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Corona-Virus Update 26. März 2020

Die EU Staats- und Regierungschefs beraten heute über mögliche Hilfen aus dem EU-Krisenfonds ESM und “Corona-Anleihen”. In den USA dürften sich in dieser Woche 3 Millionen arbeitslos melden – in der Finanzkrise waren es am Hochpunkt 800.000 Neuanträge. In Singapur, das als Wetterfahne für die Weltwirtschaft gilt, ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 10,6% annualisiert gegenüber dem Vorquartal gefallen. Indes normalisiert sich China zusehends.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Weltweit stagniert die Zahl der Neuinfektionen seit drei Tagen bei rund 40.000. Rund ein Viertel der Fälle kommt aus den USA. Hier breitet sich das Virus weiterhin exponentiell aus.
  • Ähnlich dramatisch ist die Lage in Spanien, wo in den letzten 24 Stunden rund 10.000 Neuinfektionen gemeldet wurden. Positive Nachrichten kommen aus Italien. Hier sind die Neuinfektionen zuletzt in der Tendenz leicht gefallen. Soweit sind wir in Deutschland und Frankreich wohl noch nicht. Aber auch hier scheint der Anstieg weitgehend zum Stillstand gekommen sein.
  • In Südostasien scheint es gelungen zu sein, die Epidemie einzudämmen. China und Südkorea meldeten auch gestern nur 100 Neuinfektionen.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

EU Staats- und Regierungschefs beraten heute über ESM-Hilfen und “Corona-Anleihen”

  • Deutschland: Gestern hat der Bundestag die Soforthilfen für kleine Unternehmen, Soloselbständige und Freiberufler sowie den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) final verabschiedet. Am Freitag wird der Bundesrat über das Hilfspaket entscheiden. Auch der für die Programme notwendige Nachtragshaushalt soll in dieser Woche final vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Damit stehen die Gelder für die Soforthilfen zur Verfügung.
  • Die Bundesregierung will die strengen Kontaktbeschränkungen nach den Worten von Kanzleramtschef Helge Braun später einmal zunächst für junge und gesunde Menschen wieder lockern: „Die nächste Phase lautet natürlich: Junge Menschen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, dürfen wieder mehr auf die Straße.“ Aber noch sind die Maßnahmen in Kraft und das öffentliche Leben ist spürbar eingeschränkt. Das zeigt etwa eine stündliche Zählung von Passanten am Berliner Kurfürstendamm (Grafik 2).
  • EU: Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder werden bei einem für heute anberaumten Gipfeltreffen per Videokonferenz über die Möglichkeit von neuen Kreditlinen aus dem Rettungsfonds der Eurozone ESM oder die Schaffung spezieller EU “Corona-Anleihen” beraten, nachdem die Finanzminister am Dienstagabend keine Einigung erzielen konnten.
  • G20: Auch die G20-Staaten werden sich heute zu einer Videokonferenz zusammenschalten, um über eine gemeinsame Strategie zu beraten. Die Erwartungen für ein Ergebnis sind allerdings gering.
  • Italien: Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitiert Innenministerin Luciana Lamorgese, dass zwischen 11. und 24. März knapp 2,5 Millionen Bürger von der Polizei kontrolliert wurden, von denen annähernd 111.000 (4,5%) gegen die Regeln verstoßen hätten. Von den im gleichen Zeitraum kontrollierten 1,15 Millionen Betrieben hielten sich 2.500 (0,2%) nicht an die Regeln
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA – Senat verabschiedet Hilfspaket

  • Der Senat hat gestern das rund 2 Billionen Dollar umfassende Hilfspaket einstimmig beschlossen. Jetzt muss noch das Repräsentantenhaus zustimmen, die entsprechende Abstimmung könnte bereits morgen stattfinden.
  • Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, hat bereits ein weiteres Hilfspaket ins Gespräch gebracht. Dieses müsse sich auf Direktzahlungen an die Amerikaner konzentrieren.
  • Die heute zur Veröffentlichung anstehenden Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind die erste “harte” Zahl, die eine genauere Abschätzung des durch die Corona-Pandemie verursachten wirtschaftlichen Schadens ermöglicht. Wir erwarten einen massiven Anstieg auf 3 Millionen, das Zehnfache der Vorwoche (siehe Grafik 3). Der bisherige Höchstwert bei den Erstanträgen wurde 1982 mit 680 Tsd erreicht.
  • Die Absicht von Präsident Trump, die wirtschaftlichen Aktivitäten bis Ostern (12. April) zu normalisieren – wozu die verordneten Einschränkungen aufgehoben werden müssten – ist laut seinem Wirtschaftsberater Kudlow kein festes Ziel. Für Flexibilität sprechen sich auch die medizinischen Experten der Regierung aus.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China in etwa bei 95% des Normalzustands

  • China: Die Autoverkäufer meldeten in der dritten Märzwoche einen Rückgang der Pkw-Verkäufe von 40% im Jahresvergleich, nach -80 bis -90% von Februar bis Anfang März. Der durchschnittliche Absatz in der Woche vom 16. bis 22. März betrug etwa 25.000 Einheiten, während die Zahl in der ersten Februarwoche unter 1.000 lag.
  • Der Kohleverbrauch ist mehr oder weniger wieder auf dem normalen Niveau (Grafik 4). Das Fahrgastaufkommen der Metro in Shanghai liegt jetzt bei etwa 70% des normalen Niveaus.
  • Die Regierung schätzt, dass mehr als 70% der kleinen und mittelständischen Unternehmen den Betrieb wieder aufgenommen haben.
  • Singapur, dessen sehr offene Wirtschaft eine Art Wetterfahne für die Weltwirtschaft ist, berichtete, dass das BIP im ersten Quartal um annualisierte 10,6 % gesunken ist. Dies entspricht den Einbrüchen in den Jahren 2008 und 2010.