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Corona-Virus Update 11. November 2020

In den USA breitet sich das Coronavirus immer stärker aus. In der EU scheint dagegen der Scheitelpunkt der zweiten Infektionswelle erreicht zu sein. Weder die stark steigenden Neuinfektionen noch die Verzögerung des neuen Konjunkturpakets haben sich bislang negativ auf die Erholung der US-Wirtschaft ausgewirkt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Infektionsgeschehen

  • In den USA gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle. In den letzten sieben Tagen wurden durchschnittlich mehr als 130.000 Neuinfektionen gemeldet. Das entspricht 40 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, so viele wie noch nie (Grafik 1). Dagegen hat sich die Situation in Brasilien und Indien, die nach den USA die höchste Zahl an Infizierten aufweisen, deutlich entspannt.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • In der EU zeigen die jüngsten Corona-Beschränkungen erste Wirkung. In den Niederlanden ist die Zahl der Neuinfektionen bereits deutlich gesunken (Grafik 2). Auch Spanien und Frankreich haben zuletzt weniger Neuinfektionen gemeldet. In Deutschland und Italien hat sich der Anstieg der Infektionsrate merklich abgeschwächt.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Die Zahl der in deutschen Krankenhäusern intensiv-medizinisch behandelten Corona-Patienten hat gestern weiter auf 3.059 zugenommen (Grafik 3). Doch im Vergleich zu Ende Oktober hat das Tempo des Anstiegs mit 28% gegenüber Vorwoche deutlich nachgelassen.

Wirtschaft

Die Zahl der offenen Stellen in den USA ist gestiegen. Daten des Arbeitsministeriums zeigen, dass Ende September 6,4 Millionen Stellen zu besetzen waren. Dies liegt zwar unter dem Vorkrisenniveau vom Februar (7 Millionen), ist aber eine deutliche Verbesserung im Vergleich mit dem April-Tief von 5 Millionen. Aktuelleren Daten des Online-Jobmarktes ZipRecruiter zufolge sind im November 10,8 Millionen Stellen online ausgeschrieben und damit nur unwesentlich weniger als im Februar. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt hat sich trotz eines bisher ausgebliebenen neuen Konjunkturpakets fortgesetzt.

Der US-Kongress hat in den nächsten Wochen ein volles Arbeitsprogramm. Die laufende Ausgabenermächtigung der Bundesregierung läuft am 11. Dezember aus. Hier ist eine weitere Brückenlösung zu erwarten, die die Funktionsfähigkeit der Regierung kurzfristig sichert. Beim neuen Konjunkturpaket liegen die Vorstellungen noch weit auseinander: Die Demokraten wollen immer noch 2 Billionen Dollar ausgeben, die Republikaner bislang nur 650 Milliarden. Hier kommt es auf die Kompromissfähigkeit beider Parteien an – und darauf, ob man Präsident Trump zur Unterschrift unter eine ausgehandelte Lösung bewegen kann.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Wirtschaft

In Deutschland hat sich die Automobilindustrie im Oktober weiter von dem Einbruch im Frühjahr erholt. Saisonbereinigt liefen nach Angaben des Automobilverbandes (und auf Basis unserer Saisonbereinigung) fast 9% mehr Autos vom Band als im September. Dies spricht dafür, dass die Industrie gut ins vierte Quartal gestartet ist und somit ein Gegengewicht zu den wohl wieder schwächeren Dienstleistungen bildet. Ein weiterer deutlicher Anstieg der Autoproduktion ist für die kommenden Monate allerdings nicht zu erwarten. Denn die Produktion liegt inzwischen wieder auf ihrem Vorkrisentrend, der seit Anfang 2018 nach unten zeigt (Grafik 4).

Die Zahl der Neuzulassungen hat sich im vergleich zum September, kaum verändert. Damit liegt sie saisonbereinigt weiterhin knapp 15% unter ihrem Vorkrisenniveau.

In China sind die Pkw-Verkäufe im Oktober nach vorläufigen Schätzungen des Automobilverbandes CPCA im Jahresvergleich um rund 10% gestiegen. Bereits im September hatten die Verkäufe um 10% zugelegt. In diesem Zusammenhang hielt der chinesische Präsident Xi Jinping bei der Eröffnungszeremonie der dritten China International Import Expo eine Rede, in der er erklärte, das Ziel sei es, den chinesischen Markt in einen Markt für die Welt zu verwandeln, in einen Markt, der von allen geteilt wird, und in einen Markt, der für alle zugänglich ist. Diese Äußerungen sollen offenbar die Bedenken zerstreuen, dass sich China im Rahmen der neuen Strategie der “Zwei Kreisläufe” von der Weltwirtschaft abkoppelt.

In Italien gelten seit heute landesweit verschärfte Corona-Regeln, unter anderem mit einer nächtlichen Ausgangssperre. Die Bürger dürfen zwischen 22:00 und 5:00 Uhr ihre Wohnungen nur aus gesundheitlichen Gründen verlassen, oder um zu arbeiten. Für Schüler ab der 7. Klasse gibt es Online-Unterricht. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen nur bis zu 50% ihrer Kapazität Passagiere befördern. Darüber hinaus werden landesweit Museen, Wettbüros und Einkaufshallen an Wochenenden geschlossen. Kinos, Theater, Fitnessstudios und Schwimmbäder wurden bereits in einer vorherigen Maßnahme geschlossen. Die neuen Regeln differenzieren zudem Maßnahmen für Regionen mit unterschiedlichen Infektionsraten. In den “roten Zonen” werden nicht-essenzielle Geschäfte und Märkte geschlossen, Reisen in und aus diesen Regionen werden untersagt, selbst Reisen innerhalb einer “roten Zone” sind nicht erlaubt. In “orangen Zonen” bleiben die Geschäfte offen, aber Bars und Restaurants werden geschlossen. Innerhalb einer “orangen Zone” sind Reisen, beispielsweise zwischen Städten, erlaubt.