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Corona-Virus Update 28. Juli 2020 – Fokus Deutschland

Die Erholung in Deutschland ist weiter in vollem Gange. Unsere Echtzeitindikatoren zeigen jedoch, dass die Erholung deutlich an Tempo verloren hat. In den USA scheinen die Neuinfektionen sich zu stabilisieren, während in der EU die Angst vor einer zweiten Virus-Welle wächst.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutsche Wirtschaft: Erholung weit fortgeschritten

Die meisten unserer Echtzeitindikatoren deuten darauf, dass die Erholung in Deutschland auf einem sehr guten Weg ist. Dementsprechend hat sie einen Teil ihrer Dynamik eingebüßt:

1. Erholung im Lkw-Verkehr flacht ab (letzter Wert: 22. Juli)

Der Lkw-Verkehr in Deutschland bewegt sich weiter auf sein Vorkrisenniveau zu. Die Erholung hat in den letzten Wochen jedoch spürbar an Dynamik verloren. Aktuell liegt der Lkw-Verkehr noch knappe 3% unter dem Vor-Corona-Level.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

2. Einzelhandel hat fast Normalzustand erreicht (letzter Wert: 21. Juli)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) hat, zumindest was Kundenzahlen betrifft, nahezu seinen Normalzustand wiedererlangt. Laut der von Google protokollierten Handy-Bewegungsdaten lagen die Kundenzahlen in den Geschäften in der dritten Juli-Woche nur noch 4% unter dem Normalniveau. Dies war eine leichte Verbesserung gegenüber der Vorwoche, als sich 5% weniger Kunden in den Läden aufhielten. Auf diesem hohen Niveau geht die Erholung spürbar langsamer vonstatten, zumal auch der Online-Handel floriert.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

3. Aufwärtstrend im öffentlichen Personennahverkehr wird langsamer (letzter Wert: 26. Juli)

Der Aufwärtstrend bei den Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat sich seit Ende Juni spürbar abgeschwächt. Nach Daten der Reiseplanungs-App Moovit, die die Nutzung für den ÖPNV in sechs Städten Deutschlands beschreibt, wurden zuletzt etwa 28% weniger Personen befördert als vor Corona. Die Arbeitswelt scheint – zumindest während der Corona-Zeit – auf einen neuen Normalzustand zuzusteuern. Solange die Gefahr einer Ansteckung besteht und noch kein Impfstoff gefunden ist, werden viele in Berufen, in denen dies gut möglich ist, wohl im Homeoffice bleiben, um den Weg zur Arbeit zu vermeiden. Darauf deuten auch Daten zum Pkw-Verkehr: Die Menschen steigen nicht wesentlich auf das eigene Auto um.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

4. Deutlich mehr Restaurantbesuche als vor einem Jahr (letzter Wert: 25. Juli)

In der vergangenen Woche ist die Zahl der Restaurantbesuche erneut deutlich gestiegen, sodass sich selbst der 7-Tage-Durchschnitt nun knapp 20% über dem Vorjahresniveau befindet. Dieser Befund scheint kurios, da noch immer einige wegen des Ansteckungsrisikos Menschenansammlungen meiden. Allerdings gilt es hinsichtlich der Datenreihe einige Dinge zu berücksichtigen: Einige Restaurants haben im Außenbereich ihre Stellflächen deutlich ausgeweitet – vielerorts gestatten Behörden dies kostenlos. Außerdem basieren die Daten auf der App Open Table. Es ist vorstellbar, dass Personen, die diese App nutzen, tendenziell eher wieder Restaurants besuchen; oder mehr Personen – auch wegen des knapperen Platzangebots – mittlerweile diese App nutzen. Schließlich dürften regionale Unterschiede eine Rolle spielen. Beispielsweise scheint es in der Frankfurter Innenstadt keinen Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten zu geben. Trotz dieser Unschärfen zeigen diese Daten, dass sich das Gastgewerbe auf einem guten Weg befindet.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Das Coronavirus hat die Welt weiter fest im Griff. In Brasilien steigen die Neuinfektionen seit einigen Tagen wieder und die Infektionsrate –durchschnittliche Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen je 100.000 Einwohner – liegt nun bei circa 21 und damit wieder über der US-amerikanischen. Aus den USA kommen dagegen positive Nachrichten: Die Neuinfektionen scheinen seit einigen Tagen nicht weiter zu steigen. Auch in Russland gehen die Neuinfektionen weiter zurück.
  • In Spanien steigen die Neuinfektionen weiter deutlich. Daraufhin hat das Vereinigte Königreich bereits eine Quarantäne für aus Spanien zurückkehrende Reisende verhängt. Die Neuinfektionen in Spanien konzentrieren sich vor allem auf den Nordosten des Landes. Allerdings veröffentlicht Spanien seit drei Tagen keine aktuellen Zahlen. Auch in Frankreich steigen die Infektionszahlen wieder an und erste Lockerungen werden zurückgenommen.
  • Für Deutschland ist ebenfalls ein leichter Anstieg der Neuinfektionen zu vermelden – insgesamt befinden sich die Infektionen aber weiter auf einem niedrigen Niveau. Hierbei muss betont werden, dass die von den Behörden veröffentlichten Zahlen das Infektionsniveau von vor circa zwei Wochen darstellen. Mögliche Infektionen von Reiserückkehrern werden sich also erst mit einer Verspätung in den Daten niederschlagen.

USA – Ist der Höhepunkt der Infektionen erreicht?

  • Die Regierung sieht Anzeichen dafür, dass die Well der Neuinfektionen ihren Hochpunkt erreicht haben könnte. Zumindest sind die Zahlen in den beiden besonders betroffenen Staaten Florida und Arizona gefallen. Für Entwarnung ist es aber zu früh, da es in einigen anderen Staaten noch keinerlei Verbesserung gibt
  • Das von den Republikanern vorgelegte Hilfspaket im Umfang von 1 Billion Dollar sieht eine Kürzung der zusätzlichen Arbeitslosenhilfe von 600 Dollar pro Woche auf 200 Dollar vor. Zudem ist eine weitere Einmalzahlung von 1200 Dollar für jeden Amerikaner geplant, der weniger als 75 Tsd Dollar im Jahr verdient. Jetzt müssen sich die Republikaner allerdings noch mit den Demokraten einigen, die die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben. Bis Ende der Woche muss das Paket in trockenen Tüchern sein, da die erhöhte Arbeitslosenhilfe Ende Juli ausläuft.

China: Hongkong verbietet das Essen in Restaurants

  • Die Wohnungsverkäufe in chinesischen Großstädten haben in den letzten Wochen eine etwas nachlassende Dynamik erkennen lassen. Die Behörden haben ihre Besorgnis über eine Immobilienblase geäußert. Insgesamt möchte China mehr Kredite an die Realwirtschaft und nicht an den Immobilienmarkt vergeben.
  • Hongkong kündigte am Montag (27. Juli) weitere Restriktionen an, um einen Anstieg der Coronavirus-Fälle einzudämmen, darunter ein Verbot von Zusammenkünften von mehr als zwei Personen, ein vollständiges Verbot von Restaurantbesuchen und obligatorische Gesichtsmasken an allen öffentlichen Orten, auch im Freien. Die Maßnahmen, die ab heute in Kraft treten, sind das erste Mal, dass die Stadt das Essen in Restaurants vollständig verboten hat. Seit Ende Januar haben sich in Hongkong mehr als 2.600 Menschen infiziert, von denen 20 gestorben sind. Die Maßnahmen werden 7 Tage lang in Kraft bleiben.