Rohstoffe

Aufwertender US-Dollar lastet auf Rohstoffpreisen

Die Ölpreise sind seit Monatsbeginn aufgrund von Nachfragesorgen unter Druck geraten. Heute rutscht der Brentölpreis auf 105 USD je Barrel ab. Als Belastungsfaktor kommen steigende Corona-Infektionszahlen in China hinzu. Im Westen schürt die Kombination aus hohen Energiepreisen und steigenden Zinsen Sorgen vor einer Rezession, die die Ölnachfrage schwer beeinträchtigen würde. In Europa kommt die Sorge vor einem russischen Gaslieferstopp hinzu, wenn die seit gestern laufenden turnusmäßigen Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream Mitte nächster Woche beendet sind.

Thema der Woche: Über Rezessionssorgen, Neuinfektionen und Pipeline-Durchflüsse

Die Ölpreise sind seit Monatsbeginn aufgrund von Nachfragesorgen unter Druck geraten. Heute rutscht der Brentölpreis auf 105 USD je Barrel ab. In der letzten Woche notierte Brent sogar kurzzeitig unter der Marke von 100 USD. Als Belastungsfaktor kommen steigende Corona-Infektionszahlen in China hinzu. Nachdem in der Wirtschaftsmetropole Shanghai die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Tagen deutlich zugenommen hat, werden dort neue Lockdown-Maßnahmen befürchtet. Shanghai war erst Anfang Juni aus einem mehr als zwei Monate währenden Lockdown herausgekommen. Der chinesische Staatschef Xi Jinping hatte kürzlich einer Abkehr von der strikten Zero-Covid-Strategie eine klare Absage erteilt. Für die Ölnachfrage in China bestehen damit Abwärtsrisiken, weil abhängig von der Infektionslage immer wieder mit neuerlichen Mobilitätseinschränkungen gerechnet werden muss. Im Westen schürt die Kombination aus hohen Energiepreisen und steigenden Zinsen Sorgen vor einer Rezession, die die Ölnachfrage schwer beeinträchtigen würde. In Europa kommt die Sorge vor einem russischen Gaslieferstopp hinzu, wenn die seit gestern laufenden turnusmäßigen Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream Mitte nächster Woche beendet sind. Dann wird sich auch zeigen, ob die Drosselung der Gaslieferungen durch Russland seit Mitte Juni tatsächlich nur auf das Fehlen einer Turbine zurückzuführen war. Mit der Rückgabe der gewarteten Turbine durch Kanada an Deutschland entfällt dieses von der russischen Seite genannte Argument. Daher bleibt es spannend, ob Russlands Präsident Putin in der nächsten Woche den Gashahn wieder öffnen lässt und falls ja wie stark. In der letzten Woche sorgte zudem ein russisches Gericht für Schlagzeilen, indem es den Export von Rohöl aus Kasachstan über ein Terminal am Schwarzen Meer für 30 Tage aussetzte. Damit hätte dem Markt vorübergehend eine Tagesmenge von gut 1 Mio. Barrel Rohöl gefehlt.

Dass ein anderes Gericht die Entscheidung mittlerweile wieder rückgängig und in eine Zahlung einer vergleichsweise milden Geldstrafe umwandelte, sollte kaum beruhigen. Denn dieser Vorgang zeigt deutlich, wie stark die Energielieferungen Russlands von politischer Einflussnahme abhängig sind. Derartige Geschehnisse können sich in ähnlicher Form jederzeit wiederholen. US-Präsident Biden dürfte derweil versuchen, Saudi-Arabien während seines Besuches dort in dieser Woche von einer stärkeren Ausweitung der Ölproduktion zu überzeugen. Im Juni hatte Saudi-Arabien aktuellen Umfragen zufolge nicht einmal die laut OPEC+-Abkommen erlaubte Menge produziert. Ob es Biden gelingen wird, die Saudis zu einer deutlichen Produktionserhöhung zu bewegen, ist allerdings zweifelhaft. Denn Saudi-Arabien ist offenbar weiterhin an einer engen Zusammenarbeit mit Russland im Rahmen der OPEC+ interessiert. Das zeigte auch die jüngste Erhöhung der offiziellen Verkaufspreise für Abnehmer in Asien im kommenden Monat. Diese müssen dann deutlich höhere Preisaufschläge für saudi-arabisches Öl zahlen als im Juli. Damit dürfte es Russland weiterhin problemlos gelingen, sein deutlich preiswerteres Öl nach Asien zu verkaufen. Bereits im Mai und Juni lieferte Russland mehr Öl nach China als Saudi-Arabien. Da die Saudis auch die Preisaufschläge für Europa deutlich erhöht haben, könnte es den US-Anbietern wiederum leichter fallen, ihr Öl in Europa zu verkaufen, da die EU den Import von russischem Öl bis zum Jahresende einstellen will. Für Abnehmer in den USA erhöhte Saudi-Arabien die Verkaufspreise dagegen nicht, was als weiteres Zugeständnis an die USA verstanden werden könnte.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Energie

