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Corona-Virus Update 27. Juli 2020

In den größten Ländern der EU nehmen die Neuinfektionen zu, zum Teil sehr deutlich. Das Risiko einer zweiten Welle besteht. In Deutschland will Bundesarbeitsminister Heil den derzeit vereinfachten Zugang zu Kurzarbeit verlängern, währenddessen die Bundesagentur für Arbeit Hunderte Missbrauchsfälle prüft. In den USA befindet sich das nächste, 1 Billion Dollar schwere Hilfspaket auf der Zielgeraden.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Die Corona-Pandemie breitet sich noch immer aus. Schwerpunkte sind die USA, Brasilien und Indien. In den USA verharren die täglichen Neuinfektionen in den letzten zwei Wochen auf einem hohen Niveau. Im Durchschnitt werden in den USA pro Tag knapp 67.000 Neuinfektionen gemeldet. Dies entspricht 20 Fälle je 100.000 Einwohner (Grafik 1). In Brasilien ist die Infektionsrate in der letzten Woche weiter gestiegen und lag in den letzten Tagen durchschnittlich bei etwa 58.000 Neuinfektionen pro Tag.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In der EU wächst die Angst vor einer zweiten Infektionswelle weiter. Die Staaten fürchten sich aktuell vor rückkehrenden Reisenden aus Staaten mit höheren Infektionszahlen. In Deutschland wurde am Wochenende ein großer Infektionsausbruch in einer Unterkunft für Erntehelfer bekannt.
  • Die Infektionszahlen in Spanien sind weiter hoch bei circa 1.600 Fällen pro Tag. Damit liegt die Infektionsrate pro 100.000 Einwohner bei circa 3,5 (Grafik 2). Auch in Deutschland und Frankreich stiegen die Neuinfektionen in der letzten Woche an. In Italien verharren die Infektionszahlen dagegen auf einem niedrigen Niveau.

Deutschland: Länger vereinfachter Zugang zu Kurzarbeit

  • Bundesarbeitsminister Heil will den derzeit vereinfachten Zugang zu Kurzarbeit länger beibehalten. Darüber werde im September entschieden. Zuletzt waren 6,8 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Zudem will der Minister Anreize für Weiterbildung setzen. Diejenigen, die länger in Kurzarbeit sind, sollten die Zeit sinnvoll mit Weiterbildung nutzen. Denn während die Kurzarbeit in Krisenzeiten ein wichtiges Instrument ist, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, dürfte nach dem Ausklingen der Krise der Fachkräftemangel wieder in den Vordergrund rücken. Insofern will Minister Heil die Unternehmen unterstützen, die in Weiterbildung investieren.
  • Derweil prüft die Bundesagentur für Arbeit (BA) mehrere Hunderte mögliche Betrugsfälle mit dem Kurzarbeitergeld. Momentan bestünden 900 Verdachtsfälle. Laut BA-Vorstand Terzenbach, der für das operative Geschäft zuständig ist, dauere die Prüfung eines Antrags zu Kurzarbeit bis zu drei Wochen. Diese Zeit habe in der Corona-Krise nicht zur Verfügung gestanden. Umso genauer werde nun aber die Prüfung der Schlussabrechnungen vorgenommen.

USA – Neues Hilfspaket auf der Zielgeraden

  • Nahezu alle Bundesstaaten haben in den letzten Tagen einen Anstieg der Infektionszahlen gemeldet. In einzelnen Regionen geraten die Krankenhäuser allmählich an ihre Kapazitätsgrenzen. Die auf das Virus zurückgeführten Todefälle sind allerdings weiterhin deutlich unterhalb der im Frühjahr registrierten Werte.
  • Die Republikaner arbeiten intensiv daran, ihren Vorschlag für ein weiteres Hilfspaket auszuarbeiten; der Entwurf soll heute präsentiert werden. Das neue Paket ist offenbar rund Billion Dollar schwer. Ein wichtiger Punkt ist der Ersatz für das zum Monatsende auslaufende erweiterte Arbeitslosengeld von 600 Dollar pro Woche. Dieses soll durch eine Beihilfe von maximal 70% des letzten Gehalts ersetzt werden. Die für die Bearbeitung der Anträge zuständigen Bundesstaaten haben allerding gewarnt, das es Monate dauern würde, die antiquierten EDV-Systeme entsprechend umzuprogrammieren.
  • Trotz aller Probleme geht der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, immer noch von einem V-förmigen Aufschwung aus. Er stütz sich dabei auf die bis zuletzt guten harten Daten. Diese decken allerdings nur die Zeit vor dem jüngsten starken Anstieg der Infektionen ab. Es muss sich erst noch zeigen, ob die Erholung angesichts der Infektionslage sich derart dynamisch fortsetzt.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China: Gewinne der Industrie verbessern sich

  • Chinas Gewinne der Industrie haben sich in den letzten Monaten verbessert. Im Juni stiegen diese um 11,5%, gegenüber 6,0% im Mai (Grafik 3).
  • Die Leerstandsraten für erstklassige Bürogebäude kletterten im zweiten Quartal 2020 in Shanghai auf 20% und im Technologiezentrum Shenzhen auf 21%, beides die höchsten seit 2008, während Pekings Quote mit 15,5% die höchste seit 2009 war, so die von CBRE zusammengestellten Daten.
  • Peking hat die Maßnahmen zur Kontrolle der Fahrgastkapazität für alle öffentlichen Verkehrsmittel vom vergangenen Freitag aufgehoben, aber alle Pendler müssen weiterhin Masken tragen.
  • In Xinjiang, Dalian und Hongkong nehmen die lokalen Neuinfektionen weiterhin zu.