Währung

China schlägt zurück, aber es ist noch nicht alles verloren

USD: Ich fürchte, nur der US Präsident weiß, ob die aktuellen Entwicklungen im Han-delsstreit lediglich ein vorübergehendes Aufflackern sind, oder ob etwas viel Schlimmeres dahinter steckt, das vielleicht gar nicht mehr gekittet werden kann. Schließlich schlägt China jetzt zurück, obwohl Trump zuvor China vor Vergeltungsmaßnahmen warnte: das chinesische Finanzministerium hat angekündigt, dass es auf US Importe in Höhe von rund 60 Mrd. USD per 1. Juni Zölle von bis zu 25% erheben wird. Rein von der Höhe der Importe her sitzen die USA am längeren Hebel. Und wie mein Chef Ulrich Leuchtmann an dieser Stelle gestern schrieb, ist nur sehr schwer einzuschätzen, wie der netto-Effekt dauerhafter US-Zölle auf chinesische Importe, sollte der Handelsstreit weiter eskalieren, auf den Dollar sein würde. Sicher ist, dass die Risikoaversion am Markt erhöht bleiben wird, wenn sich die beiden Großmächte kloppen, so dass die klassischen Häfen CHF und JPY gefragt bleiben werden, wohingegen der Aussie, der Kiwi sowie SEK und NOK tendenziell schwere Zeiten haben. Ebenso die Währungen der Emerging Markets. Der Dollar könnte jedoch, da er sich im Zentrum des Konflikts befindet und der Markt ernsthafte wirtschaftliche Konsequenzen fürchtet (weshalb auch die 10-jährigen Renditen gestern stark unter Druck gerieten), die zu Zinssenkungen seitens der Fed führen könnten, diesmal unter einer Eskalation sogar leiden, entgegen seiner sonstigen Funktion als sicherer Hafen. Und allmählich scheint auch dem US Präsidenten die mögliche Gefahr für die US Wirtschaft klar zu werden. Twitterte er zuvor noch, dass es „in China niemanden mehr geben wird, mit dem man Geschäfte machen kann“, sprach er abends davon, dass er seine Entscheidung noch nicht getroffen habe, was die neuen Zölle von 300 Mrd. beträfen, und dass er fühle, die Handelsgespräche würden „sehr erfolgreich“ sein. Möglicherweise beunruhigen ihn die Verluste an den amerikanischen Börsen oder eventuelle Warnungen aus der heimischen Industrie und Landwirtschaft.

Es ist aber wohl noch nicht alles verloren. Denn es sieht so aus, als würde ein Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident Xi beim G20-Treffen Ende Juni (28.-29. Juni) in Osaka stattfinden. Das gibt zumindest Hoffnung, dass bis dahin ein Deal oder ein Quasi-Deal erreicht werden kann. Sicherlich, wenn das Treffen nicht stattfindet oder mit einer verhaltenen Stimmung endet, könnte ein erneutes Marktchaos unvermeidlich sein. Daher müssen beide Seiten in den nächsten 3-4 Wochen hart verhandeln, um etwas zu erreichen. Die USA haben gedroht, alle chinesischen Waren mit Zöllen zu belegen, und der US-Handelsbeauftragte hat eine endgültige Liste von Produkten im Wert von etwa 300 Mrd. USD vorbereitet. Seitens China war zu vernehmen, dass es „bis zum Ende kämpfen” wird. Ich kann mich noch erinnern, dass es in den letzten zwei Jahrzehnten mindestens zwei kritische Momente gab, als die Beziehung zwischen den USA und China kurz vor dem Zusammenbruch stand. Einer war die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad (Mai 1999) durch die USA, der andere war der Zwischenfall auf der Insel Hainan (April 2001). Beide Vorfälle begannen mit einem Chaos, endeten aber zumindest mit einem friedlichen Ton. Wenn die Geschichte uns etwas lehrt, dann bin ich geneigt zu glauben, dass ein ausgewachsener Handelskrieg sehr unwahrscheinlich sein wird.

Zurück zum Devisenmarkt: die PBoC hat das USD-CNY-Fixing erneut um den “antizykli-schen Faktor” ergänzt. Allerdings handelte das Währungspaar USD-CNH, welches weniger von der chinesischen Zentralbank kontrolliert wird, in den letzten Sitzungen sehr volatil. CNY und CNH haben alle Gewinne seit Dezember letzten Jahres, als das Treffen zwischen Trump und Xi stattfand, abgegeben. Konsens am Markt ist, dass die chinesische Zentralbank USD-CNY bei der Marke von 7,00 im Vorfeld des G20-Treffens in Osaka verteidigen wird. Ich stimme dem zu, da die PBoC eine starke Bilanz bei der Wahrung der Währungsstabilität vorweisen kann.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

GBP: Hatte wirklich jemand damit gerechnet, dass sich die Konservativen und die Opposition in Großbritannien einigen würden? Angeblich sind die jüngsten Gespräche zu einer möglichen Einigung im Brexit zwischen Tories und Labour ergebnislos abgebrochen worden, weshalb das Pfund gestern unter Druck geriet. Zwar betont Downing Street weiterhin, dass nach wie vor nach einem Weg gesucht wird, eine Einigung zu treffen, um auf geordnete Weise aus der EU auszutreten. Aber innerhalb ihrer eigenen Partei wächst der Gegenwind gegen diese Gespräche und gegen May selbst. Die Europawahlen Ende Mai werden die innerparteilichen Differenzen nur verstärken. Aufgeschoben beim Brexit ist halt nicht aufgehoben. Bis Ende Oktober kann das Pfund deshalb noch erheblich unter Druck kommen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V45 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

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