen mahnen auch immer mehr Statistiker, dass die Faktenlage zur Epidemie in Deutschland sehr dünn ist. Inzwischen werden erste repräsentative Querschnittsstudien durchgeführt. Im besonders stark vom Virus betroffenen Landkreis Heinsberg untersucht der Virologe Hendrik Streeck, wie sich das Virus im Detail ausbreitet. In München ist am Sonntag ein neues Projekt gestartet: Wissenschaftler wollen dort Menschen in 3.000 Haushalten auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 testen.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutschland – und noch ein Konjunkturpaket

  • Die Nachfrage von Unternehmen nach Corona-Krediten der staatlichen Förderbank KfW ist weiterhin ungebrochen hoch. Laut Bundeswirtschaftsministerium wurden bis Donnerstag rund 3.200 Anträge mit einem Volumen von etwa 11 Milliarden Euro gestellt. Bisher seien etwa 2.700 Anträge mit einer Gesamthöhe von etwa 960 Millionen Euro zugesagt worden. Davon seien wiederum ungefähr 750 Millionen Euro an mittelständische deutsche Unternehmen gegangen. Das Ministerium betont: „Das heißt, das Programm kommt im Mittelstand auch an.“ Seit dem 23. März können Firmen Mittel aus dem KfW-Sonderprogramm von ihrer Hausbank beantragen.
  • Ein Expertenteam aus Medizinern, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern wie dem Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat unter dem Titel “Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten” Empfehlungen für eine Exit-Strategie aus dem Shutdown entwickelt. Kern dieser Strategie ist eine Corona-Taskforce, in der Experten laufend Empfehlungen geben, die politische Entscheidungsfindung vorbereiten und deren Umsetzung begleiten. Die Aufgabe der Taskforce soll sein, die Maßnahmen für einen effektiven Gesundheitsschutz mit einer graduellen Lockerung von Beschränkungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld zu verbinden.
  • Bundesfinanzminister Scholz plant nach Spiegel-Informationen für die Zeit nach der Corona-Epidemie ein Konjunkturpaket von fast 50 Mrd Euro, um in der “Phase zwei” die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dafür will er auf die Asylrücklage des Bundes zurückgreifen. Dieses Geld wurde zur Bewältigung einer sich verschärfenden Flüchtlingskrise zur Seite gelegt und ist bislang unangetastet geblieben. Mit dem Geld will Scholz staatliche Investitionen hochfahren. Mit Maßnahmen wie Investitionszulagen oder Abschreibungsvergünstigungen sollen auch private Investitionen angeregt werden. Vor zwei Wochen haben Bundestag und Bundesrat bereits einen Nachtragshaushalt von 156 Mrd Euro beschlossen, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern.
  • Corona-Prämien werden von der Steuer befreit. Einige Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter in der Corona-Krise für ihren Einsatz mit Bonuszahlungen belohnen, die normalerweise versteuert werden. Nun gibt es eine Ausnahmeregelung. Beschäftigte müssen auf Prämien von ihrem Arbeitgerber wegen der Corona-Krise keine Steuern zahlen. Das gelte für Sonderzahlungen und Sachleistungen bis zu 1.500 Euro, teilte das Finanzministerium mit.
  • Laut einer DIHK-Umfrage sehen sich in der Reisebranche und im Gastgewerbe rund 40% der Betriebe von Insolvenz bedroht. Etwa zwei Drittel können wegen fehlender Aufträge aktuell Mitarbeiter nicht mehr wie bislang beschäftigen. Die Bundesregierung will deshalb Veranstalter von Pauschal- und Flugreisen von der Rückerstattungspflicht bis Ende 2021 entbinden und die Entschädigung mit Gutscheinen erlauben. Dafür braucht sie die Zustimmung der EU-Kommission, die aber am Anspruch auf Kostenerstattung wegen der Corona-Pandemie fest. Für den Veranstaltungssektor kann die Bundesregierung allerdings alleine entscheiden. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag sieht vor, für wegen der Corona-Krise ausgefallene Konzerte oder Fußballspiele sollen Verbraucher Gutscheine erhalten.
  • Die Lufthansa verhandelt mit dem Bund über eine Staatsbeteiligung. Wegen der Pandemie kann der Lufthansa-Konzern derzeit nur noch rund fünf Prozent seiner Kapazitäten nutzen und hatte angekündigt, zwei Drittel seiner weltweit 135.000 Beschäftigen in Kurzarbeit schicken zu wollen. Bundestag und Bundesrat hatten einen Stabilisierungsfonds beschlossen, der im Notfall auch eine vorübergehende Beteiligung des Staates an strategisch wichtigen Unternehmen vorsieht. Der Touristikkonzern TUI hat bereits 1,8 Mrd Euro staatliche Hilfskredite zugesagt bekommen. Beim Ferienflieger Condor stehen weitere Staatskredite zur Debatte, wenn sich die geplante Übernahme durch die polnische Lot-Mutter PGL verzögern oder zerschlagen sollte.
  • Auch am Boden stehen die Räder still. Die Wartezeiten für Lkw sind an vielen Grenzen deutlich gestiegen (Grafik 2). Die beeinträchtigt die Lieferketten massiv.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Die EU will viel Geld mobilisieren

