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Corona-Virus Update 29. Mai 2020 – Fokus Euroraum

Frankreichs Wirtschaft könnte im zweiten Quartal nach Einschätzung des Statistikamtes um 20% gegenüber dem ersten Quartal schrumpfen. Demgegenüber zeigen unsere Echtzeit-Indikatoren, dass sich Italien auf bestem Wege der Erholung befindet. In Deutschland hat der Bundestag Hilfen für Eltern, Gastronomie und Kurzarbeiter beschlossen. In den USA haben Unternehmen künftig einen leichteren den Zugang zu den Notkrediten.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Frankreich: Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal massiv schrumpfen

In Frankreich könnte die Wirtschaft im zweiten Vierteljahr nach Einschätzung von INSEE um 20% gegenüber dem ersten Quartal schrumpfen. Tatsächlich deutet der Stromverbrauch darauf hin, dass große Teile der französischen Wirtschaft noch immer stillstehen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Dennoch scheint langsam wieder Bewegung am Arbeitsmarkt zu sein. Die Unternehmen suchen wieder Arbeitskräfte. Die Online-Jobangebote haben fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Auch das öffentliche Leben erwacht langsam. Der öffentliche Nahverkehr in Paris wird wieder stärker genutzt. Von Normalität kann aber noch keine Rede sein.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Italien: Ein Gutteil des Weges ist geschafft

Seit Anfang Mai lockert die Regierung schrittweise die Anti-Corona-Maßnahmen. Das wirtschaftliche und soziale Leben sind auf bestem Wege zur Normalisierung, wie unsere Echtzeit-Indikatoren belegen:

  1. Einzelhandel hat fast die Hälfte des Einbruchs wettgemacht (letzter Wert: 21. Mai)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) verzeichnete im Lauf der vergangenen Woche (15. bis 21. Mai) – soweit sind aktuelle Zahlen verfügbar – spürbar mehr Zulauf. Die Kundenbesuche im Einzelhandel lagen zuletzt 48% unter üblichen Niveaus (Grafik 4). Vor einer Woche waren dies -61%, am Tiefpunkt Anfang April waren knapp 90% weniger Kunden in den Geschäften.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Immer mehr Menschen nutzen wieder den öffentlichen Nahverkehr (letzter Wert: 27. Mai)

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nimmt weiter Fahrt auf. In der vergangenen Woche ist die Zahl der beförderten Personen kontinuierlich gestiegen. Nach Daten der Reiseplanungs-App Moovit, die in unserer Auswertung die Nutzung der App für den ÖPNV in Rom und Mailand zeigt, lag das Passagieraufkommen zuletzt 66% unter üblichen Niveaus (Grafik 5). Dies ist eine spürbare Verbesserung gegenüber der Vorwoche, als noch 72% weniger Fahrgäste die öffentlichen Verkehrsmittel nutzten. Das gestiegene Passagieraufkommen passt zu den Zahlen, dass mittlerweile wieder mehr Menschen an ihrem Arbeitsplatz sind (zuletzt -35% im Vergleich zu normalen Zeiten, nach -42% in der vorangegangenen Woche und -70% am Tiefpunkt Anfang April). Auch der Stromverbrauch hat sich nach Angaben des staatlichen Energieversorgers Terna von seinem Tief von 70% der Normallast auf 88% erholt.

Weltweite Neuinfektionen

  • In Brasilien mehren sich die Zeichen, dass der Hochpunkt bei den Neuinfektionen erreicht ist. Seit drei Tagen steigt der 7-Tage-Durchschnitt nicht mehr.
  • In den USA und Russland ist die Tendenz bei den gemeldeten Neuinfektionen weiter leicht rückläufig.
  • In der EU ist das Virus unter Kontrolle. Es gibt nur noch wenige Neuinfektionen. Der aktuelle Rand bei Deutschland und Spanien ist durch Nachmeldungen verzerrt. Die Tendenz ist weiter leicht rückläufig.

Deutschland hilft Eltern, Kurzarbeitern und Restaurants

Der Bundestag hat Hilfen für Eltern, Gastronomie und Kurzarbeiter beschlossen. Demnach sollen berufstätige Eltern, die ihre Kinder wegen der Corona Krise zu Hause betreuen müssen, mehr Hilfe vom Staat bekommen. Der Lohnersatz soll künftig bis zu 20 Wochen gezahlt werden, anstatt der bisher sechs Wochen. Gleichzeitig wurde der Mehrwertsteuersatz auf Speisen in der Gastronomie vorübergehend von 19% auf den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7% gesenkt. Außerdem hat der Bundestag beschlossen, dass die Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld weitgehend steuerfrei bleiben.

USA – Mangelhafte Daten

  • Presseberichten zufolge frisieren einige Bundesstaaten die Daten zum Coronavirus, um die Lockerung der Beschränkungen beschleunigen zu können. So wurden Kriterien geändert, die der Einstufung einer Krankheit als Coronafall zugrundeliegen. Zudem stellt etwa ein Drittel der Staaten keine Zahlen zu den in Krankenhäuser neu aufgenommenen Patienten zur Verfügung. Die mangelhafte Konsistenz der Daten erschwert eine sachgerechte Reaktion auf die Pandemie.
  • Der wirtschaftliche Sachverständigenrat im Weißen Haus lässt in diesem Jahr die übliche im Sommer fällige Aktualisierung der Konjunkturprognosen ausfallen. Die Berater des Präsidenten erwarten zwar eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr, die Datenlage sei aber zu unsicher, um verlässliche Prognosen aufzustellen. Damit würde man nur die Öffentlichkeit verwirren.
  • Das Repräsentantenhaus hat nahezu einestimmig eine Gesetzesänderung verabschiedet, das Unternehmen den Zugang zu den Notkrediten erleichtert. Die kreditnehmenden Unternehmen haben jetzt mehr Freiheiten zur Verwendung der Mittel, die vor allem dazu vorgesehen sind, Entlassungen zu vermeiden.
  • Donald Trump hat für heute eine Pressekonferenz zum Thema China angekündigt. Aufgrund des chinesischen Vorgehens in Hongkong haben sich die bilateralen Spannungen deutlich verschärft, das Risiko eines Wiederaufflammens der Handelsstreitigkeiten wächst. Dies wäre für die Weltwirtschaft, die ohnehin unter der Coronapandemie leidet, eine zusätzliche Belastung.

China strebt positives Wachstum an

  • Der Nationale Volkskongress Chinas ist gestern zu Ende gegangen. Der chinesische Premierminister Li Keqiang sagte in der Pressekonferenz, dass das Land in diesem Jahr ein positives Wachstum verzeichnen werde, wenn die sozialen Entwicklungsziele, insbesondere das Ziel der Schaffung von Arbeitsplätzen, erreicht würden. Auf die Frage, ob das vorgeschlagene Steuerpaket ausreiche, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sagte Li, dass China in der Lage sei, weitere Impulse zu geben, wenn die Behörden dies für notwendig erachten.
  • Laut einer heute von der Amerikanischen Handelskammer in China veröffentlichten Umfrage gaben 49% der befragten Unternehmen an, dass sie 100% der Kapazität auslasten und damit 14 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Monat. Allerdings gaben 18% der Befragten an, dass sich der Betrieb nicht vor Herbst wieder normalisieren wird. Reisebeschränkungen sind nach wie vor das größte Hindernis für die in China tätigen amerikanischen Firmen.
  • Der Kohleverbrauch ist zuletzt merklich gefallen, auch wenn er sich noch auf üblichen Niveaus hält.