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Corona-Virus Update 10. August 2020

US-Präsident Trump unterzeichnete Dekrete zur Bereitstellung zusätzlicher Hilfe für Arbeitslose, zur befristeten Aussetzung der Erhebung von Sozialabgaben, zur Vermeidung von Zwangsräumungen und zu Erleichterungen für Schuldner von Studienkrediten. Der daraus resultierende ökonomische Impuls dürfte allerdings gering sein. In Deutschland kostet die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten den Steuerzahler jede Woche mindestens acht Millionen Euro. Die italienische Regierung hat ein drittes Hilfspaket mit einem Volumen von 25 Mrd Euro auf den Weg gebracht und verlängert damit das Entlassungsverbot für alle Mitarbeiter. In China ist die Verschuldung der Unternehmen auf 164% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • In den USA ist die Anzahl der täglichen Neuinfektionen weiter hoch, die Infektionsrate – durchschnittliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen – ist aber seit mehr als zwei Wochen deutlich rückläufig (Grafik 1). In Brasilien geht die Anzahl der Neuinfektionen leicht zurück – verharrt aber auf einem sehr hohen Niveau. Am Wochenende wurde hier die Grenze von 100.000 Corona-Toten überschritten. Im Vereinigten Königreich stiegen die Fallzahlen zuletzt wieder leicht an und liegen aktuell auf dem höchsten Niveau seit Ende Juni.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
  • Im Euroraum schnellte insbesondere in Spanien die Infektionsrate zuletzt nach oben (Grafik 2). Aber auch in Frankreich liegt die Infektionsrate – durchschnittliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen – wieder über 2 und damit auf dem höchsten Stand seit Ende April. In Deutschland und Italien steigen die täglichen Neuinfektionen ebenfalls – insgesamt befinden sich diese aber auf einem niedrigeren Niveau

Deutschland: Testpflicht für Reiserückkehrer kostet Staat mehrere Millionen pro Woche

Seit vergangenem Samstag gilt die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Für die Kosten kommt der deutsche Staat auf. Laut Berechnungen von ZDF heute kosten alleine die Tests für Flugpassagiere jede Woche acht Millionen Euro. Zugrunde gelegt wurden die Risikogebiete und Fluggastzahlen in der 30. Kalenderwoche, wobei sich die vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiete täglich ändern können und die Zahl der Flugpassagiere tendenziell leicht steigt. Finanziert werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen, der Bund übernimmt die Kosten dann aber über einen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen.

Italien verlängert das Entlassungsverbot

Am Freitag hat die italienische Regierung ein drittes Hilfspaket mit einem Volumen von 25 Mrd Euro beschlossen. Insgesamt belaufen sich die drei Progamme nunmehr auf 100 Mrd Euro. Die neuerlichen 25 Mrd Euro sind dazu bestimmt, das erweiterte Kurzarbeitergeld um weitere viereinhalb Monate zu verlängern. In dem wirtschaftsschwachen Süditalien sollen die Unternehmen von Oktober an nur noch 70% der Rentenbeiträge für ihre Mitarbeiter zahlen. Vorerst ist die Beitragssenkung nur für drei Monate geplant. Außerdem soll das seit März geltende Entlassungsverbot für alle Beschäftigten mindestens bis Mitte November verlängert werden. An sich hätte das Entlassungsverbot bis August gegolten und wäre vor den Regionalwahlen am 20. September ausgelaufen.