In einem gemeinsamen Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fordern der EU-Binnenmarkts-Kommissar Thierry Breton und der für Wirtschaft zuständige EU-Kommissar Paolo Gentiloni eine “Vierte Europäische Säule”, um die Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus zu finanzieren. “Sinnvoll wäre ein Europäischer Fonds, der Anleihen ausgeben kann.” Eine Überschlagsrechnung deutet dessen Volumen an: Wenn Deutschland im Kampf gegen die Corona-Krise 356 Mrd Euro (10% des Bruttoinlandsprodukts) aufbringen will, könnte der Finanzierungsbedarf in der gesamten Europäischen Union – ebenfalls 10% des Bruttoinlandsprodukts zugrunde gelegt – in einer Größenordnung zwischen 1.500 und 1.600 Mrd Euro liegen. Dieses Volumen könne nicht aus bestehenden Instrumenten aufgebracht werden. Möglich wäre dies hingegen mit einem neuen Europäischen Fonds, dessen explizite Funktion die Ausgabe langfristiger Anleihen wäre und der unter anderem mit Steuergeldern gespeist werden könnte.

Bereits vergangene Woche war der Streit über ein gesamtschuldnerisches Instrument wie Eurobonds oder Corona-Bonds nahezu eskaliert. Länder wie die Niederlande, Österreich und Deutschland lehnen diese weiterhin ab und versuchen mit anderen Instrumenten gemeinsame Schulden zu vermeiden:

  • Nach einem Vorschlag der Niederlande sollten wohlhabendere Länder für andere Mitgliedstaaten einen Spendenfonds einrichten, dessen Ausschüttungen die Empfänger nicht zurückzahlen müssen. Dieser “Covid-Notfall-Fonds” könnte 10 bis 20 Mrd Euro umfassen; jeder Mitgliedstaat solle entsprechend seiner Wirtschaftsleistung beitragen.
  • Die Bundesregierung befürwortet den Einsatz des Euro-Rettungsschirms ESM. Er soll mehr als 200 Mrd Euro bereitstellen, so dass Länder im Notfall kurzfristige Kredite in Höhe von 2% ihrer Wirtschaftleistung abrufen können. Der ESM selbst hat außerdem vorgeschlagen, neben diesen vorsorglichen Kreditlinen (ECCL) ein neues “Instrument für schnelle Liquidität” zu schaffen. Dafür könnten etwa weitere 80 Mrd Euro bereitgestellt werden.
  • Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat bereits Kreditlinien in zugunsten von kleinen und mittelständischen Unternehmen eingerichtet, die insgesamt 40 Mrd Euro an Unterstützung mobilisieren sollen.
  • Außerdem gibt es Pläne für einen “Pan-europäischen Garantiefonds”, der offen sein soll für betroffene Unternehmen jeder Größe. Er soll ein Volumen von 25 Mrd Euro haben, und die EIB-Mitglieder sollen sich daran gemäß ihrem Anteil am Kapital der Bank beteiligen. Durch Hebelungen und Garantien soll der Fonds bis zu 200 Mrd Euro mobilisieren.
  • Zudem will die EU-Kommission neben vielen kleinen Maßnahmen 100 Mrd Euro an den Märkten aufnehmen, um eine europäisches Kurzarbeitergeld zu finanzieren. Die Staaten sollen für diese Kredite Garantien geben, aber nicht gesamtschuldnerisch haften.

All diese Vorschläge stehen vor den Beratungen der Euro-Finanzminister am Dienstag im Raum. Diese sollen bis zum 9. April ein Konzept erarbeiten, das dann die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder diskutieren wollen.

USA – Die “härteste Woche”

  • Präsident Trump hat die Amerikaner vor der “härtesten” Woche gewarnt, die jetzt bevorstünde. Aufgrund der stark steigenden Fallzahlen sei mit zahlreichen Toten zu rechnen.
  • Die Diskussion um ein viertes Hilfspaket geht weiter. Die Demokraten im Repräsentantenhaus treiben dies voran, allerdings stehen die Republikaner im Senat noch auf der Bremse. Präsident Trump kann sich, eigenen Aussagen zufolge, durchaus mit dem Konzept weiterer Direktzahlungen an die privaten Haushalte anfreunden.
  • Das Hilfsprogramm für kleinere Unternehmen hat Startschwierigkeiten. Die Banken haben Schwierigkeiten mit der Bearbeitung der zahlreichen Anträge, und das Online-Portal der zuständigen “Small Business Administration” ist überlastet.

China – Gemischte Hafen-Daten

  • Der Hafen von Ningbo, der weltweit größte Hafenumschlagplatz, meldete im März einen Rückgang des Containerumschlags um 2,5% im Jahresvergleich. Im ersten Quartal ging der Containerumschlag um 8,0% zurück. Der gesamte Hafenbetrieb ging im März und im ersten Quartal jedoch um 9,2% bzw. 5,6% im Jahresvergleich zurück.
  • Singapur wird vom 7. April bis zum 4. Mai Schulen und die meisten Betriebsstätten schließen. Die Regierung bezeichnete den jüngsten Schritt als “Unterbrechung des Stromkreises”.
  • Japan wird morgen den Ausnahmezustand ausrufen, da die Zahl der Infektionen in der Hauptstadt Tokio die 1.000er-Marke überschritten hat.