Top Charts

Corona-Virus Update 4. Juni 2020 – Fokus USA

Die US-Wirtschaft hat sich nach dem Absturz im April auf niedrigem Niveau stabilisiert. In einigen von der Krise besonders betroffenen Dienstleistungsbranchen zeigen unsere Echtzeit-Indikatoren sogar wieder nach oben. In Deutschland haben die Spizten der Regierungsparteien ein Konjunkturpaket von 130 Mrd Euro geschnürt. Der EZB-Rat dürfte bei seiner heutigen Sitzung den Umfang des Corona-Krisen-Notfallkaufprogramms (PEPP) um 500 Mrd Euro aufstocken. In China haben sich die Autoverkäufe deutlich erholt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA: Weiterhin Stabilisierung auf niedrigem Niveau

Wir haben für die USA mehrere Indikatoren ausgesucht, die quasi in Echtzeit einen Eindruck davon geben, wo die US-Wirtschaft steht.

  1. Stahlproduktion (letzter Wert 30. Mai)

Nach dem scharfen Einbruch der Stahlproduktion Ende März um ein Drittel tendiert sie seit einem Monat seitwärts.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Frachtverkehr (letzter Wert 30. Mai)

Beim Transport von Chemikalien per Bahn zeichnete sich eine gewisse Stabilisierung auf niedrigem Niveau ab, bevor es letzte Woche erneut nach unten ging. Allerdings kam es in den letzten Jahren üblicherweise zu einem Rückgang in der letzten Maiwoche. Grund ist der Feiertag Memorial Day am letzten Montag im Mai. Es könnte sich daher um einen Sonderffekt handeln.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Hypothekenanträge (letzter Wert 29. Mai)

Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch im März/April hatten die Anträge auf Hypothekenkredite für den Kauf einer Wohnimmobilie sechs Wochen hintereinander wieder zugenommen, bis es in der letzten Woche erstmals wieder einen Rückschlag gab. Dieser dürfte aber eher dem Feiertag Memorial Day geschuldet sein.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Reisende an Flughäfen (letzter Wert 02. Juni)

Der Gesamtdurchsatz von Reisenden an den Kontrollpunkten der Transportation Security Administration (TSA) lag in den letzten Tagen bei ungefähr 300 Tausend pro Tag. Dem stehen Messwerte von 2-2,5 Millionen an einem typischen Tag im Jahr 2019 gegenüber. In den letzten Tagen hat der Flugreiseverkehr nicht zugenommen und liegt weiterhin bei rund 11-12% des Normalwerts.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Kundenzahl im Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen (letzter Wert 25. Mai)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) und die Freizeiteinrichtungen haben sich gemessen an der von Google ermittelten Kundenzahl spürbar erholt. Verzeichneten die Geschäfte im April zeitweise 40% – 50% weniger Kunden als in normalen Zeiten, so wurde inzwischen etwa die Hälfte des Einbruchs wettgemacht.

Insgesamt deutet vieles auf eine Stabilisierung der US-Wirtschaft auf niedrigem Niveau im Mai hin, nachdem die Kontaktbeschränkungen inzwischen vielerorts wieder gelockert wurden. In einigen besonders betroffenen Dienstleistungsbranchen zeichnet sich sogar eine Erholung ab.

Weltweite Neuinfektionen

  • In Brasilien nimmt das Infektionsgeschehen noch immer zu. In den letzten 7 Tagen wurden durchschnittlich knapp 23.500 Neuinfektionen gemeldet. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind dies 11,2 Fälle.
  • In den USA und Russland sinkt seit einer Woche die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen nicht weiter. Noch immer stecken sich in beiden Ländern täglich mehr als 6 Personen je 100.000 Einwohner neu mit dem Virus an.
  • In der EU lässt das Infektionsgeschehen weiter nach. Inzwischen meldet auch Italien nur noch durchschnittlich 0,64 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. In Deutschland und Frankreich liegt der Wert bei 0,5.

