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Corona-Virus Update 3. Juni 2020

In Deutschland konnten sich die Spitzen der Koalitionsparteien gestern nicht auf ein Konjunkturpaket einigen, die Verhandlungen werden heute nach der Kabinettssitzung fortgeführt. In den USA dürfte das Notkreditprogramm der Federal Reserve für mittlere Unternehmen in dieser Woche an den Start gehen und das Weiße Haus diskutiert intern die Optionen für ein weiteres Hilfspaket. Die Autoverkäufe in China erholen sich kräftig, auch der Dienstleistungssektor ist auf dem Weg der Gesundung.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • In Südamerika bereitet sich das Virus noch immer aus. Brasilien meldete in den letzten 7 Tagen im Durchschnitt knapp 22.000 Neuinfektionen, dies entspricht mehr als 10 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner (Grafik 1).
  • Auch in den USA und Russland ist das Infektionsgeschehen weiterhin hoch. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen geht nur langsam zurück.
  • In der EU ist das Virus weitgehend unter Kontrolle. Deutschland und Frankreich melden unverändert 0,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner (Grafik 2). In Italien sind es noch 0,7. Die Werte von Spanien sind durch Nachmeldungen verzerrt.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutschland ringt um Konjunkturpaket

Die Spitzen der Regierungsparteien kamen gestern bei den Verhandlungen über ein Konjunkturpaket zu keinem finalen Ergebnis. Heute werden die Beratungen nach der Kabinettssitzung fortgesetzt. Das Konjunkturpaket soll die Wirtschaft nach dem Einbruch durch die Corona-Pandemie stimuieren. Dazu soll die Nachfrageseite gestärkt werden. Es zeichnet sich ab, dass das Paket Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur sowie Anreize für Forschung und Innovationen beinhalten soll. Außerdem können Unternehmen auf Steuerentlastungen hoffen. Quellen zufolge dürfte das Konjunkturpaket ein Volumen von 80 bis 100 Mrd Euro umfassen. Finanziert wird dies größtenteil vom Bund, aber auch die Länder werde einen Teil dazu beisteuern müssen.

USA – Fed kämpft mit Umsetzung der Kreditprogramme

  • Das Notkreditprogramm der Fed für mittlere Unternehmen (“Main Street Lending Program”) dürfte in dieser Woche nach zweimonatiger Anlaufphase wohl in Betrieb gehen. Neben dieser langen Anlaufphase kritisieren Unternehmen die in ihren Augen zu hohen Zinsen und zu kurzen Laufzeiten der über diese Fazilität vergebenen Kredite. Zudem müssen Unternehmen, die das Programm in Anspruch nehmen, mit Begrenzungen von Gewinnausschüttungen und der Bezahlung ihrer Vorstände rechnen.
  • Illinois – dessen Haushaltslage besonders kritisch ist – ist der erste Bundesstaat, der Mittel von der Kreditfazilität der Fed bekommt. Illinois nimmt 1,2 Mrd Dollar an Krediten auf und zahlt dafür einen Zins von 3,82%. Dies liegt rund einen Prozentpunkt unter der Rate, die Illinois bei der letzten Anleiheemission bieten musste.
  • Das Weiße Haus diskutiert intern die Optionen für ein weiteres Hilfspaket, das aber wohl nicht vor Juli umgesetzt werden dürfte. Die Republikaner wollen Medienberichten zufolge den Umfang dieses Pakets auf 1 Billion Dollar begrenzen, deutlich weniger als die 3 Billionen Dollar, die das von den Demokraten vorgelegte Paket umfasst.
  • Der US-Autoabsatz stieg von 8,6 Millionen (Jahresrate) im April auf 12,2 Millionen im Mai. Dieser Anstieg lag über den Erwartungen, aber der Absatz liegt immer noch unter den Vorkrisenniveaus von rund 17 Millionen Einheiten.
  • ADP, ein Dienstleister für Lohnbuchhaltung, legt heute seine Schätzung für die Entwicklung der Beschäftigung im privaten Sektor vor. Diese dürfte für den Mai einen weiteren Jobabbau in der Größenordnung von 10 Millionen anzeigen (im April belief sich das Minus auf 20 Millionen).
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China: Autoverkäufe erholten sich kräftig

  • Nach Schätzungen des Chinesischen Verbandes der Automobilhersteller dürften die Autoverkäufe im Mai mehr als 10% gegenüber dem Vorjahr zugelegt haben, nachdem diese bereits im April um 4,4% gestiegen waren (Grafik 3). Diese beiden Monatszuwächse in Folge begründen die Hoffnung auf eine Erholung des größten Automobilmarktes der Welt.
  • Der Caixin-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor ist im Mai von 44,4 auf 55,0 gesprungen. Bislang bewegt sich die chinesische Wirtschaft in mehreren Geschwindigkeiten: Die Industrie ist bei der Erholung weiter vorangeschritten als der Dienstleistungssektor, ebenso erholen sich die staatlichen Unternehmen besser als die privaten. Da der Caixin-Einkaufsmanagerindex auf die privaten Firmen abstellt, deutet der Anstieg darauf, dass nun auch die Erholung der privaten Firmen einerseits und die Dienstleistungsbranche andererseits Fahrt aufnimmt.