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Corona-Virus Update 14. August 2020 – Fokus Euroraum

Die Industrieproduktion im Euroraum hat sich im Juni weiter erholt und die Einzelhandelsumsätze liegen schon wieder nah am Vorkrisenniveau. Allerdings dürfte der neuerliche Anstieg der Infektionszahlen die weitere Erholung bremsen, das Konsumentenvertrauen hat im Juli jedenfalls stagniert. In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erstmals seit Beginn der Pandemie unter 1 Mio gesunken – ein Zeichen, dass sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. In China verliert die Erholung an Dynamik; die heute veröffentlichten Wirtschaftsdaten blieben weitgehend hinter den Erwartungen zurück.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Euroraum: Die Industrie erholt sich

Die zur Bekämpfung des Coronavirus getroffenen Maßnahmen haben die Industrie im Euroraum schwer getroffen. Im April fiel die Produktion in Deutschland um 30%, in Italien sogar um 44%. Seit den schrittweisen Lockerungen der Corona-Maßnahmen und der damit einhergehenden Erholung der Wirtschaft, wurde aber auch die Industrieproduktion im Euroraum wieder hochgefahren. Seit Mai ist eine deutliche Erholung zu beobachten (Grafik 1), die sich im Juni fortgesetzt hat. Im Juni lag die Industrieproduktion nur noch etwa 13% unter dem Vorkrisenniveau. Damit haben die Länder mehr als die Hälfte – Italien sogar zwei Drittel – des Einbruchs wettgemacht. Die Erholung sollte sich im Juli fortgesetzt haben – auch wenn das Tempo der Erholung nachgelassen haben dürfte.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Umsätze im Einzelhandel fast auf Vorkrisenniveau

Auch die Erholung im Einzelhandel hält an (Grafik 2). Nach dem deutlichen Anstieg im Mai sind die Einzelhandelsumsätze im Juni erneut gestiegen – außer in Deutschland, aber hier liegen die Umsätze schon seit Mai sogar über Vorkrisenniveau. Dieses hat auch der Einzelhandel in Frankreich mittlerweile erreicht, wohingegen die Einzelhandelsumsätze in Italien und Spanien noch etwa 5% unter dem normalen Level liegen. Echtzeitindikatoren deuten darauf, dass sich die Erholung im Juli fortgesetzt haben dürfte.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Konsumenten: Angst vor der zweiten Welle

Allerdings steigen seit Juli die täglichen Neuinfektionen in vielen Euroländern wieder. Zuletzt legten die Fallzahlen vor allem in Spanien und Frankreich spürbar zu. Unternehmen und Konsumenten fürchten nun bereits eine zweite Viruswelle in Europa. Darauf deutet das Konsumentenvertrauen für Juli (Grafik 3): In Italien ging das Konsumentenvertrauen im Juli leicht zurück, während es in Deutschland und Frankreich stagnierte. Die spanischen Konsumenten blicken der Zukunft besonders pessimistisch entgegen.

Der Verlauf der zweiten Infektionswelle im Euroraum wird das Tempo der weiteren Erholung bestimmen. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass es – auch bei weiter steigenden Neuinfektionen – im Euroraum erneut zu generellen Lockdowns kommen würde. Eine zweite Welle dürften die Regierungen der Euroländer mithilfe gezielter Einzelmaßnahmen bekämpfen, so wie es aktuell erfolgreich in Belgien geschieht. Trotzdem dürfte eine umfassende zweite Welle die wirtschaftliche Erholung verlangsamen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Am schwersten von der Pandemie getroffen sind weiterhin Nord- und Lateinamerika. In den USA ist die Infektionsrate – die durchschnittlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen – mittlerweile seit Wochen nicht mehr gestiegen und verharrt seit einigen Tagen bei circa 16 (Grafik 4). In Brasilien bewegen sich die Neuinfektionen weiter auf einem hohen Niveau – steigen aber zumindest nicht weiter.
  • In Indien steigen die Infektionszahlen weiter, wohingegen sie in Japan vorerst ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheinen. Im Vereinigten Königreich steigt die Infektionsrate kontinuierlich an, während die Fallzahlen in Russland auf dem tiefsten Stand seit Ende April liegen.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Die zweite Viruswelle hat auch Frankreich voll erfasst. Die Infektionsrate liegt hier mittlerweile bei 2,9 (Grafik 5) und damit auf dem höchsten Stand seit Ende April. Auch Spanien vermeldet weiterhin eine hohe Anzahl an täglichen Neuinfektionen: Vergangene Woche wurden hier durchschnittlich 3.400 Neuinfektionen pro Tag gemeldet.
  • Auch in anderen Euroländern wächst die Angst vor einer zweiten Viruswelle. In den Niederlanden breitet sich das Virus rasant aus: Die Infektionsrate liegt mittlerweile bei 3,5 – vor zwei Wochen betrug sie gerade einmal 1. In Deutschland und Italien lässt sich ebenfalls ein klarer Anstieg beobachten. Insgesamt liegen die Infektionen hier aber noch auf einem niedrigeren Niveau als in den Nachbarstaaten und auch das Tempo des Anstiegs ist geringer.

USA: Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt

  • Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist erstmals seit Beginn der Pandemie unter 1 Mio gesunken. Dies deutet darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt weiter erholt, auch wenn die Zahlen noch deutlich schlechter sind als vor der Krise.
  • Heute Nachmittag stehen “harte” Zahlen zur US-Wirtschaft im Juli an, nämlich die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion. Es wird jeweils mit Zuwächsen gerechnet, die aber geringer ausfallen dürften als im Juni.
  • Der Senat verabschiedet sich in die Sommerpause, würde aber für eine Abstimmung über ein weiteres Stimulusprogramm zurückkehren, sofern sich alle Seiten auf ein Paket einigen können.

China: Aktivitätsdaten für Juli hinter Erwartungen zurück

Die heute veröffentlichten Daten zu Wirtschaftsaktivität für Juli blieben weitgehend hinter den Erwartungen zurück. Die Industrieproduktion legte im Jahresvergleich um 4,8% (Konsens: 5,2%) zu, und die Einzelhandelsumsätze gingen um 1,1% zurück (Konsens: 0,1%). Die Anlageinvestitionen sanken von Januar bis Juli um 1,6% und entsprachen damit den Markterwartungen. Die umfragebasierte Arbeitslosenquote lag im Juli unverändert bei 5,7%, was gegenüber dem normalen Niveau von rund 5% immer noch erhöht ist. Insgesamt hat sich die Wachstumsdynamik in China verlangsamt.