Deutschland – Das Konjunkturpaket steht

  • Am späten Mittwochabend haben sich die Spitzen der Koalitionsparteien nach zweitägigen Verhandlungen auf ein Konjunkturpaket für die Jahre 2020 und 2021 im Umfang von 130 Mrd Euro geeinigt. Das Paket beinhaltet unter anderem eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19% auf 16% und für den ermäßigten Satz von 7% auf 5%, dies ist allerdings zeitlich befristet und gilt vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020. Familien werden mit einem einmaligen Zuschuss von 300 Euro pro Kind gefördert. Außerdem sollen private Haushalte und Unternehmen bei den Stromkosten entlastet werden, indem die EEG-Umlage ab 2021 aus dem Bundeshaushalt bezuschusst wird und damit für die Verbraucher gesenkt werden kann. Für Zukunftsinvestitionen – gemeint sind unter anderem Investitionen in die Infrastruktur sowie in neue Brennstoffe wie Wasserstoff – sind im Konjunkturpaket 50 Mrd Euro veranschlagt. Außerdem können von der Krise besonders betroffene Branchen auf “Überbrückungshilfen” im Umfang von 25 Mrd Euro hoffen. Gefördert wird auch der Kauf von Elektroautos, hingegen sind die Kaufprämien für Pkw mit Verbrennungsmotoren vom Tisch.
  • Die Sparquote der deutschen Haushalte ist laut Statistik der Bundesbank im ersten Quartal 2020 auf 16,7% gesprungen. Im letzten Vierteljahr 2019 haben die Haushalte noch 9,7% ihres verfügbaren Einkommens zur Seite gelegt. Wir gehen davon aus, dass die Sparquote im zweiten Vierteljahr 2020 auf 20% steigen könnte. Grund dafür ist eine Kombination aus Zwangssparen und Vorsichtssparen: Zum Einen zwingen die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie die Verbraucher zum Sparen, denn gewisse Güter wie Reisen oder Restaurantbesuche konnten nicht gekauft werden und sind derzeit nur eingeschränkt möglich. Zum Anderen legen Haushalte aus Gründen der Vorsicht vor einer unsicheren Zukunft auf die hohe Kante. Im zweiten Halbjahr dürften die Menschen den krisenbedingt ausgefallenen Konsum teilweise nachholen, so dass sich die Sparquote wieder normalisieren dürfte.

EZB-Ratssitzung mit deutlich mehr PEPP

Bei seiner heutigen Sitzung dürfte der EZB-Rat den Umfang des PEPP-Notfallkaufprogramms um 500 Mrd Euro aufstocken. Im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), das im März beschlossen wurde, stehen der EZB bislang 750 Mrd Euro für den Ankauf von Anleihen öffentlicher und privater Schuldner zur Verfügung. Von diesem Volumen ist allerdings ein knappes Drittel bereits aufgebraucht. Darüber hinaus können wir uns weitere geldpolitische Anpassungen bei der heutigen Ratssitzung vorstellen.

China: Allseits deutliche Erholung

  • Nach Angaben des chinesischen Pkw-Verbandes (CPCA) stagnierten die Pkw-Verkäufe im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die vom chinesischen Automobilherstellerverband CAAM (China Association of Automobile Manufacturers) veröffentlichten Daten zeigten am Dienstag, dass die Fahrzeugverkäufe im Mai im Jahresvergleich um 11,7% gestiegen sind. Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen besteht darin, dass sich die Fahrzeugverkäufe des CAAM auf das Verkaufsvolumen von Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen beziehen.
  • Die wichtigsten Häfen berichteten von einer deutlichen Verbesserung des Durchsatzes in den letzten zehn Tagen des Mai. Der Containerumschlag in den Häfen hat sich auf 98% des Vorjahresniveaus erholt. Die Rohöl- und Eisenerzeinfuhren sind weiterhin stark.