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Corona-Virus Update 5. August 2020

In den größten Euro-Ländern, ausgenommen Italien, steigen die Neuinfektionen stetig. Deutschland erlaubt wieder Reisen in vier türkische Urlaubsregionen; in puncto Mehrwertsteuersenkung freut sich bisher nur die Möbelbranche über eine höhere Nachfrage. Laut einer Studie des Roten Kreuzes haben sich in Italien sechs Mal so viele Menschen mit Corona infiziert, als bisher angenommen. In den USA haben sich das Weiße Haus und die Demokraten eine Frist bis Ende der Woche gesetzt für eine Einigung auf ein neues Corona-Hilfspaket. In China lagen die Autoverkäufe im Juli 15% über Vorjahresniveau.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Das Coronavirus hat die Welt weiter fest im Griff. Ein Großteil der täglichen Neuinfektionen entfällt dabei weiterhin auf Nord- und Lateinamerika. In den USA ist die Infektionsrate – durchschnittliche Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen je 100.000 Einwohner – aber seit etwa drei Wochen auf einem konstanten – wenn auch hohen- Niveau und war zuletzt sogar leicht rückläufig (Grafik 1). Auch in Brasilien scheinen die täglichen Neuinfektionen leicht zu sinken. In Teilen Asiens breitet sich das Virus dagegen verstärkt aus: Indien vermeldete in der letzten Woche durchschnittlich mehr als 50.000 Neuinfektionen pro Tag und auch in Japan stiegen die Fallzahlen zuletzt deutlich.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In der EU herrscht die Angst vor einer umfassenden zweiten Welle. Vor allem in Spanien breitet sich das Coronavirus weiter aus (Grafik 2). Hier wurden in der letzten Woche durchschnittlich etwa 2.600 Neuinfektionen pro Tag gemeldet.
  • Aber das Virus ist auch in andere EU Staaten zurückgekehrt: In Frankreich und Deutschland sind die Neuinfektionen zuletzt wieder gestiegen. Auch Belgien vermeldete in der letzten Woche wieder deutlich erhöhte Infektionsraten. In Italien verharren die Neuinfektionen dagegen weiter auf einem niedrigen Niveau.

Deutschland: Reisen in türkische Regionen erlaubt

  • Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für die Provinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla aufgehoben. Bei den vier Regionen handelt es sich um beliebte Urlaubsziele an der Westküste. Die Reisewarnung wurde unter der Bedingung aufgehoben, dass die Touristen sich strikt an die von der türkischen Regierung verfügten Hygieneregeln halten und sich in der Türkei innerhalb von 48 Stunden vor der Rückreise zu Selbstkosten testen lassen. Bis gestern zählte die Türkei zu den etwa 160 Ländern außerhalb der EU und des Schengen-Raums, für die das Auswärtige Amt eine Reisewarnung bis zum 31. August aussprach.
  • Bei der Mehrwertsteuersenkung gab es offensichtlich viele Mitnahmeeffekte. Von 1. Juli bis Jahresende ist der reguläre Steuersatz von 19% auf 16% gesenkt, der verminderte Mehrwertsteuersatz von 7% auf 5%. Nach der Inflationsrate von Juli zu urteilen wurden etwa 2/3 der Steuersenkung an die Verbraucher weitergegeben. Das verbleibende Drittel hat die Steuersenkung offenbar genutzt, um die Corona bedingten Gewinneinbußen zumindest zu einem kleinen Teil abzufedern. Gleichzeitig bewerten laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) nur 13% der Unternehmen (ohne Lebensmittelhandel) die Steuersenkung als wirksame Konjunkturmaßnahme. Im Modehandel sei die Steuersenkung verpufft, weil die Senkung um 3 Prozentpunkte bei den üblichen hohen Rabatten in dieser Jahreszeit kaum wahrgenommen werde. Nur bei der Möbelindustrie mache sich laut Verband (VDM) eine höhere Nachfrage schon seit Juni bemerkbar. Der Handelsverband Technik (BVT) habe noch keine gesicherten Informationen über die Effekte der Mehrwertsteuersenkung in der Branche.

Italien: Viel mehr Infizierte als bisher angenommen

Laut einer umfassenden Studie könnten sich in Italien rund sechs Mal so viele Menschen mit dem Covid-19-Virus infiziert haben, als bisher angenommen. Im Rahmen der Studie des Roten Kreuzes wurden zwischen Mitte Mai und Mitte Juni 65.000 Personen repräsentativ ausgewählt und getestet. Im Landesdurchschnitt wurden bei 2,5% der Probanden Antikörper festgestellt, also bei rund 1,5 Mio der 60 Mio Einwohner. Nach offiziellen Zahlen der Gesundheitsbehörden wurden bisher rund 250.000 Infizierte gemeldet. Die hohe Dunkelziffer liegt daran, dass viele keine oder keine starken Symptome zeigen.

USA – Hilfspaket noch in dieser Woche?

  • Gemäß Finanzminister Steven Mnuchin wollen sich das Weiße Haus und die Demokraten noch in dieser Woche auf ein weiteres Corona-Hilfspaket einigen. Eine Abstimmung könnte dann nächste Woche stattfinden. Beide Seiten haben wohl Zugeständnisse gemacht, allerdings ist man bei einigen wichtigen Themen wohl noch weit auseinander.
  • Der BIP-Tracker der Atlanta Fed deutet für das dritte Quartal auf ein Wachstum von auf Jahresrate hochgerechnet 19,6% gegenüber dem zweiten Quartal hin. Allerdings wäre der Einbruch im zweiten Quartal (-32,9%) damit bei weitem nicht ausgeglichen.

China: Fahrzeugverkauf verbessert sich weiter

  • Die vorläufige Prognose des Automobilverbandes CAAM zeigt, dass die Fahrzeugverkäufe im Juli im Jahresvergleich um 14,9% gestiegen sind (Juni: 11,8%). Einerseits haben sich die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder weitgehend von dem Corona-Schock erholt. Andererseits trägt auch die niedrige Basis im letzten Jahr dazu bei, dass das Wachstum im Jahresvergleich höher ausfällt. Im Einzelnen stiegen die Verkäufe von Personenkraftwagen um 5,3%, während die Verkäufe von Nutzfahrzeugen um 59,6% zulegten. Die ungleiche Entwicklung deutet darauf hin, dass die Nachfrage der Haushalte nach wie vor schwächelt ist, während die Infrastrukturausgaben den Verkauf von Nutzfahrzeugen, wie z.B. schweren Lastkraftwagen, angekurbelt haben.
  • Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsbranche, die von der privaten Agentur Caixin erhoben wird, lag im Juli bei 54,3. Dies ist zwar niedriger als im Juni (58,4), aber immer noch deutlich im expansiven Bereich. Damit dürfte sich die Erholung des Dienstleistungssektors fortsetzen.