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Corona-Virus Update 22. Mai 2020 – Fokus Euroraum

Laut unserer Echtzeit-Indikatoren hat die französische Wirtschaft die Talsohle inzwischen durchschritten. In Italien nimmt die Erholung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens Fahrt auf, der Einzelhandel hat bereits ein Drittel des Weges geschafft. In den USA hat die Jobkrise ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. In China setzt der Nationale Volkskongress wegen der Corona-Unsicherheiten für 2020 kein Wachstumsziel.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Frankreichs Wirtschaft sendet schwache Lebenszeichen

Seit fast zwei Wochen haben in Frankreich wieder alle Geschäfte geöffnet. Doch normal ist das Leben noch lange nicht. Längere Reisen über 100 Kilometer sind weiterhin nur aus zwingenden beruflichen und familiären Gründen erlaubt. Der Zugverkehr bleibt stark eingeschränkt.

Die Wirtschaft dürfte inzwischen die Talsohle durchschritten haben. Die Produktion scheint leicht anzuziehen. So hat der Stromverbrauch seit den ersten Lockerungsschritten wieder leicht zugenommen (Grafik 1).

Auch am Arbeitsmarkt scheint etwas mehr Bewegung zu sein. Die Online-Stellenangebote waren in der letzten Woche nur noch 27 Prozent unter dem in der zweiten März-Woche zu verzeichneten Niveau (Grafik 2).

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Seit die Franzosen wieder ohne Auflagen und Passierschein die Wohnung verlassen und sich mit bis zu zehn Menschen treffen dürfen, regt sich auch das öffentliche Leben. In Paris nutzen wieder mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr (Grafik 3).

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

In Italien geht es aufwärts

Seit Anfang Mai lockert die Regierung schrittweise die Anti-Corona-Maßnahmen. Das wirtschaftliche und soziale Leben sind auf bestem Wege zur Normalisierung, wie unsere Echtzeit-Indikatoren belegen:

1. Einzelhandel: Ein Drittel des Weges geschafft (letzter Wert: 13. Mai)

Der Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel verzeichnete im Lauf der vergangenen Woche (7. bis 11. Mai) – soweit sind aktuelle Zahlen verfügbar – mehr Zulauf. Die Kundenbesuche im Einzelhandel lagen zuletzt 61% unter üblichen Niveaus (Grafik 4). Vor einer Woche waren dies -72%, am Tiefpunkt Anfang April waren knapp 90% weniger Kunden in den Geschäften.

2. Öffentlicher Nahverkehr zuletzt belebter (letzter Wert: 20. Mai)

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nimmt weiter Fahrt auf. In der vergangenen Woche ist die Zahl der beförderten Personen kontinuierlich gestiegen. Nach Daten der Reiseplanungs-App Moovit, die in unserer Auswertung die Nutzung der App für den ÖPNV in Rom und Mailand zeigt, lag das Passagieraufkommen zuletzt 72% unter üblichen Niveaus (Grafik 5). Dies ist eine spürbare Verbesserung gegenüber der Vorwoche, als noch 77% weniger Fahrgäste die öffentlichen Verkehrsmittel nutzten. Das gestiegene Passagieraufkommen passt zu den Zahlen, dass mittlerweile wieder mehr Menschen an ihrem Arbeitsplatz sind (zuletzt -40% im Vergleich zu normalen Zeiten, nach -54% in der vorangegangenen Woche und -70% am Tiefpunkt Anfang April). Auch der Stromverbrauch hat sich nach Angaben des staatlichen Energieversorgers Terna von seinem Tief von 70% der Normallast auf 87% erholt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Global ist der Kampf gegen die Corona-Pandemie noch nicht gewonnen. In Südamerika breitet sich das Virus noch immer aus. Brasilien meldete in den letzten 7 Tagen genauso viele neue Infektionen je 100.000 Einwohner wie die USA, wo die Zahlen in den vergangenen Tagen wieder leicht gestiegen sind (Grafik 6).
  • In Großbritannien scheint dagegen der Hochpunkt bei den Neuinfektionen überschritten zu sein. Seit zwei Wochen zeigt der Trend klar nach unten. Und auch in Russland hat das Infektionsgeschehen in der letzten Woche nachgelassen.
  • Im Euroraum scheint das Virus unter Kontrolle zu sein. Trotz der zahlreichen Lockerungen sinkt die Zahl der Neuinfektionen in der Tendenz weiter (Grafik 7). In Frankreich und Deutschland infizierten sich in den vergangenen 7 Tagen von 100.000 Einwohner nur noch 0,7 Personen mit dem Virus. In Italien und Spanien waren es noch 1,2 Personen. Im Hochpunkt der Epidemie kamen in Spanien auf 100.000 Einwohner fast 17 Neuinfektionen.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA – Trump will bei zweiter Welle keinen Lockdown

  • Präsident Trump hat erklärt, bei einer etwaigen zweiten Welle von Corona-Infektionen wolle er keine erneute Schließung des Landes. Allerdings liegen die Befugnisse hierzu bei den Gouverneuren der Bundesstaaten.
  • Die Jobkrise hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. So ist die wöchentliche Zahl an Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 16. Mai zwar weiter gesunken, sie liegt aber immer noch bei 2,4 Mio. Dies ist zehnmal so viel wie vor der Krise.
  • Das Imperial College London schätzt, dass sich 4,1% der US-Bevölkerung mit dem Virus infiziert habe, wobei der Anteil in den verschiedenen Bundesstaaten sehr unterschiedlich sei, in New York etwa läge er bei 16,6%. Alle Staaten seien damit weit von einer Herdenimmunität entfernt, die Epidemie sei noch längst nicht vorbei.

China: Kein numerisches Wachstumsziel

  • Der mit Spannung erwartete Nationale Volkskongress beginnt heute in Peking, und China wird kein zahlenmäßiges Wachstumsziel für 2020 festlegen, unter anderem wegen des Virus und globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten.
  • Die Verkäufe von Personenkraftwagen gingen in der Woche vom 11. bis 17. Mai im Jahresvergleich um 3% zurück, nach einem Minus von 8% in den ersten 10 Tagen des Mai (Grafik 8).
  • In den ersten 20 Tagen des Mai sanken Südkoreas Exporte nach China um 1,7% im Jahresvergleich (USA -27,9%; EU -18,4%).