  • Die spekulativen Finanzanleger haben ihre Netto-Long-Positionen bei Rohöl in den vergangenen Wochen kräftig abgebaut. Bei WTI kam es in den letzten fünf Wochen laut aktueller CFTC-Statistik zu einem Rückgang um knapp 30% auf 191,7 Tsd. Kontrakte, bei Brent in den letzten drei Wochen laut ICE-Daten um mehr als ein Drittel auf 141,5 Tsd. Kontrakte (jeweils Berichtswoche bis zum 5. Juli). Die Netto-Long-Positionen bei WTI sind damit auf das niedrigste Niveau seit April 2020 gefallen.
  • Laut dem Chef der Internationalen Energieagentur, Birol, erlebt die Welt eine Energiekrise, wie es sie in Ausmaß und Komplexität bislang noch nicht gegeben hat. Zudem betont Birol, dass möglicherweise das Schlimmste noch bevorsteht. Auf Europa sieht Birol einen sehr schwierigen Winter zukommen.
  • Seit gestern fließt aufgrund von Wartungsarbeiten kein Gas mehr über die Ostseepipeline Nord Stream. Die Unterbrechung soll bis zum 21. Juli andauern. Laut Gazprom soll dafür etwas mehr Gas über die Ukraine nach Europa geliefert werden.
  • Die Preise im EU-Emissionshandel pendeln seit nunmehr Mitte April zumeist zwischen 80 und 90EUR je Tonne seitwärts. Wir erwarten zunächst eine Fortsetzung der Konsolidierung, denn dem verstärkten Einsatz an Kohlekraft stehen die hohen konjunkturellen Risiken gegenüber. Auch der politische Rückenwind ist vorerst schwach. Der geplante Verkauf von Zertifikaten aus der Marktstabilitätsreserve im Rahmen des REPowerEU-Plans unterstreicht, dass Energiesicherheit momentan vorrangig vor Klimaschutz ist.
Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD2S7ULongOil Brent FutureFaktor: 5
SH310NShortOil Brent FutureFaktor: -5
SD1XJFLongOil WTI Light Crude Future Faktor: 5
SH3QBCShortOil WTI Light Crude Future Faktor: -5
SH2SLDLongNatural Gas Future Faktor: 5
SN0WY8ShortNatural Gas Future Faktor: -5
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Edelmetalle

  • Die guten US-Arbeitsmarktdaten hatten am Freitag keine nennenswerten Auswirkungen auf Gold. Auf die Daten hin sind zwar die Fed-Zinserwartungen etwas gestiegen – laut den Fed Fund Futures sind für die nächste Sitzung jetzt wieder 75 Basispunkte eingepreist –, dies hat Gold aber relativ gut weggesteckt. Der feste US-Dollar führt allerdings dazu, dass Gold heute vorübergehend auf ein 9½-Monatstief von gut 1.720 USD gefallen ist.
  • Ein nennenswerter oder nachhaltiger Preisanstieg von Gold wird unseres Erachtens neben dem festen US-Dollar auch durch die andauernden und kräftigen ETF-Abflüsse verhindert. In der letzten Woche verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs Abflüsse von 29 Tonnen, die stärksten seit acht Wochen und die vierten in Folge (mit zunehmender Dynamik). Die spekulativen Finanzinvestoren haben sich bei Gold bis zuletzt ebenfalls weiter zurückgezogen. Laut CFTC-Statistik liegen deren Netto-Long-Positionen auf dem tiefsten Stand seit über drei Jahren.
  • Die spekulativen Finanzinvestoren haben auch Silber und Platin den Rücken gekehrt und damit wohl zum jüngsten Preisrückgang dieser beiden Edelmetalle beigetragen. Bei Silber bestehen die höchsten Netto-Short-Positionen seit gut drei Jahren, bei Platin seit letztem September. Eine solch negative Haltung war in der Vergangenheit oftmals ein Indikator für eine bevorstehende Wende.
  • Wie der Verband der chinesischen Automobilproduzenten (CAAM) gestern berichtete, hat sich der chinesische Automarkt im Juni erholt. Die Autoverkäufe sind demnach gegenüber Vorjahr um gut 41% gestiegen. Stark zeigten sich einmal mehr die Absätze von Autos mit neuen Antriebsformen. Auf Platin und Palladium hatte die Meldung gestern aber kaum Einfluss. Beide Preise sind gefallen. Platin machte damit die Gewinne vom Freitag wieder rückgängig. Palladium, das am Freitag sogar um mehr als 8% stieg, handelt dagegen noch immer deutlich höher als zuvor.
Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD3APGLongGold FutureFaktor: 5
SF5DDDShortGold FutureFaktor: -5
SN0785LongSilver FutureFaktor: 5
SF5DDEShortSilver FutureFaktor: -5
SH3N5XLongPlatinum FutureFaktor: 5
SD34P8ShortPlatinum FutureFaktor: -5
SN26CNLongPalladium FutureFaktor: 5
SH3VFJShortPalladium FutureFaktor: -5
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Industriemetalle

  • Nachdem sich die Metallpreise in der letzten Woche zwischenzeitlich erholt hatten, stehen sie seit gestern wieder unter Druck. Unseres Erachtens belastet zum einen der feste US-Dollar, der mit dem Euro jetzt fast gleichauf ist. Daneben haben deutlich steigende Corona-Zahlen in Shanghai Sorgen ausgelöst, dass es zu neuerlichen Lockdowns kommt, im Zuge derer die Nachfrage nach Industrierohstoffen wohl leiden würde.
  • Wohl aus diesen Gründen ist auch der Eisenerzpreis heute auf ein 7-Monatstief gefallen. Dass sich das Kreditwachstum in China im Juni stark beschleunigt hat (die Daten wurden von der Zentralbank gestern veröffentlicht), spielt im aktuellen Marktumfeld offenbar keine Rolle. Grund für die vermehrten Kredite dürfte der Versuch sein, der Wirtschaft nach den jüngsten Lockdowns wieder auf die Beine zu helfen.

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