USA – Trump erlässt Hilfen per Dekret

  • US-Präsident Trump unterzeichnete Dekrete zur Bereitstellung zusätzlicher Hilfe für Arbeitslose, zur befristeten Aussetzung der Erhebung von Sozialversicherungsbeiträgen, zur Vermeidung von Zwangsräumungen und zur Unterstützung von Schuldnern von Studentendarlehen. Es ist jedoch unklar, ob Trump für all diese Maßnahmen rechtlich zuständig ist, da das Haushaltsrecht beim Kongress liegt. Zudem dürfte der wirtschaftliche Impuls gering sein. Trump entschloss sich zum Handeln, da im Kongress die Verhandlungen über ein Coronavirus-Hilfspaket stocken.
  • Um die am 31. Juli ausgelaufene erhöhte Arbeitslosenhilfe von 600 Dollar pro Woche teilweise zu ersetzen, würde die Bundesregierung eine wöchentliche Zahlung von 400 Dollar einführen, die zu 75% von der Bundesregierung und zu 25% von den Bundesstaaten finanziert würde. Da es nicht klar ist, ob die Bundesstaaten ihren Anteil aufbringen können, da viele von ihnen aufgrund der Rezession mit Haushaltsdefiziten zu kämpfen haben, fügte er später hinzu, dass die Bundesstaaten beantragen könnten, dass die Bundesregierung die gesamten 400 US-Dollar zahlt. Die zusätzlichen Leistungen für Arbeitslose werden aus dem Katastrophenhilfsfonds gezahlt, der wichtigsten Geldquelle der Regierung zur Deckung von Kosten bei Notlagen. Die zusätzlichen wöchentlichen Leistungen würden bis zum 6. Dezember, etwa einen Monat nach der Wahl, oder bis die Finanzmittel des Katastrophenfonds auf 25 Milliarden Dollar sinken, zur Verfügung stehen. Da die Regierung damit letztlich nur 44 Milliarden Dollar für diese Maßnahme vorgesehen hat, wird ihr das Geld wahrscheinlich lange vor Dezember ausgehen. Die Demokraten hatten vorgeschlagen, die Leistungen zum alten Satz von 600 Dollar wieder aufzunehmen, während die Republikaner sie ursprünglich auf 200 Dollar pro Woche senken oder in Kombination mit den Leistungen der Bundesstaaten auf 70% des letzten Gehalts begrenzen wollten.
  • Präsident Trump wies das Finanzministerium auch an, bei Arbeitnehmern, die weniger als etwa 100.000 $ pro Jahr verdienen, 6,2% Sozialabgaben vom 1. September bis zum 31. Dezember nicht einzutreiben. Wenn die Arbeitgeber diese Abgaben nicht mehr einbehalten, würden die ausgezahlten Löhne steigen, aber auch eine Verbindlichkeit im Jahr 2021 schaffen, da die Abgaben letztendlich immer noch gezahlt werden müssen. Die Abgaben werden nämlich nicht gesenkt, sondern die Zahlungstermine nur verschoben. Die Steuergesetze geben dem Finanzminister die Befugnis, die Einziehung von Steuern und Abgaben zu verzögern, und die Verwaltung hat diese Befugnis bereits genutzt hat, um im Frühjahr eine Reihe von Steuerfristen auf den 15. Juli zu verschieben. Es ist aber keineswegs sicher, dass viele Arbeitgeber die Sozialabgaben tatsächlich zeitweilig nicht vom Lohn abziehen werden, denn sie müssen am Ende für die Zahlung geradestehen.
  • Die steigende Zahl der Coronavirus-Fälle hat die wirtschaftliche Erholung im Juli zwar verlangsamt, aber nicht zum Stillstand gebracht. Gemäß Arbeitsmarktbericht stieg die Beschäftigung um 1,8 Millionen, etwas mehr als erwartet. Das ist allerdings weniger als im Juni (4,8 Millionen).
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China: Schuldenstand steigt

  • Chinas Verbraucherpreis- (VPI) und Produzentenpreis-Inflation (PPI) fiel im Juli mit 2,7% (nach 2,5%) etwas höher aus als erwartet (Konsens: 2,6%). Sollte die Inflation in den kommenden Monaten weiter anziehen, dürfte die Geldpolitik in Zukunft weniger akkommodierend sein. Die PPI-Inflation lag im Juli bei -2,4% gegenüber dem Vorjahr (Konsens: -2,5%), gegenüber -3,0% im Vormonat.
  • Chinas Schuldenstand stieg im zweiten Quartal 2020 erneut. Laut Daten der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (CASS) ist die Gesamtverschuldung im zweiten Quartal auf 266,4% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen ist (nach 259,3% im ersten Quartal), was die expansive Geldpolitik inmitten des Virusausbruchs widerspiegelt. Nach Sektoren lag die Schuldenquote der Unternehmen bei 164,4%, gegenüber 161,1% im ersten Quartal.