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Corona-Virus Update 13. Juli 2020

In den USA nimmt das Infektionsgeschehen weiter zu. Die in dieser Woche anstehenden zahlreichen Konjunkturdaten dürften dagegen recht positiv ausfallen. In Deutschland wird ein Anspruch auf Mietminderung für den Einzelhandel und das Gastgewerbe diskutiert. Außerdem zeigt eine Studie, dass die übergroße Mehrheit gute Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht hat. Chinas Behörden sorgen sich über die steigende Verschuldung und ausfallgefährdete Kredite.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Das Coronavirus breitet sich weltweit weiter aus. In den letzten Tagen wurden im Durchschnitt 230.000 Neuinfektionen gemeldet, so viele wie noch nie. Neben Nord- und Südamerika gibt es mit Afrika einen weiteren Pandemie-Herd.
  • In den USA nimmt das Infektionsgeschehen weiter zu. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist auf über 60.000 gestiegen. Die Infektionsrate – durchschnittliche Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen je 100.000 Einwohner – ist auf 18 gestiegen (Grafik 1). Das Infektionsgeschehen ist damit nun genauso hoch wie in Brasilien.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In der EU ist was Virus weiter unter Kontroll. Allerdings wächst mit der Urlaubssaison die Angst vor einer zweiten Wellen. Noch gibt es hierfür aber keine Anzeichen. In allen großen EU-Ländern ist die Infektionsrate weiter deutlich unter 1 (Grafik 2).
  • In Deutschland wurden in den letzten 7-Tagen im Durchschnitt nur noch 321 Neuinfektionen gemeldet. Damit wurde wieder der Tiefstand von Mitte Juni erreicht. In Merklenburg-Vorpommern wurden in den letzten 7 Tagen überhaupt keine Neuinfektionen mehr gemeldet.

Deutschland – Anspruch auf Mietminderung, Homeoffice überzeugt

  • Vertreter des Einzelhandels und des Gastgewerbes fordern einen Anspruch auf Miet- und Pachtminderung für in der Corona-Krise angeschlagene Betriebe. Laut Handeslverband Deutschland (HDE) machten viele Kernbrachen in den Innenstädten bedeutend geringere Umsätze und könnten ihre Mieten deshalb nicht in Gänze zahlen. Zahlreiche Vermieter seien nicht bereit, Corona bedingt die Mieten zeitweise zu senken. Eine Mietstundung sei nicht ausreichend und verschiebe die finanziellen Probleme nur in die Zukunft. Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann will daher Gläubiger wie Vermieter oder Leasinggeber an einen Tisch holen und an den finanziellen Einschnitten beteiligen.
  • Das Homeoffice dürfte auch nach der Corona-Zeit an Bedeutung gewinnen und für viele Unternehmen Normalität werden. Das zeigt eine gemeinsame Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation und der Gesellschaft für Personalführung. Fast die Hälfte (42%) der 500 befragten Unternehmen hat bereits beschlossen, die Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten, nach der Corona-Krise sogar noch auszuweiten. Zurück zu weniger Homeoffice will kaum ein Unternehmen. Denn 90% der Unternehmen konnten keine Nachteile durch Homeoffice feststellen.

USA – Keine Entspannung in Sicht

  • Es gibt weiterhin keine Anzeichen einer Besserung der Lage. Der besonders betroffene Bundesstaate Florida meldete alleine am Sonntag über 15 Tausend Neuinfektionen. Kalifornien, dem im Frühjahr mit entschlossenen Maßnahmen eine Eindämmung der Infektionszahlen gelang, erleidet ebenfalls einen massiven Anstieg der Neuinfizierten.
  • Immerhin gibt es auch Hoffnungszeichen: So meldete New York City – der erste Hotspot der Pandemie in den USA – für Sonntag zum ersten Mal seit März keinen einzigen Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19.
  • Die in dieser Woche anstehenden zahlreichen Konjunkturdaten dürften dagegen recht positiv ausfallen. Sowohl Industrieproduktion als auch Einzelhandel werden für den Juni wohl deutliche Zuwächse verzeichnen. Allerdings decken diese Daten eine Zeitraum ab, der vorwiegend vor dem jüngsten starken Anstieg der Infektionszahlen liegt. Das Risiko steigt, dass die sich verschärfende Infektionslage die Wirtschaft belastet.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China: Weitere aggressive Lockerung unwahrscheinlich

  • Chinas Bankenaufsichtsbehörde gab am Wochenende eine seltene Erklärung ab, in der sie davor warnte, dass die notleidenden Kredite (NPL) in naher Zukunft aufgrund des Virusausbruchs und der wirtschaftlichen Verlangsamung ansteigen könnten. Die chinesischen Behörden haben angekündigt, die Abwicklung der NPLs in der zweiten Jahreshälfte zu beschleunigen. In der Zwischenzeit sagte die Bankenaufsichtsbehörde, dass Geld illegal auf die Aktien- und Wohnungsmärkte durchgesickert sei. Die chinesische Notenbank teilte am Freitag mit, dass der gesamtwirtschaftliche Verschuldungsgrad im ersten Quartal wahrscheinlich weiter gestiegen ist. Die Behörden scheinen über die finanzielle Stabilität in der Wirtschaft besorgt zu sein. Eine weitere aggressive Lockerung dürfte daher kaum eine Option sein.
  • Die Geldmenge M2 wuchs bis Ende Juni 2020 im Jahresvergleich um 11,1% und damit so stark wie seit 2017 nicht mehr, da die Regierung die Unterstützung für die vom Virus betroffene Wirtschaft aufgestockt hat (Grafik 3).
  • Südkoreas Exporte fielen in den ersten 10 Tagen des Juli um 1,7% gegenüber dem Vorjahr. Nach Ländern betrachtet, stiegen die Lieferungen nach China um 9,4% und die Lieferungen in die Vereinigten Staaten um 7,3%.