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Verpackungshersteller Gerresheimer wächst langsamer

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Das Wachstum des Spezialverpackungsherstellers Gerresheimer hat wegen einer schwächeren Nachfrage nach Pharma-Glasverpackungen in Nordamerika nachgelassen. Insgesamt habe sich der Umsatz im dritten Geschäftsquartal etwas schwächer entwickelt als erwartet, erklärte Analyst David Adlington von der Bank JPMorgan. Dass der MDax-Konzern die Jahresziele bestätigte, half den Aktien aber. Die Papiere fielen im frühen Handel zunächst deutlich, drehten zuletzt aber ins Plus. Einige Investoren hatten einem Händler zufolge an der Erreichbarkeit der Jahresziele gezweifelt.

Der Umsatz stieg in den drei Monaten bis Ende August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent auf 358,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Ohne den schwächeren Eurokurs, dank dem nach der Umrechnung von US-Dollar mehr übrig bleibt, hätten die Erlöse im dritten Quartal aber nur stagniert. Nach dem stärkeren Wachstum zuvor ergibt sich für die ersten neun Monaten damit ein Plus von 4,8 Prozent.

Konzernchef Dietmar Siemssen zufolge lief vor allem das Geschäft mit vorfüllbaren Spritzen und Kunststoffverpackungen für die Pharmaindustrie gut. Dem leichten Wachstum der Sparte Plastics & Devices stand aber ein Umsatzrückgang im Segment Primary Packaing Glass gegenüber, das etwa Flakons für die Kosmetikindustrie sowie Glasbehälter für Medikamente herstellt. Gerade die operativen Probleme beim Pharmakunden Pfizer hätten hier erneut belastet, erklärte JPM-Analyst Adlington. In Europa liefen die Glas-Geschäfte laut Gerresheimer aber stabil und in Asien legten sie zu.

Ein kräftiges Wachstum erzielte indes der neue und mit Abstand kleinste Geschäftsbereich - Advanced Technologies. In diesen wurde der 2018 übernommenen Hersteller von Mikropumpen zur Medikamentengabe Sensile Medical eingebracht.

Gewinnseitig musste Gerresheimer Einbußen hinnehmen. So sank der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 2,3 Prozent auf 72,2 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente der MDax-Konzern mit 30,7 Millionen Euro 5,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dabei sind unter anderem Sonderabschreibungen herausgerechnet. Zudem machte sich auch ein Sondereffekt bemerkbar: So hatte das Unternehmen vor einem Jahr eine Entschädigung im Zusammenhang mit einem verlorenen Inhalatoren-Auftrag in einem Schweizer Werk erhalten. Immerhin sei der Auftragsverlust fast wettgemacht worden, hob Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank positiv hervor.

Der Experte bezeichnete 2019 als Übergangsjahr. Gerresheimer steckt derzeit viel Geld ins Wachstum, wie den Ausbau der Spritzen- und Inhalatoren-Produktion sowie in die Modernisierung und Automatisierung von Produktionsanlagen. Zudem wurde in Essen ein Ofen repariert. Alles in allem investierte Gerresheimer alleine im dritten Quartal mehr als 45 Millionen Euro. Mittelfristig sollen diese Schritte Früchte tragen. So will Konzernchef Siemssen den Umsatz ausgehend vom Geschäftsjahr 2019 bis 2022 jährlich im Durchschnitt um vier bis sieben Prozent steigern.

In dem bis Ende November laufenden Geschäftsjahr peilt der Manager weiterhin einen Umsatz von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro an nach 1,41 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 295 Millionen Euro plus, minus 5 Millionen Euro erreichen. 2018 waren es 307,5 Millionen Euro gewesen.