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Corona-Virus Update 1. April 2020

Die US-Regierung rechnet mit bis zu 240.000 Toten und Präsident Trump fordert ein Ausgabenprogramm von 2 Billionen Dollar. In Deutschland erwartet man mehr als die 1.4 Millionen Kurzarbeiter während der Finanzkrise. In Italien starten vorklinische Tests von fünf Impfstoffen; Humantests könnten im Herbst beginnen. China meldet zum ersten Mal symptomfreie Covid-19-Fälle.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Weltweite Neuinfektionen

  • Die Europa scheint der Hochpunkt bei den Neuinfektionen erreicht, wenn nicht sogar überschritten zu sein. Italien meldete in den letzten drei Tagen im Durchschnitt 4.440 Neuinfektionen. In den drei Tagen zuvor waren es noch 6.029. Ähnliches gilt für Spanien, wo die Zahlen von 8.279 auf 6.582 gesunken sind. In Deutschland stagnieren die Neuinfektionen bei rund 4.700.
  • In den USA spitzt sich die Lage dagegen weiter zu. Ein Abflachen der Infektionskurve ist noch immer nicht zu erkennen.
  • In China, Südkorea und Japan scheint es gelungen zu sein, die Ausbreitung des Virus nachhaltig einzudämmen. Die von vielen Experten prognostizierte zweite Welle an Neuinfektionen ist zumindest bislang ausgeblieben.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Deutschland – viele Kurzarbeiter

  • Deutschland: Das Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit (BA) haben gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz auf die kommende Belastung des Arbeitsmarktes durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie hingewiesen. Demnach haben im März 470.000 Betriebe für ihre Beschäftigten Kurzarbeitergeld beantragt oder beabsichtigen dies. Die Zahl der dann tatsächlich kurzarbeitenden Arbeitnehmer dürfte wesentlich höher ausfallen (Grafik 2). Die Bundesregierung rechnet in den kommenden Monaten mit deutlich mehr als den 1,4 Mio Kurzarbeitern zuzeiten der Finanzmarktkrise.
  • Italien: Confindustria, Italiens größte Arbeitgeberorganisation, schätzt den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im ersten Halbjahr auf -10% im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2019. Gleichzeitig stellte das oberste Gesundheitsinstitut (ISS) klar, dass die Schutzmaßnahmen weiterhin notwendig seien, um das Virus zu bekämpfen, auch wenn die Neuinfektionen scheinbar ein Plateau bildeten.
  • Diesen Montag starteten vorklinische Tests von fünf Impfstoffen. Ergebnisse werden bis Mitte Mai erwartet, Humanversuche könnten im Herbst beginnen, wie die Testfirma, das Biotechnologieunternehmen Takis, mitteilte.

USA – “Schmerzvolle zwei Wochen”

  • Präsident Trump hat die Amerikaner gewarnt, dass zwei “sehr, sehr schmerzvolle Wochen” bevorstünden. Erst danach würde man wohl Licht am Ende des Tunnels sehen. Die US-Regierung veröffentlichte Modellschätzungen, wonach man mit bis zu 240 Tsd Toten durch die Epidemie zu rechnen habe, selbst wenn alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen würden. Diese Pressekonferenz Trumps schlug damit einen deutlich ernsteren Tonfall an als seine relativ optimistischen Aussagen zuvor.
  • Die durch das Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise verleiht Plänen verstärkter Infrastrukturausgaben Rückenwind. Trump forderte ein Ausgabenprogramm von 2 Billionen Dollar (“sehr groß und sehr mutig”, wie er es auf Twitter ausdrückte). Damit greift er Vorschläge der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, auf. Abgeordnete beider Parteien äußerten sich ebenfalls zustimmend. Damit nimmt die Diskussion um ein viertes Hilfspaket (“Covid-4”) Fahrt auf.
  • Allerdings tritt der republikanische Mehrheitsführer im Senat, McConnell, noch auf die Bremse. Er verwies darauf, dass der Kongress bis 20. April noch in einer Sitzungspause ist und er würde gerne auch erst einmal die Wirkung des gerade beschlossenen Hilfspakets abwarten.
  • Die Fed hat gestern ein weiteres Programm aus der Taufe gehoben und die Einrichtung einer internationalen Repofazilität verkündet. Damit können ausländische Zentralbanken kurzfristige Dollar-Kredite von der US-Notenbank bekommen. Dies soll etwaige Engpässe bei der Versorgung des internationalen Finanzsystem mit Dollars beheben; solche Engpässe waren 2007/08 ein wichtiger Krisenverstärker.
  • Auch in den USA steigt der Liquiditätsbedarf stark an. Banken haben in den letzten Wochen sehr viele neue Kredite an Unternehmen ausgereicht, zahlreiche Firmen haben dabei auf bestehende Kreditlinien zurückgegriffen. Die von der Fed eingerichteten Notfallkreditefazilitäten dürften bald stark nachgefragt werden.
Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

China – Erste Meldungen über symptomfreie Fälle

  • China mledet zum ersten Mal symptomfreie Fälle. Demnach traten am 31. März 130 neue symptomfreie Covid-19-Fälle auf. Am 30. März gaben die Behörden an, dass es insgesamt 1.541 symptomfreie Fälle gibt.
  • Die Exporte Südkoreas nach China gingen im März um 5,8% im Jahresvergleich zurück, nachdem sie im Januar und Februar um 10,7% bzw. 6,7% gesunken waren. Die südkoreanischen Ausfuhren sind ein guter Indikator für die gesamten Importe Chinas und werden etwa zwei Wochen vor diesen Zahlen veröffentlicht.
  • Der Caixin Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie lag im März mit 50,1 über den Erwartungen. Im Gegensatz zum offiziellen PMI, der die größeren Firmen abbildet und auf 52 gestiegen ist, deckt der PMI der privaten Firma Caixin eher die klein- und mittelständischen Unternehmen ab.
  • Der Kohleverbrauch zog gestern wieder etwas an (Grafik 3).