Währung

Brexit-Deal in Reichweite

GBP – Brexit-Deal in Reichweite

Laut Presseberichten liegt zumindest das Grundgerüst für einen Brexit-Deal. Die Unterhändler haben sich offensichtlich über die Grundsätze geeinigt – auf Basis des britischen Vorschlags vom vergangenen Donnerstag. Die Vorhut der EU-Gipfelteilnehmer kann damit die Grundlagen für die morgen beginnende Sitzung vorbereiten. Das Pfund konnte von diesen Nachrichten nochmal deutlich profitieren. Seit Donnerstag (als dieser neue Deal-Vorschlag auf den Tisch kam) konnte es gegenüber dem Dollar nun schon 4½% zulegen (4% gegenüber dem Euro). Damit dürfte der größte Teil des No-Deal-Risikos (der Kombination aus No-Deal jetzt und Verschiebung mit unsicherem Ausgang) ausgepreist sein. Aber noch nicht alles. Denn es bestehen Restrisiken.

  1. Offensichtlich fehlt noch die Unterstützung der nordirischen DUP. Die prozedurale Zollgrenze zwischen Großbritannien und Nordirland, die Teil des Deal-Entwurfs ist, ist für die DUP ein schwerer Brocken. Fun fact: Laut Presse ist der DUP eine Zustimmung mit ein paar Milliarden an Subventionen abzukaufen. Wenn die Nationalisten hierzulande nur so leicht umzudrehen wären…
  2. Die in der Vergangenheit größte Hürde war das britische Parlament. Allerdings: Wenn selbst Brexit-Hardliner der “European Research Group” (insbes. Steve Baker) sich positiv zum vorliegenden Deal-Entwurf äußern, ist von dieser Seite nicht mit viel Widerstand zu rechnen.
  3. Dieser Deal wird kompliziert. Dass Nordirland de jure und ökonomisch im Zollraum Großbritanniens angesiedelt wird, prozedural aber in Europa, wird ein administrativer Albtraum, der erst einmal auf Papier gebracht werden will. Auch andere wichtige Eckpunkte (Zustimmung des nordirischen Parlaments) sind – so die bisherigen Berichte – noch offen. Es scheint, dass die Europäer mehr Zeit benötigen und eine technische Brexit-Verschiebung wollen. Für Premier Boris Johnson ist das kein leichter Schritt. Schließlich wollte er lieber “tot im Graben liegen” als um Verlängerung bitten. Aber ehrlich: Selbst der verbohrteste Brexiteer kann nicht ernsthaft wegen zwei, drei Monaten technischer Verschiebung das Chaos eines No-Deals wollen.

Bei allen Schwierigkeiten ist doch klar: Sowohl diese britische Regierung als auch Europa werden nicht mehr hinter diesen Deal-Kompromiss zurück können. Selbst wenn es noch Zickerei gibt, No-Deal-Brexit ist deutlich unwahrscheinlicher geworden. Eine baldige Rückkehr der GBP-Wechselkurse auf die Niveaus vom Donnerstagmorgen (ca. 1,22 in GBP-USD und 0.90 in EUR-USD) erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn: Die Spot-Bewegung und deutliche Rückgang der GBP-Volas hat die Kosten eines 3M-EURGBP-Calls mit Strike 0.90 mehr als halbiert. Leichter ist das Management von Brexit-Risiko bei gegebenem Kalkulations-Kurs also allemal.

Wie weit kann im günstigen Fall die Erholung des Pfundes noch führen? Initial ist natürlich nocheinmal ordentlich was drin, wenn die Restrisiken (siehe oben) beseitigt werden. Allerdings muss ich vor allzuviel GBP-Optimismus warnen. Dieser Deal verhindert einen ungeordneten Brexit, aber es wird ein ziemlich harter Brexit. Noch ist nicht über die Fristen bekannt. Man mag allerdings hoffen, dass die Übergangsfristen großzügig bemessen werden. Dass Johnson und seine Brexiteers sich als Gewinner kleinlich geben, mag ich nicht glauben.

