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Corona-Virus Update 19. Mai 2020 – Fokus Deutschland

In Deutschland ist die Erholung laut unserer Echtzeit-Indikatoren klar im Gange, vor allem der Einzelhandel lebt spürbar auf. In den USA fährt die Autoindustrie die Produktion allmählich wieder hoch, der Trend bei den Neuinfektionen ist weiter rückläufig. In China lässt die Inflation spürbar nach, was der Notenbank mehr Handlungsspielraum einräumt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutsche Wirtschaft sendet Lebenszeichen

Die schrittweisen Lockerungen der Corona-Maßnahmen lassen die Wirtschaft und das soziale Leben wieder etwas aufatmen. So hat sich der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) weiter belebt. Anders als in der Vorwoche kommen auch vom LKW-Verkehr und vom Stromverbrauch positive Signale. Nur die Nutzung des ÖPNV hat sich nicht weiter verbessert, aber auch hier liegen wir weiter deutlich über den Anfang April erreichten Tiefs:

  1. Einzelhandel: Ein Drittel des Weges geschafft (letzter Wert: 9. Mai)

Der Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel erholt sich zusehends. Mit zwischenzeitlichen Schwächephasen ist der Trend klar aufwärtsgerichtet. Zuletzt, das heißt in der Woche vom 3. bis 9. Mai, waren 38% weniger Kunden in den Geschäften als in normalen Zeiten (Grafik 1). Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber der letzten Aprilwoche (-47%) und dem Tiefpunkt Ende März (-62%).

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. LKW-Verkehr nimmt allmählich wieder zu (letzter Wert: 13. Mai)

Auch vom LKW-Verkehr kommen positive Signale. So erreichte der 7-Tagesdurchschnitt am 13. mai (dem letzten vorliegenden Wert) das höchste Niveau seit Ende März (Grafik 2). Allerdings ist er immer noch gut 10% niedriger als vor der Corona-Krise.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Stromverbrauch deutlich näher am “Normal” (letzter Wert: 18. Mai)

Auch beim Stromverbrauch verringert sich der Anstand zum “normalen Niveau (Grafik 3). So war der 7-Tagesdurchschnitt des Stromverbrauchs in Deutschland gestern nur noch knapp 8% niedriger als bei unserer Vergleichsgröße aus den Jahren 2017 bis 2019. Vor zwei Wochen waren es noch mehr als 12% gewesen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  1. Keine Steigerung im öffentlichen Personennahverkehr (letzter Wert: 17. Mai)

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hat zuletzt nicht weiter zugelegt (Grafik 4). Nach Daten der Reiseplanungs-App Moovit, die die Nutzung für den ÖPNV in sechs Städten Deutschlands zeigt, wurden in der Woche vom 11. bis 17. Mai 57% weniger Personen befördert als gewöhnlich. Damit gab es zwar keine Verbesserung gegenüber der vorangegangenen Woche, aber immerhin hält sich dieses Niveau seit 10 Tagen, das sich deutlich vom Tief Ende März/Anfang April abhebt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Weltweit ist weiterhin kein Rückgang der Neuinfektionen festzustellen. Grund hierfür ist starke Ausbreitung des Virus in Südamerika.
  • In den USA ist die Zahl der Neuinfektion im Trend weiter leicht rückläufig. Der 7-Tage-Durchschnitt ist inzwischen auf 23.000 gesunken (Grafik 5).
  • In Europa scheint die Epidemie eingedämmt zu sein. In den meisten Ländern sinkt die Zahl der Neuinfektionen weiter. Inzwischen ist auch in Italien der 7-Tage-Durchschnitt unter 1.000 gefallen. In Deutschland haben sich in den letzten 7-Tagen im Durchschnitt 700 Personen mit dem Coronavirus infiziert, in Frankreich und Spanien waren es rund 500, in der Schweiz, Österreich und Dänemarkt deutlich weniger als 100.

USA – Weitere staatliche Eingriffe werden diskutiert

  • Präsident Trump hat der Weltgesundheitsorganisation WHO mit einem dauerhaften Stop der US-Beitragszahlungen gedroht, sollte die WHO nicht binnen 30 Tagen “substanzielle” Verbesserungen ihrer Arbeitsweise auf den Weg bringen. Im letzten Jahr zahlen die USA etwa 550 Mio Dollar des 6-Milliarden-Budgets der WHO (China: 40 Mio Dollar).
  • Fed-Chef Powell und Finanzminister Mnuchin sind heute bei einer Anhörung im Senat, bei der es um die Bewertung der staatlichen Hilfsmaßnahmen in der Coronakrise geht. Demokratische Senatoren haben die Fed brieflich zu einer rascheren Auszahlung durch die diversen Notkreditfazilitäten der Notenbank gedrängt. In seinen vorab veröffentlichten Stellungnahme hat Powell erneut versprochen, dass die Fed all ihre Instrumente zur Unterstützung der Wirtschaft nutzen werde.
  • Medienberichten zufolge diskutiert die US-Regierung Vorschläge, wonach Unternehmen durch steuerliche Vergünstigungen dazu gebracht werden sollen, ihre Wertschöpfungsketten aus China zu verlagern. Ein solches Vorhaben kann wohl auch auf die Unterstützung der Demokraten zählen, die ebenfalls Industrie in die USA zurückholen wollen.
  • Die Autoindustrie fährt ihre Produktion allmählich wieder hoch. Sollte es allerdings nicht rasch zu einer Normalisierung des Geschäfts kommen, könnte die Branche erneut auf eine staatliche Rettungsaktion angewiesen sein (bei der letzten Krise 2009 erhielt die Autobranche einen “Bailout” in Höhe von 80 Milliarden Dollar).

China: Inflation lässt spürbar nach

Die Lebenpreise sind in den letzten Wochen rapide gefallen. Mittlerweile liegt das Preisniveau für Lebensmittel mehr als 10% unter dem vor dem Virus und nahe dem Niveau des letzten Jahres. Eine niedrigere Inflation schafft der chinesischen Notenbank mehr Handlungsspielraum