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Corona-Virus Update 16. Juli 2020 – Fokus USA

In den USA bremsen die stark steigenden Infektionszahlen die Erholung. Es gibt allerdings keine Anzeichen für einen breitangelegten, neuerlichen Einbruch der Aktivitäten. In Deutschland könnte heute eine Entscheidung bezüglich lokaler Ausreiseverbote anstehen. Chinas Wirtschaft ist im 2. Quartal stark gewachsen und hat den vorherigen Einbruch wettgemacht.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

USA: Feiertag erschwert Interpretation

Wir haben für die USA mehrere Indikatoren ausgesucht, die quasi in Echtzeit einen Eindruck davon geben, wo die US-Wirtschaft steht.

1. Stahlproduktion (letzter Wert 11. Juli)

Nach dem scharfen Einbruch der Stahlproduktion Ende März um ein Drittel ist in den letzten Wochen eine stetige Aufwärtsentwicklung sichtbar. Diese erfolgt allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus und mit sehr geringem Tempo.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

2. Frachtverkehr (letzter Wert 11. Juli)

Die chemische Industrie ist für uns von Interesse, weil sie mit vielen anderen Branchen über Lieferbeziehungen verbunden ist. Beim Transport von Chemikalien per Bahn beobachten wir seit einigen Wochen eine Erholung.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

3. Hypothekenanträge (letzter Wert 10. Juli)

Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch im März/April haben die Anträge auf Hypothekenkredite für den Kauf einer Wohnimmobilie kräftig angezogen. Für den starken Anstieg dürften die rückläufigen Hypothekenzinsen verantwortlich sein. Es gehen weiterhin sogar mehr Anträge ein als in den letzten Jahren in der entsprechenden Kalenderwoche üblich war.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

4. Reisende an Flughäfen (letzter Wert 14. Juli)

Der Gesamtdurchsatz von Reisenden an den Kontrollpunkten der Transportation Security Administration (TSA) lag in den letzten sieben Tagen bei durchschnittlich rund 670 Tausend pro Tag und damit genauso hoch wie im vorherigen 7-Tageszeitraum. Dem stehen Messwerte von 2-2,5 Millionen an einem typischen Tag im Jahr 2019 gegenüber. Der Flugreiseverkehr liegt gegenwärtig bei gut 26% des Normalwerts.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

5. Kundenzahl im Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen (letzter Wert 12. Juli)

Der Einzelhandel (ohne Lebensmittel) und die Freizeiteinrichtungen haben sich gemessen an der von Google ermittelten Kundenzahl spürbar erholt. Verzeichneten die Geschäfte im April zeitweise 40% – 50% weniger Kunden als in normalen Zeiten, so wurde bis Mitte Juni zwei Drittel des Einbruchs wettgemacht. Dann kam der Aufwärtstrend allerdings zum Stillstand, weil die Infektionszahlen wieder steigen und die Behörden deshalb die Lockerungen von Maßnahmen gegen die Pandemie teilweise wieder zurückgenommen haben.

In den USA haben bei vielen konsumorientierten Dienstleistungen die Aktivitäten wieder zugenommen, während die Industrie noch etwas hinterherhinkt. Seite Mitte/Ende Juni hat die Mobilität allerdings nicht mehr zugelegt. Hier wirkt sich wohl aus, dass in einigen Bundesstaaten vor allem im Süden und Westen die Infektionszahlen wieder steigen und die Behörden dort manche Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie wieder zurückgenommen haben. Ein spürbarer und breitangelegter Einbruch ist allerdings auch nicht zu sehen.

Weltweite Neuinfektionen

  • Die Corona-Pandemie breitet sich noch immer aus. Am stärksten betroffen ist aktuell Amerika und Afrika. In den USA hat das Infektionsgeschehen bis zuletzt weiter zugenommen. Die Infektionsrate – die durchschnittlichen Neuinfektionen in den letzten 7-Tagen je 100.000 – ist auf über 19 gestiegen. Auch in Brasilien ist noch keine Entspannung in Sicht. Die Infektionsrate verharrt seit Anfang Juli bei knapp 18.
  • In der EU richten sich die Blicke derzeit auf Spanien, wo die Zahl der Neuinfektionen wieder steigt. Die Infektionsrate kletterte gestern auf 1,4. In Katalonien wurden in einigen Regionen die Corona-Beschränkungen wieder verschärft.
  • Nur wenige Neuinfektionen werden weiterhin aus Italien, Deutschland und Frankreich gemeldet. In allen Ländern liegt die Infektionsrate unter 1.

Deutschland – Kommen Ausreisebeschränkungen?

  • Eine Entscheidung über mögliche Ausreisebeschränkungen aus lokalen Corona-Krisenherden könnte heute anstehen. Mit diesen Ausreiseverboten sollen lokale Infektionsherde eingegrenzt werden, ohne einen umfassenden Lockdown notwendig zu machen. Diese Beschränkungen sind unter Politikern jedoch umstritten. Eine Einführung solcher Verbote ist deshalb alles andere als sicher.
  • Währenddessen erlaubt Schleswig-Holstein Veranstaltungen im Freien mit bis zu 500 Menschen ab nächster Woche. Dies folgt aus den konstant niedrigen Infektionszahlen im norddeutschen Bundesland.

China – BIP im zweiten Quartal übertrifft Erwartungen, Einzelhandelsumsätze enttäuschen

  • Die chinesische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal gegenüber Vorjahr um 3,2% (Grafik 8). Dies war deutlich mehr als erwartet (Konsens: 2,4%; Commerzbank: 1,6%). Gegenüber Vorquartal steht ein Plus von 11,5% zu Buche.
  • Die monatlichen Konjunkturdaten fielen dagegen gemischt aus. Während die Industrieproduktion im Juni im Einklang mit den Markterwartungen um 4,8% gegenüber Vorjahr zulegte, verfehlten die Einzelhandelsumsätze die Erwartungen. Die Einzelhandelsumsätze lagen 1,8% unter dem Niveau des Vorjahres.
  • Positive Signale kommen vom Immobilienmarkt. Nach unseren Schätzungen stiegen die Immobilienpreise im Juni gegenüber Mai um 0,7%,nach 0,6% im Mai.