Dennoch: Zwischen Großbritannien und Europa gibt’s demnächst eine Europa-Außengrenze. Im besten Fall (bei Zollunion) so, wie zwischen der Türkei und Bulgarien. Ökonomisch rückt Großbritannien damit ein gehöriges Stück von Europa – seinem weitaus wichtigsten Handelspartner – weg. Das ist ein Effizienzverlust. Klar, langfristig steht dem gegenüber, dass die Briten eine eigene, marktfreundliche Regulatorik wählen können. Ich zweifele daran, dass die Hoffnung auf positive langfristige Brexit-Folgen am Devisenmarkt (der allzu oft kaum über die eigene Nasenspitze hinausdenkt) verhindert, dass sich bald Katerstimmung breit macht.

Hinzu kommt ein anderer Punkt: Seit Jahr und Tag erzählt uns die Bank of England, das No-Deal-Risiko sei der Grund, warum sie noch nicht ihren Leitzins erhöhen kann. Das glaube ich nicht. Auch ein Deal wird nicht verhindern, dass das Königreich vom globalen Abschwung betroffen ist. Momentan sind beide Effekte beim besten Willen nicht auseinander zu dividieren. Aber warum gerade die britische Insel sich vom globalen Umfeld entkoppeln können soll leuchtet mir nicht ein.

Also: Ja, die Beseitigung der Restunsicherheit dürfte dem Pfund weiteren Auftrieb verleihen. Danach werde ich der erste, der GBP-Bär wird.

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CNY – Mnuchin warnt: Zölle im Dezember noch nicht vom Tisch

Vom US-Finanzminister waren gestern mahnende Töne zu hören. So warnte er davor, dass der vorgeschlagene Zoll von 15% auf rund 160 Mrd. $ an chinesischen Waren noch immer im Dezember verhängt werden könne, sofern China nach dem letzte Woche diskutierten Deal nicht liefere. Indes hatte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer letzten Freitag klargestellt, dass US-Präsident Trump noch nicht über die Dezember-Zölle entschieden habe. Die Marktteilnehmer scherten sich gestern jedoch kaum um Mnuchins Äußerungen, sondern konzentrierten sich auf die guten Nachrichten. China scheint daran gelegen zu sein, dass die für Dezember vorgesehene Zollerhöhung aufgeschoben wird. So haben offizielle Vertreter beider Seiten bereits erklärt, dass noch wesentlich mehr Anstrengungen erforderlich seien, um das Abkommen druckreif zu machen. Derzeit lautet das Ziel, die Vereinbarung noch vor dem Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) vom 16. bis 17. November in Chile abzuschließen. In puncto Währung hielt die chinesische Zentralbank (PBoC) das tägliche Mittelpunkt-Fixing in der letzten Woche vergleichsweise stabil. Die positiven Nachrichten haben den Renminbi (CNY) gestützt. So fiel USD-CNY seit seinem Hoch Anfang September bei rund 7,1900 wieder unter 7,1000. Dennoch sind weitere Irrungen und Wirrungen vor dem APEC-Meeting nicht auszuschließen. Dementsprechend erscheint es riskant, einseitig auf eine anhaltende Aufwertung des CNY zu setzen.

Ein Blick auf andere Daten zeigt, dass das Finanzierungsvolumen im September („aggregate financing“), mit dem das allgemeine Kreditwachstum gemessen wird, von zuvor 2 Bio. CNY auf 2,3 Bio. CNY gestiegen ist. Dies war teilweise darauf zurückzuführen, dass die PBoC die Datenreihe um neue Komponenten erweitert hat. Auch die Neukredite verbesserten sich von 1,2 Bio. CNY auf 1,7 Bio. CNY. Dabei spielten jedoch saisonale Faktoren eine Rolle, zumal die Kreditnachfrage in der Regel am Ende jedes Quartals ansteigt. Fazit: Massive geldpolitische Impulse weichen weiterhin einer vorsichtigen und abgestimmten Unterstützung für die Wirtschaft.

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