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Corona-Virus Update 20. November 2020

In den USA wächst der Druck auf die Politik, die Corona-Beschränkungen zu verschärfen. In Europa ist zwar die zweite Infektionswelle gebrochen, die Zahl der Neuinfektionen sinkt aber nur langsam. US-Finanzminister Mnuchin überraschte gestern mit der Ankündigung, dass er die meisten der von der Fed mit seiner Zustimmung eingesetzten Notkreditprogramme nicht verlängern will.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Infektionsgeschehen

  • In den USA spitzt sich die Lage weiter zu. Im Durchschnitt der letzten sieben Tage wurden mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner gemeldet, so viele wie noch nie (Grafik 1). Die US-Gesundheitsbehörde CDC riet gestern dringend von Reisen zum Thanksgiving-Feiertag in der kommenden Woche ab. Kalifornien hat für besonders betroffenen Landkreise eine Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr angeordnet.
  • In Brasilien ist die Infektionsrate gestern nicht weiter gestiegen. Ob damit der jüngste Aufwärtstrend gestoppt ist, werden aber erste die nächsten Tage zeigen. In Indien verharrt die Infektionsrate weiter auf niedrigem Niveau.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In der EU ist die zweite Infektionswelle zwar gebrochen, aber die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin hoch. In den Niederlanden und in Frankreich hat sich der Rückgang der Infektionsrate deutlich verlangsamt (Grafik 2). In Deutschland und Italien scheint die Infektionskurve zwar den Hochpunkt erreicht zu haben. Ein klarer Abwärtstrend ist aber noch nicht zu erkennen. In Deutschland verharrte die Infektionsrate gestern bei 22,1.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Die Zahl der in deutschen Krankenhäusern intensiv-medizinisch behandelten Corona-Patienten nimmt nur noch langsam zu. Gestern stieg sie um 27 auf 3588 (Grafik 3). Gegenüber Vorwoche bedeutet dies ein Zuwachs von 12,6%.

Wirtschaft

US-Finanzminister Mnuchin will die meisten der von der Fed mit seiner Zustimmung im Frühjahr eingesetzten Notkreditprogramme nicht verlängern. Mit Verweis auf die erfolgreiche Stabilisierung der Märkte und die geringe Inanspruchnahme hat er die Notenbank aufgefordert, die ungenutzten Mittel des Finanzministeriums zurückzuerstatten. Die Programme müssten dann zum Jahresende eingestellt werden. Betroffen sind die Programme zur Unterstützung des Marktes für Unternehmens- und Kommunalanleihen und das Kreditprogramm für kleinere Unternehmen. Die Fed war von diesem Schritt offenkundig überrascht, hatte sie sich doch im Vorfeld für eine Verlängerung ausgesprochen.

Der künftige US-Präsident Biden hat versichert, dass er zur Bekämpfung der Pandemie keine landesweiten Shutdown verhängen wird. Eine Schließung der Wirtschaft käme nicht in Frage.

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich gestern auf ihrer Videokonferenz nur 30 Minuten mit dem Veto gegen das EU-Finanzpaket von Ungarn und Polen beschäftigt. Ein Lösung des Problems ist, wie von uns prognostiziert, frühestens auf dem regulären EU-Gipfel am 10./11. Dezember zu erwarten.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Wirtschaft

In Frankreich ist nach Schätzungen des französischen Statistischen Amtes (INSEE) die wirtschaftliche Aktivität im November um fast 10% gegenüber Oktober eingebrochen. Sie lag damit wieder 13% unter dem Vorkrisenniveau (Grafik 4). Von den neuen Corona-Beschränkungen stark betroffen sind vor allem die Gastronomie. Aber auch der Groß- und Einzelhandel sowie das Transportwesen verzeichnen starke Einbußen. Für das Schlussquartal 2020 zeichnet sich damit ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes gegenüber dem dritten Vierteljahr um rund 4% ab.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutschland hat die Corona-Maßnahmen auf eine solidere gesetzliche Basis gestellt, nachdem in den vergangenen Wochen immer wieder Zweifel an der Gesetzmäßigkeit einzelner Maßnahmen geäußert wurden und Gerichte Maßnahmen zum Teil aufhoben. Bundestag und Bundesrat haben nun eine Reform des Infektionsschutzgesetzes verabschiedet. Darin werden die Maßnahmen im Detail aufgezählt, die Bund und Länder ergreifen können. Dazu zählen die Maskenpflicht, Abstandsgebote, Reisebeschränkungen, Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, die Schließung von Betrieben und Einrichtungen sowie Verbote von Veranstaltungen und Gottesdiensten. Die Maßnahmen sind grundsätzlich auf vier Wochen befristet.

Der Bedarf der Deutschen an Toillettenpapier scheint dagegen bereits wieder gedeckt zu sein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Basis von Scannerdaten war der Umsatz in den vergangenen beiden Wochen weitgehend normal, nachdem er Ende Oktober angesichts des bevorstehenden Lockdowns kräftig angezogen hatte (Grafik 5). Gefragt blieben aber andere Güter wie Desinfektionsmittel, Reis und Hefe.