Top Charts

Corona-Virus Update 23. Juli 2020 – Fokus USA

In den USA hat die wirtschaftliche Erholung im Zuge der stark steigenden Infektionszahlen an Schwung verloren. Gleichzeitig droht den Verbrauchern einen deutlicher Einkommensrückgang, wenn die zum Monatsende auslaufenden Hilfsprogramme nicht verlängert werden. In der EU mehren sich die Anzeichen für eine zweite Infektionswelle. In Deutschland rechnet die Bundesagentur für Arbeit für den Sommer mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, die Zahl der Arbeitslosen dürfte aber unter 3 Millionen bleiben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA: Verbraucher halten sich wieder mehr zurück

Wir haben für die USA mehrere Indikatoren ausgesucht, die quasi in Echtzeit einen Eindruck davon geben, wo die US-Wirtschaft steht.

1. Stahlproduktion (letzter Wert 18. Juli)

Nach dem scharfen Einbruch der Stahlproduktion Ende März um ein Drittel ist in den letzten Wochen eine stetige Aufwärtsentwicklung sichtbar. Diese erfolgt allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus und mit sehr geringem Tempo.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

2. Frachtverkehr (letzter Wert 18. Juli)

Die chemische Industrie ist für uns von Interesse, weil sie mit vielen anderen Branchen über Lieferbeziehungen verbunden ist. Beim Transport von Chemikalien per Bahn beobachten wir seit einigen Wochen eine Erholung.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

3. Hypothekenanträge (letzter Wert 17. Juli)

Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch im März/April haben die Anträge auf Hypothekenkredite für den Kauf einer Wohnimmobilie kräftig angezogen. Für den starken Anstieg dürften die rückläufigen Hypothekenzinsen verantwortlich sein. Es gehen weiterhin sogar mehr Anträge ein als in den letzten Jahren in der entsprechenden Kalenderwoche üblich war.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

4. Reisende an Flughäfen (letzter Wert 21. Juli)

Der Gesamtdurchsatz von Reisenden an den Kontrollpunkten der Transportation Security Administration (TSA) lag in den letzten sieben Tagen bei durchschnittlich rund 662 Tausend pro Tag und damit etwas niedriger als im vorherigen 7-Tageszeitraum. Dem stehen Messwerte von 2-2,5 Millionen an einem typischen Tag im Jahr 2019 gegenüber. Der Flugreiseverkehr liegt gegenwärtig bei gut 25% des Normalwerts.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

5. Kundenzahl im Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen (letzter Wert 19. Juli)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) und die Freizeiteinrichtungen haben sich gemessen an der von Google ermittelten Kundenzahl spürbar erholt. Verzeichneten die Geschäfte im April zeitweise 40% – 50% weniger Kunden als in normalen Zeiten, so wurde bis Mitte Juni zwei Drittel des Einbruchs wettgemacht. Dann kam der Aufwärtstrend allerdings zum Stillstand, weil die Infektionszahlen wieder steigen und die Behörden deshalb die Lockerungen von Maßnahmen gegen die Pandemie teilweise wieder zurückgenommen haben.

Nach dem Einbruch im April hat die US-Wirtschaft im Mai und im Juni wieder deutlich zugelegt. In den letzten Wochen hat die Mobilität allerdings nicht mehr zugenommen. Hier wirkt sich wohl aus, dass in einigen Bundesstaaten vor allem im Süden und Westen die Infektionszahlen wieder steigen. Entsprechend haben die Behörden dort manche Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie wieder zurückgenommen, zudem dürften sich viele Verbraucher inzwischen wieder von sich aus mit Aktivitäten zurückhalten.

Gefahr droht dem Aufschwung auch von der “Einkommensklippe” Ende des Monats. Der Konsum hatte sich auch deshalb so schnell erholt, weil die Einkommen trotz der Rezession stiegen. Dies liegt an einmaligen Transferzahlungen und der massiven Aufstockung der Arbeitslosenhilfe. Damit ist aber zum 31.7. Schluss. Die Verhandlungen, in welcher Form diese Hilfen fortgesetzt werden, laufen noch.

Weltweite Neuinfektionen

  • Die Corona-Pandemie hält die Welt weiter in Atem. Da ist es schon ein positives Zeichen, dass die Neuinfektionen in den USA nur noch leicht steigen. Die Infektionsrate – die durchschnittlichen Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen je 100.000 Einwohner – hat sich in den letzten Tagen bei 20,5 stabilisiert. Und auch in Brasilien hat das Infektionsgeschehen seit Anfang Juli etwas nachgelassen.
  • In der EU mehren sich die Anzeichen für eine zweite Infektionswelle. In Spanien wurden im Durchschnitt der letzten 7 Tagen knapp 1.400 Neuinfektionen gemeldet, so viele wie zuletzt Anfang Mai. Betroffen ist vor allem Katalonien. In verschiedenen Regionen wurden die Ausgangsbeschränkungen wieder verschärft.
  • Auch Frankreich und Deutschland melden leicht steigende Neuinfektionen. In Frankreich ist die Infektionsrate wieder auf über 1 gestiegen, in Deutschland liegt sie aktuell wieder bei 0,5.

Deutschland – Luftfracht kommt gut durch die Krise

  • Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern bekannt gab, ist der Empfang und Versand von Luftfracht an deutschen Flughäfen von März bis Mai 2020 nur um 12% im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Dies ist ein moderater Rückgang im Vergleich zum Einbruch um 87% im Passagieraufkommen an deutschen Flughäfen.
  • Gegenwind kommt vom Arbeitsmarkt: Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, geht davon aus, dass der deutsche Arbeitsmarkt bis zu drei Jahre brauchen wird, um sich von der Corona-Krise zu erholen. Für den Sommer rechnet Scheele mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte nach aktuellen Schätzungen aber die Grenze von 3 Millionen nicht überschreiten.

China – Notenbank könnte weitere Maßnahmen zurückstellen

  • Laut Chinesischem Automobilverband CPCA verbesserte sich der Pkw-Absatz in der dritten Juliwoche auf 8% im Jahresvergleich. Dennoch steht für den laufenden Monat insgesamt ein Minus von 2% zu Buche.
  • Laut Medienberichten könnte die chinesische Zentralbank aufgrund der bereits hohen Unternehmensverschuldung weitere Stimulierungsmaßnahmen vorerst zurückstellen. Die Entscheidungsträger wollen auch eine Immobilienblase vermeiden und Munition für die Vorbereitung auf weitere Spannungen zwischen den USA und China sparen.
  • Ein Mann, der für einen chinesischen Verarbeiter von Meeresfrüchten in Dalian in der Provinz Liaoning arbeitet, wurde positiv auf COVID-19 getestet. Dies ist der erste gemeldete Fall in der Stadt seit über drei Monaten. In Hongkong bleibt die Zahl der täglich neu auftretenden Fälle weiterhin über 100.