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Corona-Virus Update 25. März 2020

In Europa gibt es erste Hoffnungsschimmer, dass die Quarantäne-Maßnahmen Wirkung entfalten. Deutschland stundet Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge. Die EU-Staats- und Regierungschefs werden am Donnerstag über “Corona-Anleihen” beraten, nachdem die Finanzminister gestern keine Einigung erzielten. In den USA haben sich das Weiße Haus und der Senat auf ein 2-Billionen-Dollar-Rettungspaket geeinigt. China dürfte 95% des Normalzustands erreicht haben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • In den USA breitet sich die Pandemie immer schneller aus. In den letzten 24 Stunden wurden mehr als 13.000 Neuinfektionen gemeldet, nach 10.591 am Tag zuvor.
  • In Europa gibt es erste Hoffnungsschimmer, dass die Quarantäne-Maßnahmen Wirkung entfalten. Bei der Interpretation der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass sie die Lage vor zehn Tagen widerspiegeln. Im Durchschnitt treten die Symptome nach 5 bis 6 Tagen auf. Erst dann schlagen die Tests an. Bis das Testergebnis vorliegt, vergehen weitere 1 bis 2 Tage. Bis die Meldung bei den Gesundheitsbehörden ankommt, dauert es noch einmal mindestens einen Tag. Insofern ist es durchaus positiv zu werten, dass in Italien die Zahl der Neuinfizierten seit einigen Tagen bei etwas mehr als 5.000 stagniert. In Deutschland haben sich die Neuinfektionen in den letzten Tagen bei rund 4.000 stabilisiert. Noch kein Abflachen der Kurve ist in Spanien zu erkennen.
  • In China ist die befürchtete zweite Welle bislang ausgeblieben. Die Zahl der Neuinfizierten hat sich bei 100 Fällen pro Tag eingependelt, wobei ein großer Teil auf Heimkehrer aus dem Ausland entfällt. Auch in Südkorea und Japan scheint die Lage derzeit unter Kontrolle zu sein.

Deutschland stundet Sozialversicherungsbeiträge, EU berät am Donnerstag über “Corona-Anleihen”

  • Deutschland: Die Arbeitgeber in Deutschland müssen im Fall einer finanziellen Notlage wegen der Coronakrise zunächst keine Sozialversicherungsbeiträge abführen. Auf Antrag des Arbeitgebers können die Beiträge stattdessen bis Mai gestundet werden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Sozialversicherungsträger. Turnusgemäß sind die Beiträge für Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung an diesem Freitag fällig. Eingezogen werden sie von der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Beiträge belaufen sich insgesamt auf rund 40 Milliarden Euro. Ein zentraler Punkt ist, dass keine Stundungszinsen berechnet werden sollen.
  • Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hat am Montag angekündigt, dass Sachsen Koronapatienten aus Italien aufnehmen und auf verschiedene Krankenhäuser verteilen will. Damit reagierte er auf eine Anfrage der italienischen Regierung. Die Krankenhäuser im Freistaat hatten signalisiert, dass sie dazu in der Lage sind. Eine Gruppe von Coronapatienten – angeblich acht Personen – aus Italien, die in Sachsen behandelt werden sollen, ist bereits am Dienstag am Flughafen Leipzig-Halle eingetroffen. Auch Nordrhein-Westfalen nimmt nach Angaben von Ministerpräsident Laschet zehn Coronapatienten aus Norditalien auf.
  • Italien: Die Regierung erwägt die Möglichkeit, Teile der Sperre bis zum 31. Juli zu verlängern. Die Regierung hat alle nicht unbedingt notwendigen Wirtschaftsaktivitäten bis zum 3. April untersagt.
  • Die EU-Finanzminister haben am Dienstagabend keine Einigung über eine EU-weite Strategie zur Bekämpfung des durch das Coronavirus verursachten Wirtschaftseinbruchs erzielt. Diskutiert wurden neue Kreditlinien aus dem Rettungsfonds der Eurozone ESM oder die Schaffung spezieller EU “Corona-Anleihen”. Länder wie die Niederlande und Deutschland lehnten dies ab. Insofern werden darüber die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder bei einem für Donnerstag geplanten Gipfeltreffen diskutieren. Verglichen mit der Idee der Corona-Anleihen zogen viele Länder die Option der Eröffnung von Kreditlinien aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) vor. ESM-Chef Regling sagte, es gebe Unterstützung für eine Idee von Kreditlinien, die 2% der Wirtschaftsleistung eines Euro-Landes unterstützen könnten und mit Bedingungen verbunden wären, wie die Regierungen das Geld verwenden könnten. “Aber es (würde) jedem Mitgliedsstaat freistehen, zu entscheiden, ob er sie beantragen möchte oder nicht.”
  • Euroraum: Die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (PMI für März zeigen, mit welcher Wucht die Corona-Pandemie die Wirtschaft trifft. Unter den Quarantänemaßnahmen leiden insbesondere die Dienstleistungen – der PMI für diesen Sektor ist um 24,2 Punkte auf 28,4 gefallen und liegt damit deutlich unter dem Tiefpunkt während der Finanzkrise von 39,2. Der PMI für das verarbeitende Gewerbe sackte um 4,4 Punkte auf 44,8 ab. Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt bereits im ersten Vierteljahr gegenüber dem Schlussquartal 2019 um mehr als 3% schrumpfen wird. Das ganze Ausmaß der Krise werden wir aber wohl erst im zweiten Vierteljahr sehen.

USA – 2 Billionen Dollar Stimulus

  • Die Fallzahlen in den USA sind erneut stark angestiegen. Besonders New York gilt jetzt als Risikozone, da etwa 60% aller neuen Infektionen im Großraum der Stadt aufgetreten sind. Die sich verschärfende medizinische Lage erhöht den Druck auf die Politik, rasche Hilfe auf den Weg zu bringen.
  • Nach fünftägigen Verhandlungen konnten sich das Weiße Haus und Abgeordnete beider Parteien im Senat auf ein umfangreiches Hilfspaket einigen, das jetzt schnellstmöglich vom Kongress verabschiedet werden soll. Die Zustimmung im Repräsentantenhaus gilt als sicher, da sich die demokratischen Senatoren eng mit der Mehrheitsführerin im Haus, der Demokratin Pelosi, abgestimmt hatten.
  • Das Hilfspaket mobilisiert rund 2 Billionen Dollar an Mitteln. Die Maßnahmen reichen von einer Direktzahlung an jeden Amerikaner unterhalb einer bestimmten Gehaltsgrenze, Liquiditätmaßnahmen für große Unternehmen, Hilfe für kleinere, Zuschüsse an die Bundesstaaten bis hin zu Subventionen für Fluggesellschaften.
  • Hoffnungen auf eine Deal hatten gestern bereits zu massiven Kursgewinnen an den Aktienmärkten geführt. Der S&P-500 erreichte den stärksten Tagesanstieg seit 2008. Der Dow Jones erzielte sogar die stärksten Kursgewinne seit 1933.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China in etwa bei 95% des Normalzustands

  • Der Kohleverbrauch in China ist mehr oder weniger auf ein normales Niveau gestiegen, was darauf hindeutet, dass die Wirtschaft weitgehend wieder den Normalzustand erreicht hat. Auch das Verkehrsaufkommen in den chinesischen Großstädten ist in dieser Woche wieder gestiegen.
  • Der Leiter des chinesischen Statistikamtes schätzt, dass in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 etwa 1,5 Mrd. CNY des Verbrauchs durch den Covid-19-Virus beeinträchtigt wurden, was etwa 7% des nominalen BIP im ersten Quartal entspricht.